Griechen stehen hinter Tsipras

Athen..  Die Aufregung in Europa über den Konfliktkurs des neuen griechischen Premierministers Alexis Tsipras ist groß, dabei kommen die Auseinandersetzungen alles andere als unerwartet. Auch Eurogruppenchef Dijsselbloem, der sich in Athen vor laufenden Kameras von Finanzminister Varoufakis vorführen lassen musste, kann nicht wirklich überrascht gewesen sein. Tsipras setzt nur seine Ankündigungen aus dem Wahlkampf in Tagespolitik um.

Der Premier zerreißt die Kreditverträge, beendet den Sparkurs, dreht die Reformen zurück und setzt die Troika vor die Tür. Genau das hatte er seinen Anhängern versprochen. Kein Wunder, dass die meisten Griechen begeistert sind: In einer Umfrage bekommt Tsipras jetzt eine Zustimmungsquote von 70 Prozent.

Die in Europa gehegte Hoffnung, er werde schon gleich nach der Wahl Wasser in seinen Ouzo gießen, erscheint als blauäugiges Wunschdenken. Immerhin versucht Tsipras nun, die ersten Wogen wieder zu glätten. Er versicherte in einer eilig herausgegebenen Erklärung seine Verhandlungsbereitschaft. Trotz dieses Versuchs der Schadensbegrenzung: Tsipras steht schon eine Woche nach seinem Wahlsieg vor einem Berg zerschlagenen Porzellans.

Der griechische Finanzminister Gianis Varoufakis will bis Ende Mai eine Lösung der finanziellen Situation Griechenlands finden. Bis dahin werde sein Land um keine neuen Kredite bitten, sagte er beim Besuch in Paris. Heute reist er weiter nach London, morgen nach Italien.