Griechische Rentner fühlen sich wie Vieh behandelt

Griechische Renter warten in Athen vor einer Bankfiliale darauf, dass sie eingelassen werden. Sie haben keine Geld- bzw. Kontokarte und sind darauf angewiesen, dass man ihnen Bargeld auszahlt.
Griechische Renter warten in Athen vor einer Bankfiliale darauf, dass sie eingelassen werden. Sie haben keine Geld- bzw. Kontokarte und sind darauf angewiesen, dass man ihnen Bargeld auszahlt.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Stundenlang harren Rentner vor Bankfilialen in Athen aus. Hier sollen sie ihre Rente ausgezahlt bekommen. Dass einige noch Tage warten müssen, weil es die alphabetische Reihenfolge so will, macht sie wütend.

Athen.. „43 Jahre habe ich für meine Rente gearbeitet – und nun nimmt man mir mein Geld weg“, sagt Sofia Petropoulou. Die 67-jährige Athenerin steht vor einer Zweigstelle der Alpha Bank. Sie ist nicht allein. Seit den frühen Morgenstunden warten hier Hunderte Menschen. Sie sind gekommen, um sich ihre Rente auszahlen zu lassen – oder wenigstens einen Teil davon.

Nachdem die vom Zusammenbruch bedrohten griechischen Banken am Montag auf unbestimmte Zeit schlossen, sind seit Mittwoch rund 1000 Filialen wieder geöffnet. Sie sollen jenen Rentnern Geld auszahlen, die keine Bankkarten besitzen und somit keinen Zugang zu Geldautomaten haben.

Griechenland Aber das läuft ziemlich chaotisch ab. Vielen der alten Menschen fällt das stundenlange Anstehen schwer. Immer wieder kommt es zu Rangeleien unter den Wartenden. Die Nerven liegen blank, viele sind verzweifelt. Rund 8000 Polizisten sind im ganzen Land auf den Beinen, um für Ordnung zu sorgen. Aber für viele endet das Warten mit einer Enttäuschung. Erst spät in der Nacht hatten die Banken bekanntgegeben, dass die Kunden in alphabetische Reihenfolge bedient werden – die letzten sind erst am Freitag an der Reihe.

Statt 360 Euro werden nur 120 Euro ausgezahlt

„Warum hat man uns das nicht gesagt, warum behandelt man uns wie Vieh?“, sagt erregt einer der Wartenden, der nun unverrichteter Dinge wieder heimgehen muss. Aber auch wer schließlich nach stundenlangem Warten zu einem der Schalter vordringen kann, erlebt eine Enttäuschung. Hatte es zunächst geheißen, die Rentner könnten ihre Bezüge in voller Höhe abheben, war später von 360, dann von 240 Euro die Rede. Jetzt werden nur 120 Euro ausgezahlt. „Wie soll das reichen?“, fragt ein alter Mann verzweifelt. „Allein für meine Miete brauche ich heute 230 Euro.“

Nächste Woche soll die zweite Rate der Renten ausgezahlt werden, wieder maximal 120 Euro. Dann werden wieder Zehntausende vor den Filialen anstehen – wenn die Banken bis dahin nicht ohnehin zusammengebrochen sind.