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Handy am Steuer wird zur „Seuche“

16.02.2016 | 05:34 Uhr

An Rhein und Ruhr. Immer mehr Autofahrer telefonieren während der Fahrt mit dem Handy und verursachen wegen der Ablenkung häufig Unfälle. 2015 erwischte die Polizei in NRW bereits 146 000 Handy-Sünder. „Das ist wie eine Seuche“, klagte NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) gestern bei der Vorlage der Verkehrsunfallbilanz. In 182 Fällen wurde die Handy-Nutzung als Unfallursache festgestellt. Bilanz: drei Tote. Nach Unfällen stellte die NRW-Polizei 339 Smartphones sicher, deren Daten darauf ausgelesen wurden, ob während der Unfallfahrt telefoniert wurde.

„Wer innerorts bei Tempo 50 nur zwei Sekunden auf sein Handy schaut, fährt 30 Meter im Blindflug“, mahnte Jäger. Die Gesetzgebung müsse dringend angepasst werden. Es könne nicht sein, dass derjenige, der im Auto eine Start-Stopp-Automatik hat, an der Ampel sein Handy nutzen dürfe, während der Fahrer ohne Automatik dafür 60 Euro Strafe zahle.

Insgesamt kamen auf den NRW-Straßen im Vorjahr 521 Menschen ums Leben. Während die Zahl der Verkehrstoten damit nahezu gleich blieb, sank die Zahl der Schwerverletzten um 2,7 Prozent auf 13 159 Personen. Zwar betonte Jäger, dass die NRW-Polizei trotz der insgesamt hohen Belastung an den zahlreichen Verkehrskontrollen festhält. Dagegen sprach der NRW-Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, (GdP), Arnold Plickert, von einem deutlichen Rückgang der Blitz-Aktionen. Wurden 2014 noch 446 000 Autofahrer bei Tempo-Tests innerhalb geschlossener Ortschaften angehalten, sank die Zahl 2015 auf landesweit 314 000 Kontrollen. Insgesamt erwischte die Polizei im Vorjahr 2,2 Millionen Raser. Und Raserei hat oft tödliche Folgen.

„Es bleibt dabei, Killer Nummer eins im Straßenverkehr ist eine zu hohe Geschwindigkeit“, sagte Jäger. Inzwischen sei jeder dritte Verkehrstote Opfer von zu hohem Tempo. Einen Unfall mit Tempo 50 würden acht von zehn Fußgängern überleben, bei Tempo 65 hingegen würden acht von zehn Fußgängern sterben, rechnete der Minister vor. Wie im Kampf gegen Alkohol am Steuer müsse auch das Rasen gesellschaftlich geächtet werden. „Wir werden in den Anstrengungen nicht nachlassen“, sagte Jäger.

GdP-Landeschef Plickert fürchtet, dass die Zahl der getöteten Fußgänger im Straßenverkehr in den kommenden Jahren in einer alternden Gesellschaft weiter zunehmen wird.

Wilfried Goebels

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