Gewalt gegen Zivilisten kennt keine Grenzen

Juba..  Es sind Bilder des Horrors, die Simon K. auf seinem Handy gespeichert hat. Zu sehen ist ein Mob, der einen älteren Mann packt und in einen Graben stößt, anschließend Treibstoff über ihm ausgießt und ihn anzündet. Ein anderer greift ein junges Mädchen an und verprügelt es mit einem Stock.

Simon, der seinen Nachnamen nicht gedruckt sehen möchte, hat die Bilder in seinem Viertel Mia Saba in Südsudans Hauptstadt Juba aufgenommen. Entstanden sind die Aufnahmen bereits wenige Tage, nachdem im Dezember 2013 ein Machtkampf zwischen Präsident Salva Kiir und seinem Widersacher Riek Machar offen ausgebrochen war. Doch gebessert hat sich die Lage seitdem nicht.

Ethnische Hintergründe

Von Beginn an spielten bei manchen blutigen Übergriffen im Land auch ethnische Hintergründe eine Rolle: Kiir ist ein Dinka, Machar ein Nuer. Da in Mia Saba viele Nuer lebten, macht der 40-jährige Simon Soldaten aus der Gruppe der Dinka für die Taten verantwortlich. Innerhalb von drei Tagen wurden damals in Juba mehrere Hundert Nuer getötet.

Bei einem der Zwischenfälle seien Nuer in einem Verwaltungsgebäude zusammengetrieben und erschossen worden, berichtet Betty Thomas von der Organisation End Impunity, die sich zivilgesellschaftlich in dem erst 2011 unabhängig gewordenen Land engagiert. „Ich sah, wie Leichen herausgetragen und in einen Container verfrachtet wurden, aus dem das Blut floss“, sagt Thomas. Doch wer gab den Befehl? Dazu kann niemand etwas sagen. Später kam es an anderen Orten im Land zu Racheakten der Nuer.

Im ölreichen Norden tobt derzeit ein militärischer Konflikt. Doch im ganzen Land werde der Konflikt „erschütternd gewalttätig“ geführt, sagt Jonathan Veitch vom Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen .

Nun wurde bekannt, dass Soldaten nach Aussagen von Zeugen zahlreiche Frauen und Mädchen entführt, mehrfach vergewaltigt und einige von ihnen anschließend lebendig verbrannt haben.

„Das Ausmaß der Grausamkeit zeigt, wie tief der Hass sitzt, der über politische Differenzen weit hinausgeht“, heißt es in einem Bericht der UN-Friedensmission UNMISS, der gestern veröffentlicht wurde. Für den Report hatten UNMISS-Mitarbeiter 115 Überlebende und Augenzeugen interviewt.

Zwei Millionen Menschen wurden bereits vertrieben, etwa eine halbe Million von ihnen hat UN-Schätzungen zufolge Zuflucht in Nachbarländern gesucht, vor allem in Äthiopien, im Sudan und in Uganda.

Die jüngsten Grausamkeiten seien im Zuge einer neuen Eskalation der Kämpfe im ölreichen Bundesstaat Unity im April und Mai verübt worden, heißt es im UN-Bericht weiter.

Verantwortlich seien vor allem Soldaten der „Sudan People’s Liberation Army“ (SPLA) und Mitglieder anderer bewaffneter Gruppen, die mit der Armee verbündet sind.

Berichte über Massaker

„Missbrauch und Gewalt werden als Teil des Erfolgs gesehen, weil die Machthaber oftmals selbst durch Gewalt erst in ihre Position gekommen sind“, sagt Skye Wheeler von Human Rights Watch . Vonseiten der Regierung heißt es hierzu, die Behörden duldeten keine Misshandlungen. „Wenn jemand Selbstjustiz betreibt, leitet die Regierung eine Untersuchung ein“, sagt Präsidentensprecher Ateny Wek Ateny.

Öffentlich bekanntgeworden ist über solche Untersuchungen allerdings bislang noch nichts. Die Vereinten Nationen stützten seinerzeit Berichte über Massaker in Simons Viertel Mia Saba. Einst führte er einen Handwerksbetrieb. Doch er hat alles verloren.