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Grüner Zoff über Urwahl-Frage

25.08.2012 | 12:41 Uhr
Foto: /dapd/Danny Gohlke

Die Suche nach den Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl sorgt bei den Grünen für Streit. Der Vorschlag des Bundesvorstands, eine Urwahl abzuhalten, stößt beim Europaabgeordneten Werner Schulz auf Ablehnung, bei der Grünen Jugend hingegen auf große Zustimmung. Umstritten ist zudem die Frage, wie viele Spitzenkandidaten es geben soll. Auch Ex-Kanzler Gerhard Schröder (SPD) diskutiert mit.

Berlin (dapd). Die Suche nach den Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl sorgt bei den Grünen für Streit. Der Vorschlag des Bundesvorstands, eine Urwahl abzuhalten, stößt beim Europaabgeordneten Werner Schulz auf Ablehnung, bei der Grünen Jugend hingegen auf große Zustimmung. Umstritten ist zudem die Frage, wie viele Spitzenkandidaten es geben soll. Auch Ex-Kanzler Gerhard Schröder (SPD) diskutiert mit.

Der Länderrat der Grünen entscheidet am 2. September, ob es eine Mitgliederbefragung gibt. Für diese Möglichkeit will sich der Bundesvorstand stark machen. Bislang haben Parteichefin Claudia Roth, Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt sowie die beiden Vorsitzenden der Bundestagsfraktion, Renate Künast und Jürgen Trittin, ihr Interesse an einem Kandidatenposten angemeldet.

"Der Personalprozess läuft unprofessionell"

Der Grünen-Europaabgeordnete Schulz lehnt eine Urabstimmung klar ab. "Ein Parteitag muss das Spitzenpersonal für die Bundestagswahl bestimmen, dazu brauchen wir keinen Mitgliederentscheid", sagte er dem "Focus" laut Vorabbericht.

Schulz kritisierte zugleich die Grünen-Führung für den Umgang mit der Frage: "Der ganze Personalprozess läuft seit Monaten unprofessionell." Die Inhalte der Partei verschwänden im Hintergrund.

Ähnlich kritisch äußerte sich die Sprecherin der Grünen Jugend, Sina Doughan. "Viele Mitglieder sind von der monatelangen Personaldebatte inzwischen sichtlich genervt", sagte sie dem Magazin.

Anders als Schulz ist aber der Parteinachwuchs laut Doughan "ganz klar für eine Urwahl". Eine Entscheidung über die Spitzenkandidaten dürfe "auf keinen Fall im Hinterzimmer fallen", sagte sie.

Schröder wirbt für Trittin

Unklar ist bislang, ob es erneut zwei Spitzenkandidaten geben soll oder eine Teamlösung mit mehr Beteiligten. Doughan lehnte die Teamvariante ab. Dieser Vorschlag sei der verzweifelte Versuch der Realos in der Partei, einen Kandidaten aufzubauen, urteilte sie.

Göring-Eckardt warb hingegen erneut für diese Variante. "Ich bin dafür, dass wir als Team auftreten", sagte sie der "Welt". "Vielfalt verspricht Erfolg." Zur Urwahl sagte Göring-Eckardt, wenn es sie gebe, "sollten wir sie zuerst mit unseren Inhalten bestreiten". Sie selbst stehe für "die Bewahrung der Schöpfung, demokratisches Miteinander, echte Gerechtigkeit, einen Überschuss an Visionen und durchsetzbare Konzepte".

Eine Koalition mit der Union nach der nächsten Bundestagswahl lehnte die Bundestagsvizepräsidentin ab. "Wenn man sich anschaut, was die CDU gemacht hat und was Angela Merkel als Kanzlerin gemacht hat, ist Schwarz-Grün für 2013 im Bund nicht zu machen." Sie wolle dafür kämpfen, "dass Grüne und auch SPD so zulegen können, dass wir 2013 mit einer rot-grünen Regierung dastehen".

Der Kanzler der bisher einzigen rot-grünen Koalition auf Bundesebene von 1998 bis 2005, Schröder, mischte sich in der "tageszeitung" in die Personaldebatte ein. "Wenn die Grünen klug sind, machen sie Trittin zum Spitzenkandidaten", sagte er. Dieser habe sich einen "staatsmännischen Habitus erarbeitet". In Schröders Kabinett war Trittin Bundesumweltminister.

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