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Grüne bereiten Urwahl ihrer Spitzenkandidaten vor

02.09.2012 | 10:05 Uhr
Grüne bereiten Urwahl ihrer Spitzenkandidaten vor
Parteichefin Claudia Roth (li.), Fraktionschef Jürgen Trittin und Fraktionschefin Renate Künast.

Berlin.   Die Partei betritt Neuland und will ihre Mitglieder darüber abstimmen lassen, wer bei der Bundestagswahl 2013 als Spitzenkandidat antreten soll: Claudia Roth, Renate Künast, Katrin Göring-Eckhardt und Jürgen Trittin haben den Hut in den Ring geworfen.

Jetzt also hat die grüne Basis das Wort. Nach dem absehbaren Votum des kleinen Parteitages am Sonntag sollen die knapp 60.000 Mitglieder bis Ende Oktober entscheiden, mit welcher Doppelspitze die Partei in den Bundestagswahlkampf 2013 ziehen wird. Sechs Bewerber sind bekannt, bis zum 16. September sollen weitere Interessenten ihre Kandidatur anmelden können. Wie in den Primaries - also Vorwahlen - im US-Präsidentschaftswahlkampf werden die Kandidaten das Schaulaufen vor der eigenen Anhängerschaft starten. Aber welche Auswahl haben die Parteimitglieder wirklich?

Trittin ist gesetzt, spannend wird der Wettbewerb der Frauen

Beim Personaltableau scheinen die Ergebnisse in Teilen programmiert. Von den drei bislang bekannten männlichen Kandidaten gelten die Kommunalpolitiker Werner Winkler aus Waiblingen und Franz Spitzenberger aus Sonthofen als chancenlos. Als gesetzt wird dagegen der Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion Jürgen Trittin, gehandelt. Er ist zum Gesicht der Partei in der Öffentlichkeit geworden.

Spannender ist es bei den Frauen: Die Co-Fraktionschefin Renate Künast, Parteichefin Claudia Roth und Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt streiten um den Platz neben Trittin. Wer das Rennen macht, ist offen. Eine nach Parteistatuten mögliche reine Frauenspitze wird parteiintern praktisch ausgeschlossen. Und mit neuen, aussichtsreichen Bewerbern über die bislang bekannten sechs Kandidaten hinaus wird nicht gerechnet.

Inhaltliche Unterschiede kaum auszumachen

Bei den Unterschieden zwischen den drei Kandidatinnen wird es schwierig. Inhaltliche Unterschiede sind kaum auszumachen, alle drei stehen hinter den Leitlinien des ökologischen Umbaus der Gesellschaft. "Die Gefahr ist sehr groß, dass das zu einer Schönheitskonkurrenz unter den Frauen wird", sagt eine Spitzengrüne. Eine programmatische Frage sei an die Kandidatinnen nicht geknüpft, auch wenn Roth für den linken Flügel steht sowie Künast und Göring-Eckardt für die Realos.

Hierin liegt auch die eigentliche Gefahr des Vorgehens. "Die Grünen werden viel mehr als andere Parteien wegen ihrer Inhalte gewählt", erklärt der Meinungsforscher und Forsa-Chef Manfred Güllner. Wenn die Kandidatenfrage vor allem eine Machtfrage ist, könne dies Grünen-Wähler abschrecken. "Damit gewinnen sie keine Attraktivität." Zumindest für Roth und Künast scheint das Kräftemessen jedoch unvermeidbar. Sie gehören der Generation 50+ an, und für beide Frauen dürfte die Spitzenkandidatur die letzte Chance sein, in hochrangige Ämter zu kommen oder zu behalten.

Gefahr der Schlammschlacht

In der Partei weiß man um die Gefahr einer Schlammschlacht. Die FDP mit ihrem Sturzflug in Umfragen ist ein warnendes Beispiel. Alle drei Kandidatinnen beteuern, einen fairen Wettbewerb führen zu wollen. Da die inhaltlichen Kontroversen weitgehend fehlen, bleibt abzuwarten, wie sich Roth, Künast und Göring-Eckardt gegeneinander abgrenzen wollen.

Trittin kann egal sein, wer die Siegerin wird, solange die Partei in der öffentlichen Wahrnehmung nicht darunter leidet. Ohnehin ist er jetzt schon der Chef der Doppelspitze. Weder in der Außendarstellung der Partei noch bei der Verdrahtung in der Partei kann ihm eine der drei Frauen das Wasser reichen. Auch in der Öffentlichkeit ist nach Erkenntnissen Güllners die Person neben Trittin irrelevant: "Es ist eigentlich völlig schnuppe, wer neben Trittin in die Doppelspitze kommt und ob überhaupt jemand neben Trittin als Spitzenkandidat auftritt." (rtr)



Kommentare
02.09.2012
13:50
Ob sie denn die Maschinensteuer im Wahlprogramm haben?
von nachdenken | #6

Das hatten sie mal vor 30 Jahren etwa.
Im Zuge der Diskussion der Altersarmut könnten sie ja mal vom Schröderianer Weg die 180 ° Grad Wende einleiten...
Auch, was die Rüstungskosten angeht und noch ein paar Punkte, durch die sie mal in den Bundestag gekommen sind.
Damals so unwählbar wie heute die von ihnen als unwählbar deklarierten Piraten.

02.09.2012
12:47
Grüne bereiten Urwahl ihrer Spitzenkandidaten vor
von ultron | #5

zu #2:
Sehr zutreffend, der youtube-Link. Ich mochte Jutta Ditfurth früher nicht besonders, aber ihre Analyse über die heutigen Grünen macht sie mir direkt symphatisch.

Interessant auch, was sie da über die Grünen-Wähler sagt - ich stelle mir nämlich auch immer wieder die Frage, was das für Typen sein mögen. Wie muß man drauf sein, um eine Partei zu wählen, für deren Erscheinungsbild so verbiesterte Figuren wie Trittin oder Künast stehen? Von einer Claudia Roth ganz zu schweigen, die wäre selbst in der Mediamarkt-Werbung "Ich bin doch nicht blöd" eine Lachnummer!

02.09.2012
12:46
Grüne bereiten Urwahl ihrer Spitzenkandidaten vor
von LilaLatzhose | #4

@2 habs mir mal angesehen und in einem Punkt seh ich das auch so.

Bei keiner anderen Partei gehen Image und Wirklichkeit so weit auseinander.
Die Grünen sind in ihren Strukturen,der Art und Weise von Postenschacherei (Politmanagement und "wer kennt wen" vor Sachkompetenz) Machtdenken-und Erhaltung genau so wie jede andere etablierte Partei. Nur bei den anderen hat man das auch gewusst oder es wird nicht permanent thematisiert, dass es anders ist.
Politik ist ein wirklich schmutziges Geschäft und entweder man schwimmt mit dem Strom oder man geht (weil Magengeschwüre nicht erstrebenswert sind) oder wird vergrault. Wer Ideale hat und wer authentisch bleiben will, ist in der Politik fehl am Platz.

02.09.2012
12:08
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #3

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

02.09.2012
11:33
Grüne bereiten Urwahl ihrer Spitzenkandidaten vor
von tagesschau | #2

http://www.youtube.com/watch?v=r7Fm5FRx4MQ

Treffend und klar!
Die Grünen sind mehr Schein als Sein und deshalb unwähbar - eine Vorschriftenmacherpartei!"

02.09.2012
10:59
Diskussionsbverbot ?
von meigustu | #1

Warum darf eine Partei nicht feststellen ob Realos oder die anderen die Mehrheit der Partei stellen ?

Eine Gruppe von beiden verliert und wechselt dann zu CDU oder zu den Piraten. Dann gibt es natürlich auch keine Funktionärspöstchen mehr für Roth & Co.

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