Giftnotruf für Kliniken nicht länger kostenlos

Herdecke/Bonn.  Vergiftungen sind für Intensivmediziner Routine. Doch kommen auch erfahrene Ärzte selten ohne den Expertenrat der Giftnotrufzentrale Bonn aus. Seit Jahresbeginn kostet die telefonische Auskunft pro Fall knapp 50 Euro. Für Laien und niedergelassene Ärzte bleibt der Service kostenlos.

30 000 Anfragen bearbeiten die Gift-Spezialisten pro Jahr. Und mit jedem Fall erweitern die Ärzte des an der Uniklinik Bonn angesiedelten Notrufs ihr Wissensspektrum. Mit Hilfe einer umfangreichen Datenbank können sie für jeden Vergiftungsfall schnelle Hilfe bieten. Selbst dann, wenn nicht klar ist, womit sich ein Patient vergiftet hat.

Bislang wurde die Arbeit des Giftnotrufs durch das Land, Spenden und Drittmittel finanziert. Denn auch die Industrie profitiert von den Daten. „Wir machen Hersteller und Behörden auf Gefahren durch Medikamente oder andere Substanzen aufmerksam“, sagt Dr. Carola Seidel vom Giftnotruf NRW. In anderen Bundesländern werden bereits seit längerem Gebühren erhoben. „Kosten, die in den Fallpauschalen nicht enthalten sind“, sagt Dr. Martin Marsch, Intensivmediziner am Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke. Eine von ihm vorgeschlagene Umlagefinanzierung, wie sie in der Schweiz gehandhabt wird, werde nicht diskutiert, heißt es aus dem NRW-Gesundheitsministerium. Es sei entscheidend, „dass die Inanspruchnahme des Notrufs für Bürger kostenfrei bleibt“.