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Griechenland

Griechen in Aufruhr

05.03.2010 | 18:43 Uhr
Griechen in Aufruhr

Athen.Der Zorn der Griechen entlädt sich im ganzen Land. Wieder ziehen Tränengaswolken durch Athen. Ein Gewerkschafter, der den Sozialisten nahe steht, wird von Jugendlichen krankenhausreif geschlagen. Sauer reagieren viele Griechen auch auf Sprüche aus Deutschland: Forderungen, die Griechen mögen ihre Inseln verkaufen, erhitzen die Gemüter nur noch mehr.

Begleitet von Streiks und Protesten hat das Parlament am Freitag mit den Stimmen der sozialistischen Regierungsfraktion das Sparpaket gebilligt, mit dessen Hilfe Ministerpräsident Giorgos Papandreou sein Land vor dem Staatsbankrott bewahren will. Konservative und kommunistische Oppositionsparteien stimmten dagegen. Vor dem Parlament protestierten Tausende. Die Gewerkschaften reagierten mit Streiks: Der öffentliche Nahverkehr und die Züge der Staatsbahnen standen still. Die meisten Lehrer streikten, in den Krankenhäusern gab es nur einen Notdienst. Wegen eines Streiks der Fluglotsen wurden Hunderte Flüge gestrichen.

Gerade noch rechtzeitig vor Beginn des Lotsenstreiks brach Papandreou am Morgen zu einer Reise auf, die ihn über Luxemburg und Berlin, wo am Abend ein Treffen mit Kanzlerin Angela Merkel geplant war, und Paris nach Washington führen wird. Papandreou hatte zuvor noch einmal unterstrichen, er werde die europäischen Partner nicht um Geld bitten: „Griechenland will keinen Cent von deutschen Steuerzahlern“, erklärte Papandreou.

Unterdessen gibt es in Griechenland wachsende Irritation über die Deutschland geführte Debatte, in der sich Unions- und FDP-Politiker, unterstützt von Boulevardblättern, in immer exotischere Forderungen an Griechenland versteigen. Bis hin zu dem Vorschlag, das Land solle jetzt seine Inseln und gar die Akropolis verkaufen, um Schulden abzubauen. Die griechischen Reaktionen schwanken zwischen ungläubigem Staunen und heller Empörung. Die Zeitung „To Vima“ sieht Indizien eines „Wirtschaftsnationalismus“ in Deutschland.

Der Verband der griechischen Gemeinden in Deutschland protestierte mit einem Schreiben an Kanzlerin Angela Merkel und FDP-Chef Guido Westerwelle gegen die „vergifteten“ Forderungen. Laut einer Meinungsumfrage halten zwei Drittel der Griechen die deutschen Medienberichte über ihr Land für „ungerecht“.

In Griechenland beginnt sich herumzusprechen, dass es wohl nicht bei den jetzt beschlossenen Sparmaßnahmen bleiben wird. Sie dienen ja lediglich dazu, das Haushaltsdefizit in diesem Jahr um vier Prozentpunkte zu drücken. 2011 muss Finanzminister Giorgos Papakonstantinou den Fehlbetrag um weitere drei Prozentpunkte reduzieren, und im Jahr darauf noch einmal um diesen Betrag.

EU-Währungskommissar Olli Rehn kündigte in einem Interview mit dem italienischen „Corriere della Sera“ bereits an, in den beiden nächsten Jahren müssten die Griechen weitere Einschnitte hinnehmen.

Gerd Höhler

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Kommentare
07.03.2010
20:12
Griechen in Aufruhr
von wendelliebig | #2

Das griechische Volk hat recht. Deren Führung hat versagt. Nun sollen es die Menschen ausbügeln. Dass das in Krawallen endet, ist normal. Und die deutschen Politiker, die unser Land überverschuldet haben, maßen sich Kommentare gegen Griechenland an, die auf niedrigstem Niveau liegen. Unverschämt. Ich schäme mich für diese deutschen Politiker. Und bin eher mit den Griechen solidarisch.

06.03.2010
14:00
Griechen in Aufruhr
von MABELEG | #1

Die Griechen sollen Inseln oder die Akropolis verkaufen.

Das man in Griechenland darüber ungläubig staunt bzw. helle Empörung empfindet, kann ich mir lebhaft vorstellen.

Trotz aller berechtigten Kritik an der griechischen Haushaltsführung:

Mir fehlen fast die Worte, um zu beschreiben, was ich von diesem geistigen Fallschirmjägerabsprung über den Problemen Griechenlands halte.

Ich schäme mich für meine Landsleute, die dies ausgesprochen bzw. in Umlauf gebracht haben.

Eine daraus ggf. resultierende Störung in der Verbundenheit und Freunschaft zwischen dem griechischen und dem deutschen Volk wäre unverzeihlich.

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