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Grüne wollen ihre Pädophilie-Geschichte aufklären

13.05.2013 | 19:09 Uhr
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Grüne wollen ihre Pädophilie-Geschichte aufklären
Der Bundesvorstand der Grünen hat am Montag beschlossen, dass ein Parteienforscher den Einfluss von Pädophilen auf die Partei untersuchen soll.Foto: Thinkstock

Berlin.   Der Bundesvorstand der Ökopartei beschließt, die Rolle der Päderasten in den 1980er Jahren in der Partei zu untersuchen. Bis Jahresende soll ein Ergebnis vorliegen.

Es ist ein dunkles Kapitel der Grünen. Anfang der 80er-Jahre traten Verfechter in der Partei für die Freigabe von Sex mit Kindern ein. War dies die Position einer schrägen Splittergruppe oder Mainstream? Recherchen des „Spiegel“ belegen, dass der Einfluss der Pädophilen stärker war als bisher angenommen.

Nach längerem Zögern hat der Bundesvorstand nun die Reißleine gezogen. Er beschloss am Montag, dass ein Parteienforscher diesen Teil der Grünen-Geschichte unter die Lupe nehmen soll. Man wolle genauer wissen, wie lange und in welchem Umfang Gruppen mit „völlig inakzeptablen pädophilen Forderungen“ innerhalb der Partei wirken konnten. Bis Jahresende solle ein Ergebnis vorliegen, sagte Spitzenkandidat Jürgen Trittin.

Moralischer Anspruch

Für die Grünen ist die Pädophilen-Geschichte gleich mehrfach peinlich. Keine andere Partei nimmt so stark für sich in Anspruch, moralisch das Gute und Richtige zu vertreten. Als die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche publik wurden, forderten die Grünen Aufklärung . Nun stellt sich heraus, dass sie offenbar Pädophile unterstützten.

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So sei die Bundesarbeitsgemeinschaft Schwule, Päderasten und Transsexuelle direkt von der Partei und der Bundestagsfraktion finanziert worden, wie der „Spiegel“ mit Blick auf Unterlagen aus dem Grünen-Archiv schreibt. Die „BAG SchwuP“ sprach sich offen für eine Legalisierung von Sex mit Kindern und die Abschaffung von Paragraph 176 im Strafgesetzbuch aus. „Der Einfluss der Päderasten wird überschätzt“, sagte Grünen-Fraktionsgeschäftsführer Volker Beck dieser Zeitung. Die BAG SchwuP sei formal nie eine anerkannte Arbeitsgemeinschaft gewesen. 1987 wurde, so Beck, ihre Anerkennung abgelehnt und eine BAG Schwulenpolitik gegründet.

Doch ganz so bedeutungslos ist die Vorgeschichte der „Schwuppis“, wie sie parteiintern hießen, wohl nicht. 1984 wurden sie dem Arbeitskreis „Recht und Gesellschaft“ in der Bundestagsfraktion zugeordnet. Damit saßen die Päderasten mit an den Schalthebeln der Macht. Ihren größten Erfolg erzielten sie 1985 auf dem Landesparteitag in NRW. Dort hatten sich die Delegierten mehrheitlich für die Straffreiheit von Sex mit Kindern ausgesprochen. Seinerzeit habe es Fehlbeschlüsse zum Thema Pädophilie gegeben, räumte Trittin gestern ein.

Cohn-Bendit brachte Debatte ins Rollen

Ins Rollen gekommen ist die Debatte durch die Äußerungen des Alt-Grünen Daniel Cohn-Bendit. Der hatte in den 70er-Jahren über seine Zeit als Kindergärtner geschrieben: „Es ist mir passiert, dass Kinder meinen Hosenlatz geöffnet und angefangen haben, mich zu streicheln.“

Heute tut der Alt-68er seine Aussage als „Provokation“ ab. Gleichwohl hat Cohn-Bendit noch einmal Öl ins Feuer gegossen. Nach seiner Auffassung war die Legalisierung von Sex mit Kindern bei den Grünen zu Beginn keine Minderheitenposition. „Sie müssen sich nur die Anträge zur Altersfreigabe beim Sex mit Erwachsenen ansehen, das war bei den Grünen Mainstream“, sagte er dem „Spiegel“.

Doch wie konnte es dazu kommen? „Ich glaube, das ist ein Beispiel dafür, dass im Windschatten der Enttabuisierung Pädophile ein Forum und Verständnis bei den Grünen gefunden haben“, versuchte der Politikwissenschaftler Lothar Probst auf „MDR info“ den Grünen-Beschluss in den historischen Kontext zu setzen. Soll heißen: Im Geiste der 68er-Generation wollten die Grünen die Fesseln der sexuellen Unterdrückung sprengen. Dabei gingen offensichtlich die Maßstäbe verloren.

Beck, der die „BAG Schwule“ leitet, begrüßte es gestern, dass die Partei nun dieses Kapitel aufarbeiten will. „Es ist notwendig, die Debatten dieser Zeit einzuordnen und zu zeigen, was eine Einzelmeinung und was allgemeine Beschlusslage war.“

Daniel Freudenreich

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