Härtere Strafen für Computer-Hacker

Düsseldorf/Berlin..  NRW-Justizminister Thomas Kutschaty (SPD) will Angriffe auf private Computer besser abwehren. Für die Justizministerkonferenz am Mittwoch in Stuttgart kündigte Kutschaty einen Vorstoß gegen Cyberkriminalität an. Nötig sei neben härteren Strafen für Hacker ein gemeinsames Vorgehen der Länder mit Herstellern von Computern und Software bei der Suche nach technischen Lösungen zum Schutz heimischer Computer, sagte Kutschaty der WR.

„Unser Strafgesetzbuch braucht ein Update! Wir müssen in der Lage sein, die Täter angemessen bestrafen zu können“, so Kutschaty. Weil aber bei einer Bestrafung der Schaden schon eingetreten sei, müsse früher eingegriffen werden, „um Menschen die Möglichkeit zu geben, ihren PC so zu schützen, dass er nicht unbemerkt gekapert werden kann“.

Nach Angaben Kutschatys sind 40 Prozent aller internetfähigen Computersysteme in Deutschland mit gefährlicher Software verseucht und können von Kriminellen unbemerkt ferngesteuert werden. Der „Klassiker“ zur Infektion eines Rechners sei das Anklicken von Links in manipulierten E-Mails. Mittlerweile nutzten Täter auch reguläre Internetseiten, die sie zuvor so präpariert hätten, dass die gefährliche Software praktisch in der Seite der ahnungslosen Opfer versteckt sei. Opfer würden ausgespäht, vertrauliche Daten kopiert und der Internetverkehr manipuliert. Täter könnten sogar unbemerkt die Webcam oder das Mikrofon einschalten und heimlich in privateste Lebensbereiche eindringen, warnte Kutschaty.

Die jüngste Attacke auf die Computersysteme im Bundestag zeigt aus Sicht des Ministers, dass der größte Schaden durch das Zusammenschalten von Millionen manipulierter Computer (Bot-Netz) angerichtet werden kann. Auch auf den NRW-Landtag werden nach dessen Angaben „fast jeden Tag Angriffe“ durchgeführt.

Beim Cyber-Angriff auf den Bundestag soll auch ein Rechner aus dem Bundestagsbüro von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) infiziert worden sein. Das berichtet die „Bild am Sonntag“. Der Rechner sei einer der ersten gewesen, bei dem der Trojaner festgestellt wurde.

Ein Sprecher der Unionsfraktion wollte das weder bestätigen noch dementieren. Die unbekannten Hacker hätten den Namen von Merkel auch für das Versenden von infizierten E-Mails benutzt (siehe Box)