Handwerk fürchtet Ausbildungsabgabe

Düsseldorf..  Das Handwerk in Nordrhein-Westfalen hat die rot-grüne Landesregierung vor der Einführung einer Ausbildungsabgabe für Betriebe ohne Lehrlinge gewarnt. „Die Landesregierung macht den Riesenfehler, der Wirtschaft gegenüber diese Zwangsabgabe als Drohkulisse zu inszenieren“, sagte NRW-Handwerkspräsident Andreas Ehlert gestern in Düsseldorf. Unternehmer, die oft vergeblich nach ausbildungsfähigem Nachwuchs suchten, dürften nicht auch noch bestraft werden. „Wir nehmen jeden, der geeignet ist und in die Betriebsabläufe passt, mit Kusshand“, so Ehlert.

Die Landesregierung sucht nach zuletzt rückläufigen Zahlen bei den Ausbildungsverträgen in Nordrhein-Westfalen gemeinsam mit Vertretern aus Wirtschaft, Kommunen, Arbeitsagenturen und Gewerkschaften nach Wegen aus der Misere.

Ein Sprecher der Landesregierung trat jedoch auf Anfrage dem Eindruck entgegen, dass eine Vorentscheidung zur Einführung einer Ausbildungsabgabe gefallen sei: „Ziel ist es, dass die Unternehmen 2015 deutlich mehr Ausbildungsverträge abschließen als im Vorjahr.“ In Arbeitsgruppen werde zurzeit erörtert, welche Instrumente zielführend seien. Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) habe deutlich gemacht, dass dringend konkrete Maßnahmen notwendig seien, damit alle Schulabgänger eine verlässliche Perspektive bekämen, hieß es weiter.

Der Handlungsdruck auf dem Ausbildungsmarkt ist enorm: Im Koalitionsvertrag haben SPD und Grüne eine „Ausbildungsplatzgarantie“ für alle versprochen. Von diesem Ziel ist man in Nordrhein-Westfalen weit entfernt. Diskutiert wird offenbar eine Kammerumlage, die regional einen finanziellen Ausgleich zwischen Ausbildungsbetrieben und Unternehmen ohne Lehrstellen schafft und zur Einstellung junger Leute motivieren soll.

Der DGB fordert seit Jahren eine gesetzliche Ausbildungsumlage für alle Unternehmen in Nordrhein-Westfalen und hatte zuletzt ein Rechtsgutachten dazu eingeholt.

Bisher gibt es bereits im Bauhauptgewerbe und in der Altenpflege eine solche Umlagefinanzierung. Laut Handwerkspräsident Ehlert ist die Zahl der Lehrlinge in der Bauwirtschaft seit der Einführung dennoch deutlich gesunken. Für Ehlert lässt dies nur einen Schluss zu: „Es entbehrt jeder Grundlage, dass sich die Unternehmen ihrem ureigensten Interesse an der Fachkräftesicherung entzögen.“