Grüne im NRW-Landtag setzen auf Chemie

Annäherung an die Chemieindustrie: „Moderne grüne Industriepolitik denkt nicht mehr in Gegensätzen“, sagte Grünen-Fraktionschef Reiner Priggen zum neuen Kurs.
Annäherung an die Chemieindustrie: „Moderne grüne Industriepolitik denkt nicht mehr in Gegensätzen“, sagte Grünen-Fraktionschef Reiner Priggen zum neuen Kurs.
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Was wir bereits wissen
Grüne und Chemie – das passt auf einmal doch zusammen. Die Ökopartei macht sich dafür stark, den Chemiestandort Nordrhein-Westfalen zukunftsfest zu machen. Deren Argumente dafür kommen aus einer überraschenden Quelle: ausgerechnet von Klaus Engel, seines Zeichens Chef von Evonik.

Düsseldorf.. Grüne und Chemie – das schien jahrelang so wenig zusammenzupassen wie Feuer und Wasser. Starke Vorbehalte gegen die chemische Industrie gehörten von Beginn an zur Identität der Öko-Partei. Doch jetzt setzen sich ausgerechnet die Grünen im Landtag dafür ein, den Chemiestandort NRW zukunftsfest zu machen. Eine fraktionsübergreifende Enquete-Kommission soll Vorschläge machen, wie die Branche mit 107.000 Arbeitsplätzen an Rhein und Ruhr nachhaltig gesichert werden kann.

„Moderne grüne Industriepolitik denkt nicht mehr in Gegensätzen“, so Fraktionschef Priggen zum neuen Kurs. Dem Erhalt der industriellen Kerne, „die uns besser als viele andere durch die Finanz- und Wirtschaftskrise gebracht haben“, komme für NRW eine herausragende Bedeutung zu. Dabei beruft sich Priggen auf Evonik-Vorstandschef Klaus Engel. „Was weg ist, ist praktisch für immer weg“, hatte Engel gewarnt, über Generationen aufgebaute industrielle Kernkompetenzen aufs Spiel zu setzen.

Mit Hilfe externer Experten wollen die Fraktionen zentrale Themenfelder bearbeiten. „Im Konsens“ soll sich die Kommission vor dem Hintergrund knapper werdender Rohstoffe mit Alternativen zum Öl beschäftigen. Nachwachsende Rohstoffe decken schon heute 13 Prozent des Bedarfs in der Branche. Die Kommission geht aber auch der Frage nach, ob eine „Rückkehr“ zur heimischen Kohle der Chemie für den Übergang helfen kann, unabhängiger von Ölimporten zu werden.

Umweltverträgliche Produktionsverfahren und Werkstoffe, neue Speichertechnologien in der Elektrochemie und die Zukunft der Wasserstofftechnologie stehen auf der Liste, die in zweijähriger Arbeit erledigt werden soll. Für Grünen-Umweltexperte Christian Markert spielt die Chemie als „Innovationsmotor“ in der gesamten Industrie eine Schlüsselrolle.