Gewalt im Südsudan legt Gesundheitssystem des Landes lahm

Zwischen allen Fronten: Flüchtlinge im Südsudan.
Zwischen allen Fronten: Flüchtlinge im Südsudan.
Foto: Kate Holt/Unicef/Archiv
Seit sechs Monaten tobt im Südsudan schwere Gewalt. Opfer sind auch immer wieder Patienten in Kliniken, die in ihren Betten erschossen werden. "Ärzte ohne Grenzen" warnt, dass die so dringend nötige Versorgung von Kranken und Verletzten fast unmöglich geworden ist.

Juba.. Die seit Monaten andauernde Gewalt im Südsudan hat nach Auffassung von Experten gravierende Auswirkungen auf das Gesundheitssystem des ostafrikanischen Landes. "Seit der Konflikt im vergangenen Dezember ausgebrochen ist, wurden mindestens 58 Menschen in Krankenhäusern getötet. Mindestens sechs Kliniken wurden geplündert oder dem Erdboden gleichgemacht", heißt es in einem Bericht der Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" (MSF), der am Dienstag in der Hauptstadt Juba vorgestellt wurde.

Vermutlich liege die Zahl kaltblütig ermordeter Patienten aber noch viel höher, berichtet MSF in dem Report "Der Südsudan-Konflikt: Gewalt gegen das Gesundheitssystem". Viele Kranke seien in ihren Betten erschossen worden. Die Angreifer hätten auch lebenswichtige medizinische Ausrüstung zerstört. "Diese Attacken haben weitreichende Folgen für Hunderttausende Menschen, die von jeder medizinischen Hilfe abgeschnitten worden sind", erklärte der MSF-Chef in dem Krisenland, Raphael Gorgeu.

Viel medizinisches Material verbrannt

Besonders massiv betroffen seien Krankenhäuser in den Städten Bor, Malakal, Bentiu, Nasir und Leer, wo zeitweise heftige Kämpfe tobten. In Leer seien Gebäude angezündet worden, in denen zahlreiche Menschen mit HIV und Tuberkolose behandelt wurden. Das medizinische Material für Operationen, Bluttransfusionen oder Impfungen sei größtenteils verbrannt.

Christenverfolgung "Leider haben wir wegen der Krise den Kontakt zu vielen unserer Patienten verloren", erklärte MSF-Mitarbeiter Muhammed Shoaib. "Einige von ihnen sind wahrscheinlich gestorben, weil sie keinen Zugang zu Behandlung hatten." MSF verurteilte die Gewalt auf das Schärfste und forderte alle beteiligten Parteien zum Dialog auf, um eine sichere Krankenversorgung zu gewährleisten.

Im Südsudan war vor rund sechs Monaten ein Machtkampf zwischen dem Präsidenten Salva Kiir und seinem früheren Stellvertreter Riek Machar eskaliert. Seither versinkt das Land im Chaos. Da beide Politiker unterschiedlichen Volksgruppen angehören, hat die Gewalt auch ethnische Hintergründe. (dpa)