Grobe Klötze aus Athen

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in Bündnis der linken Syriza mit Rechtspopulisten der Pegida-Sorte, demonstrative Verachtung für die Sanierungsvorstellungen der Euro-Zone, öffentliche Distanzierung von der gemeinsamen Linie gegen Putin-Russland – mit einem solchen Stinkbomben-Gewitter hat sich noch keine Regierung in den Kreis der europäischen Partner eingeführt.

Das fällt umso unangenehmer auf, als der Regierungswechsel in Athen auf europäischer Ebene durchaus Sympathisanten hat. Selbst mancher Gegner einer linken Politik à la Syriza brachte ein gewisses Verständnis auf. Die starken Sprüche seien vorwiegend Wahlkampf-Rhetorik, Tsipras ein verkappter Pragmatiker. Dieser Optimismus erhielt einen ersten Knacks, als der Syriza-Chef sich für die Regierungsbildung ausgerechnet die dubiosen „Unabhängigen Griechen“ aussuchte, deren Vorsitzender Kammenos vor antisemitischen Parolen nicht zurückschreckt.

Besetzung und erste Verlautbarungen aus dem Kabinett der „Hufeisen-Koalition“ (EP-Chef Martin Schulz) lassen die EU-Rechtgläubigen das Schlimmste befürchten: Privatisierungsstopp, Aufstockung des Beamten­apparats, neue Sozialleistungen, Forderungen nach Schuldenerlass. Am meisten verstört aber das demons­trative Ausscheren aus der Formation gegen Putin.

Ist das in erster Linie Unerfahrenheit und Kraftmeierei? Oder doch Entschlossenheit zum Alleingang? Die Europäer tun gut daran, ruhig Blut zu bewahren und auf die groben Klötze aus Athen keine dito Keile zu setzen. Schon kommen von dort die ersten Signale, man sei „missverstanden“ worden. Und in der Nato halten die Griechen in Sachen Russland bislang die Füße ruhig.