Griechen-Krise: Scharfe Kritik aus den USA an deutscher Rolle

Bundeskanzlerin Angela Merkel fordert von Griechenlands Ministerpräsident Alexis Tsipras einen harten Sparkurs. Das passt vielen Ökonomen und Politikern in den USA nicht.
Bundeskanzlerin Angela Merkel fordert von Griechenlands Ministerpräsident Alexis Tsipras einen harten Sparkurs. Das passt vielen Ökonomen und Politikern in den USA nicht.
Foto: imago/CommonLens
Was wir bereits wissen
In den USA wird die Kritik am strengen Spar-Diktat der EU gegenüber Griechenland immer lauter. Auch Präsident Barack Obama schaltete sich in die Debatte ein.

Brüssel/Berlin/Washington..  Mit Nobelpreisen ausgezeichnete Wissenschaftler wie Paul Krugman und Josef Stiglitz sowie Leitmedien wie die „New York Times“ werben seit Tagen für einen teilweisen Schuldenschnitt gegenüber Griechenland; bislang ein Tabu in EU-Kreisen. Die Geldgeber-Länder mit Deutschland an der Spitze hätten Griechenland auf einen Kurs gezwungen, der Wachstum verhindere, die Wirtschaft immer weiter in die Depression treibe und zur Verarmung beitrage, heißt es.

Mit Verweis auf ein Gutachten des Internationalen Währungsfonds (IWF) stellen die Ökonomen fest, dass Griechenland unter den herrschenden Bedingungen seine Schulden niemals zurückzahlen kann. Krugman vergleicht die von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble geprägte Politik mit „mittelalterlichen Ärzten, die darauf bestehen, ihre Patienten ausbluten zu lassen – und wenn ihre Heilmethode die Patienten kränker macht, dann verlangen sie noch mehr Aderlass.“

In einem offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel schreiben Star-Ökonomen wie Thomas Piketty und Jeffrey Sachs, dass die EU die Regierung Tsipras indirekt auffordere, „sich eine Waffe an ihren Kopf zu halten und abzudrücken“.

Die Debatte über die Strategie der EU hat längst auch die Politik erfasst. US-Präsident Obama hat sich mehrfach in den letzten Tagen telefonisch eingeschaltet und Staats- und Regierungschefs in Europa, darunter Merkel, zu einem Kompromiss gedrängt, der Griechenland gesunden und in der Euro-Zone lassen kann.

Unterdessen stemmt sich Griechenland mit einem neuen Hilfsantrag beim Euro-Rettungsschirm gegen die drohende Staatspleite und bittet seine Gläubiger einmal mehr um Geduld. Am Mittwoch beantragte Athen ein dreijähriges und in der Höhe nicht näher beziffertes Hilfsprogramm über den „Europäischen Stabilitätsmechanismus“ (ESM), um fällige Kredite ablösen zu können und „die Stabilität des Finanzsystems zu gewährleisten“. Die EU-Kommission stellte klar, dass Athen bis Donnerstagnacht um 24 Uhr konkrete Gegenvorschläge liefern müsse. Nur wenn diese letztlich zustimmungsfähig sind, kann der EU-Sondergipfel am Sonntag weitere Hilfen abnicken – oder den „Grexit“, den Ausstieg aus dem Euro, einleiten.