Das aktuelle Wetter NRW 20°C
Syrien

Gewalt in Syrien – Zuschauer einer Tragödie

09.08.2011 | 18:00 Uhr
Gewalt in Syrien – Zuschauer einer Tragödie
Syriens Präsidenten Baschar al-Assad geht mit Bulldozern und Panzern gegen Demonstranten vor. Foto: ap

Berlin.Die syrische Regierung stellt sich taub gegenüber ­Appellen und geht mit Bull­dozern und Panzern gegen Proteste vor. „Die wissen um die Schwäche der westlichen Welt, nutzen sie aus“, meint Philipp Mißfelder von der CDU.

Es kommt nicht oft vor, dass ein Politiker eingesteht, „ich habe mich vertan“. Rolf Mützenich ist die Ausnahme. Der SPD-Abgeordnete dachte lange, dass man auf Syrien Einfluss ausüben kann. Wandel durch Annäherung? „Das ­habe ich überschätzt“, räumt er ein angesichts der täglichen Bilder. Die syrische Regierung stellt sich taub gegenüber ­Appellen und geht mit Bull­dozern und Panzern gegen Proteste vor. „Die wissen um die Schwäche der westlichen Welt, nutzen sie aus“, meint Philipp Mißfelder von der CDU. Wer ihm und anderen Außenpolitikern zuhört, spürt ihre Ohnmacht. Viel Hilflosigkeit. Die EU-Staaten konnten sich nicht mal darauf verständigen, ihre Botschafter aus ­Damaskus abzuberufen. Die Italiener gehen jetzt vor. Auch Kuwait und Saudi-Arabien ­setzen Zeichen .

Mißfelder plädiert für schärfere Sanktionen. Deutschland kann allerdings nicht viel ­bewirken. Die Öllieferungen aus Syrien waren nie hoch – 2007 lagen sie bei sechs Prozent – und gingen in den letzten Jahren zurück. Die Türkei hat eine lange Grenze mit ­Syrien, es herrscht Visa­freiheit, das Handelsvolumen liegt bei einer Milliarde Euro. Deswegen sei die Kritik von Regierungschef Recep Tayyip Erdogan „wichtig“, meint ­Mützenich. Sie könnte ­Syriens Präsidenten Baschar al-Assad eher beeindrucken.

„Die UNO tut zu wenig“

Einem militärischen Eingreifen redet kein Außenpolitiker das Wort. „Nach Libyen ist der Handlungsspielraum für eine Militäraktion nicht besonders groß“, sagt Mißfelder. Ganz abgesehen davon, dass dazu ein UNO-Beschluss vorliegen müsste. Der ist nicht in Sicht. Für Mißfelder tut die UNO zu wenig. Solche Klagen hört man in allen Lagern. Dass zuletzt die Türkei, viele arabische Staaten und auch Russland und China Kritik an ­Syrien geübt haben, betrachtet Mützenich als „guten Moment, um im UNO-Sicherheitsrat eine Resolution zu verabschieden“. Wenn China und Russland, zwei Vetomächte, mitziehen würden, wäre es ein „eindeutiges Signal“ an ­Assad. Sorgsam beobachtet wird in Berlin auch, dass die arabischen Staaten aktiver werden. Noch am Wochen­ende schrieben die Demonstranten auf Plakaten: „Euer Schweigen tötet uns“. Scheinbar habe das Wirkung gehabt, meint Mützenich. Saudi-Arabien schlug einen härteren Ton an und übte Kritik. Syrien verliert seine letzten Freunde.

Miguel Sanches

Facebook
 
Kommentare
14.08.2011
16:13
Gewalt in Syrien – Zuschauer einer Tragödie
von lynlyn | #5

Vorsicht, vorsicht.
Ein Eingreifen durch die USA oder gar der Nato in Syrien soll doch sehr gut überlegt sein. Ansonsten man sich erneut den Zorn und den Spott der europäischen linken Träumer auf sich zieht. Im Fall Libyen machen sich die linken Träumer doch gerade alle Ehre. Immerhin handelt es sich bei al-Assad auch um einen geschätzten Liebling europäischer Grünroter wie bei Gaddafi.

10.08.2011
12:55
Gewalt in Syrien – Zuschauer einer Tragödie
von Pit01 | #4

@3

Meinen Sie nicht auch, dass Sie übers Ziel hinaus schiessen, oder polemisieren Sie um zu polarisieren? Mit Mißfelder jedoch haben Sie meine Zustimmung.

10.08.2011
07:05
Gewalt in Syrien – Zuschauer einer Tragödie
von Herold_Albert_Schincke | #3

Straßenschlachten in London. Bürgerkrieg. eine Person von der Polizei erschossen.

Polizei nicht mehr Herr der Lage.

Muss jetzt das Militär gegen die Bevölkerung vor gehen ?
-

10.08.2011
00:37
Gewalt in Syrien – Zuschauer einer Tragödie
von Herold_Albert_Schincke | #2

Mißfelder plädiert für schärfere Sanktionen.

Der größte Dummschwätzer aller Zeiten !!!

Was so ein Schnösel in der Politik zu tun hat ist mir unbegreiflich!!!
.

09.08.2011
21:04
Gewalt in Syrien – Zuschauer einer Tragödie
von DKWF12 | #1

Diesem Typen ist doch seine Bevölkerung egal und die arabische Liga unternimmt aus Angst vor einem Krieg nichts.
Europa sollte sich ebenfalls raus halten. Europäische Soldatinnen und Soldaten dürfen nicht Weltpolizei spielen dürfen.

Zitat:
Der syrische Präsident Bashir al-Asad hat türkische Friedensbemühungen kategorisch zurückgewiesen. Seine Regierung werde «die Verfolgung terroristischer Gruppen nicht einstellen», sagte Asad nach einer Meldung der amtlichen Nachrichtenagentur seines Landes am Dienstag dem türkischen Aussenminister Ahmet Davutoglu.

In libanesischen Medien wurde Assad mit den Worten zitiert: «Wenn Sie wegen eines Kompromisses gekommen sind, dann lehnen wir ihn ab. Wenn Sie aber Krieg wollen, dann können Sie ihn haben – in der ganzen Region.
Zitat Ende:
Quelle:
http://www.nzz.ch/nachrichten/politik/international/asad_weist_tuerkische_forderungen_strikt_zurueck_1.11847045.html

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/4947914/create

Umfrage
Bürger sollen künftig häufiger gefragt werden, ob sie zu einer Organspende bereit wären. Können Sie sich vorstellen, Organspender zu werden?
 
Aktuelle Fotos und Videos
Karikatur vom Tage
Bildgalerie
Fotostrecke
Norbert Röttgen - Aufstieg und Fall
Bildgalerie
Rücktritt
David McAllister geht "baden"
Bildgalerie
Boot kentert
Triumph der Sozialisten
Bildgalerie
Frankreich
Aus dem Ressort
Ramsauer will Punktesystem in Flensburg noch verschärfen
Verkehr
Wer sich unerlaubt vom Unfallort entfernt oder andere durch zu nahes Auffahren nötigt, soll im neuen Verkehrssünder-System mit drei Punkten in Flensburg bestraft werden. Das plant Bundesverkehrsminister Ramsauer. Er will die Reform der Verkehrssünder-Datei nach Bürgerbefragungen verschärfen.
Iran will ein zweites Atomkraftwerk bauen
Kernkraft
Der Iran will ein neues Atomkraftwerk bauen. Mit dem Bau soll nach Medienberichten möglicherweise in einem oder zwei Jahren begonnen werden. Der Westen verdächtigt den Iran, den Bau von Atomwaffen anzustreben. Das Land weist die Vorwürfe zurück.