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Ärztemangel

Gesundheitsminister belohnt Hausärzte in der Provinz

11.09.2009 | 22:18 Uhr
Gesundheitsminister belohnt Hausärzte in der Provinz

Essen. Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann bietet jedem jungen Arzt 50.000 Euro, wenn dieser seine Praxis in der Provinz eröffnet. Ärzte und Krankenkassen unterstützen die Idee. Doch die Kassen nehmen beim Thema Ärztemangel auch die Kassenärztlichen Vereinigungen in die Pflicht.

10.000 Einwohner hat die Gemeinde Kranenburg an der holländischen Grenze. 10.000 Einwohner und nur noch eine einzige Hausarztpraxis.

„Wir hatten immer zwei Arztpraxen in Kranenburg“, erzählt der Kämmerer und stellvertretende Bürgermeister Ferdinand Böhmer. Doch dann, im Juli 2008, hat sich die andere Praxisgemeinschaft aufgelöst. Zwei Ärzte gingen nach Baden-Württemberg, einer in den Nachbarort Kleve. Seitdem sucht die Gemeinde nach einem Arzt, der sich in Kranenburg niederlassen möchte. Die Stadtverwaltung hat Anzeigen geschaltet, mit den Krankenkassen gesprochen und mit der Kassenärztlichen Vereinigung. Bislang vergeblich.

In 59 Kommunen droht Unterversorgung

Ärztemangel ist nicht nur in Kranenburg ein Problem. Zwar sind in den beiden Ärztekammern des Landes insgesamt 89.000 Ärzte zugelassen, doch in 59 Städten und Gemeinden in Nordrhein-Westfalen droht in den nächsten Jahren trotzdem ein medizinischer Versorgungsengpass (siehe Karte). Viele Ärzte gehen bald in den Ruhestand und haben Schwierigkeiten, einen Nachfolger für ihre Praxis zu finden. Deshalb hat die Landesregierung jetzt ein Aktionsprogramm gestartet, das junge Ärzte, die ihre Praxis in einer „Problemregion“ eröffnen, mit 50.000 Euro belohnt. Die Prämie wird als Darlehen ausgezahlt, nur wer seine Praxis mindestens zehn Jahre lang behält, muss das Geld nicht zurückzahlen.

"Die Landesregierung muss sich einmischen", NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann. Foto: imago

Eigentlich ist die Ärzteversorgung Aufgabe der Kassenärztlichen Vereinigungen. "Sicherstellungsauftrag" heißt das im Gesetzestext. Dass die Landesregierung in dieses System eingreift, ist nicht vorgesehen. Das Gesundheitsministerium rechtfertigt die die drei Millionen Euro teure Unterstützung als notwendige Vorbeugungsmaßnahme. „Es liegt in der Verantwortung der Landesregierung, sich hier einzumischen“, sagt ein Sprecher, „wir müssen den drohenden Versorgungsnotstand verhindern.“ Das operative Geschäft, also beispielsweise Ärzte bei der Nachfolger-Suche zu unterstützen, bleibe aber allein die Aufgabe der Kassenärztlichen Vereinigungen.

"Der Landarzt-Beruf ist out"

Zum heutigen Zeitpunkt ist in den beiden nordrhein-westfälischen Kassenärztlichen Vereinigungen Nordrhein und Westfalen Lippe der Ärztemangel noch nicht akut. In Nordrhein gibt es in vielen Fachbereichen sogar noch eine Überversorgung, doch Christopher Schneider, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen Lippe ist skeptisch: „In fünf bis zehn Jahren kann die Situation in einigen Regionen bei uns schon sehr angespannt sein.“

„Der Beruf Landarzt ist gewissermaßen ‚out’“, sagt Christopher Schneider. Fehlende Infrastruktur und die hohe Arbeitsbelastung seien die Hauptgründe, warum sich junge Ärzte kaum noch in ländlichen Bereichen niederlassen. „Ein junger Arzt mit Familie möchte halt nicht unbedingt dort leben, wo es keine weiterführenden Schulen gibt und der Bus nur zweimal am Tag fährt“, vermutet auch Karin Hamacher, Sprecherin der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein.

Die Landärzte verdienen nicht schlechter

Hinzu kommt die höhere Arbeitsbelastung. „Als Dorfarzt ist man für die Menschen immer der Ansprechpartner“, sagt Hamacher. Egal ob sonntags oder spätabends. Das wollen sich viele junge Mediziner nicht mehr antun. Die geregelten Arbeitszeiten einer Stadtpraxis sind ihnen lieber.

Schlechter bezahlt ist der Arbeitsplatz auf dem Land hingegen nicht. Die Regelsätze, nach denen Ärzte die Behandlung gesetzlich versicherter Patienten abrechnen, sind zwar von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich, doch innerhalb einer Kassenärztlichen Vereinigung sind die Tarife identisch. „Wer mit einer Praxis auf dem Land viele Gemeinden abdeckt, kann sogar mehr Geld verdienen als ein Stadtarzt“, sagt Hamacher. Das bestätigt Klaus Reinhardt, Landesverbands-Vorsitzender des Hartmannbundes in Westfalen-Lippe: „Ärzte auf dem Land haben höhere Patientenzahlen und dadurch ein höheres Einkommen.“ Doch auch er weist auf die schwerer Arbeit hin: „Auf dem Land muss man mehr Hausbesuche machen, das bedeutet mehr Stress.“

Krankenkassen fordern mehr von den Kassenärztlichen Vereinigungen

AOK Rheinland-Vorsitzender Wilfried Jacobs: "Prophylaktische Maßnahme" Foto: imago

Die Krankenkassen begrüßen das Aktionsprogramm der Landesregierung als „prophylaktische Maßnahme“. „Doch die gesetzliche Verantwortung für die Versorgung einer Region mit Ärzten bleibt bei den Kassenärztlichen Vereinigungen“, erklärt der Vorsitzende der AOK Rheinland/Hamburg, Wilfried Jacobs. Wenn es tatsächlich Regionen gibt, in denen heute schon Ärztemangel herrscht, dann müssten die Kassenärztlichen Vereinigungen den jungen Ärzten dort höhere Honorare zahlen.“

Die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen Lippe hat ein anderes Programm entwickelt, um junge Ärzte in wenig beliebte Regionen zu locken: Weil Ärzte in kleinen Gemeinden mit wenig Medizinern häufig einmal im Monat Wochenend-Dienste leisten mussten, wurde jetzt der Notfall-Dienst reformiert. „Jetzt teilen sich mehr Ärzte den Notfall-Dienst in einer größeren Region. So muss jeder nur noch alle drei Monate Wochenendschichten übernehmen“, erklärt Schneider. Seine Kollegin Hamacher nimmt auch die Kommunen in die Pflicht: „Die Gemeinden können zum Beispiel bei der Suche nach günstigen Grundstücken helfen“, sagt sie.

Das versucht die Stadtverwaltung in Kranenburg. Sie hat sogar schon mit lokalen Investoren verhandelt, die vor Ort Wohnhäuser bauen wollten. Die Einrichtung einer Praxis könnte mit einem Wohnungsbauprojekt kombiniert werden, war die Idee. Doch bislang ist nichts Konkretes dabei herausgekommen. Kämmerer Böhmer gibt aber nicht auf: „Es ist nur eine Frage der Zeit.“

Gerrit Dorn

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Kommentare
26.11.2009
23:46
Gesundheitsminister belohnt Hausärzte in der Provinz
von Dra | #23

Wenn ich das alles lese, denke ich mit Freuden an meine Pensionierung und schreibe mit Wonne an meine Praxistüre heilt Euch selbst,

16.09.2009
21:15
Gesundheitsminister belohnt Hausärzte in der Provinz
von ich mach mir sorgen | #22

Der Ärztemangel hat einen Preis in unterversorgten Gebieten. Weder bei der hiesigen Diskussion noch bei der Politik ist im Ansatz eine Lösung zu erkennen.

Wenn in der Gemeinde Krane nburg, auf Wange rooge oder in Winte rberg der letzte Arzt sein Stethoskop abgibt, ist es zu spät; denn der Markt wird es nicht richten.

Solange die unerwünschten Nebenwirkungen der Politik vom Typ U_lla S_chmidt oder L_auterbach und ihren Sympathisanten wie Dr. L. H_ansen (K_V Nordrhein) nicht aufhören, gleiten immer mehr Regionen in den Ärztemangel. Das hat sich auch bei den Medizinstudenten herumgesprochen: Nur jeder Fünfte will noch Hausarzt werden, so das aktuelle Deutsche Ärzteblatt.

Und was heißt hier Hausarzt? 73% der Studienanfänger in Bayern sind Mädels. Wenn ein Beruf zur Drecksarbeit wird, übernehmen die Frauen: Ärztin als P_ink Job. Jetzt kann die AOK nachdenken, ob sie nicht beizeiten den Kassen-Body_guard für die nächtlichen Besuche auf dem Lande bereitstellt.

Winter_berg (HSK): Wer am Wochenende im Notdienst zum Kinderarzt will, muss eine Stunde fahren.

Der Ärztemangel wird so schlimm werden, dass einige Mediziner schon mit Zwangsverpflichtung rechnen: „Du musst ja helfen, Du hast ja den Eid geschworen!“ - Stimmt, nur wo haben die Ärzte nicht gesagt und NRW ist nicht beliebt.

Mehr über http://hombergerstoerenfried.wordpress.com/2009/09/14/von-einer-wahl-zur-nachsten/#comment-2186

16.09.2009
21:08
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von miriam.lessmann | #21

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16.09.2009
21:05
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von besorgt | #20

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16.09.2009
20:52
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von Richard Butler | #19

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16.09.2009
20:48
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von Richard Bulter | #18

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16.09.2009
17:39
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von Tenrix | #17

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13.09.2009
01:09
Gesundheitsminister belohnt Hausärzte in der Provinz
von dentix07 | #16

@ Ärzte nur bei Erfolg bezahlen
Ärzte werden IMMER zu 100 % vergütet,....
Da hat wirklich jemand absolut, null, überhaupt keine Ahnung!
Der menschliche Körper ist dummerweise kein KFZ! Und selbst da passiert es das KFZ Mechaniker einen Fehler trotz Meister, langjähriger Berufserfahrung, Diagnoseprogramm, Online-Diagnose mit gleichzeitiger Verbindung nach Erfurt und Paris den Fehler nicht finden. (Ist mir passiert!) Durch Zufall haben Sie den Fehler, ein lockerer Stecker, entdeckt!
Der Mensch ist ja nur min. 10 000 mal komplizierter, und die individuelle Anatomie und Physiologie hält sich ja auch zu 150 % an die Bücher, oder? Da muß ein Arzt doch auf Anhieb feststellen können was fehlt und wie das zu therapieren ist!!!
Studier doch Medizin! Freue mich schon auf den Arzt der dabei herauskommt! Schau zur Vorbereitung mal in den Stryer, Biochemie vom Spectrum Verlag (die Bibel der Biochemie), vielleicht geht Dir dann ein Licht auf!

12.09.2009
23:42
Gesundheitsminister belohnt Hausärzte in der Provinz
von Ärzte nur bei Erfolg bezahlen | #15

buhhuhuu, mir kommen die Tränen vor Mitleid,
für die ach so schlecht bezahlten Ärzte, buhhu, wie traurig. Wir sollten alle mal den Hut rum gehen lassen, damit kein Arzt am seidenem Hungertuch nagen muß.
@Poggenstohl merk mal was.

Ärzte werden IMMER zu 100 % vergütet, egal ob sie Fehler machen oder nicht, das ist in der freien Wirtschaft nun einmal anderes, da wird nach Leistung bezahlt und wenn etwas nicht in Ordnung ist, gibt da eine sogenannte Gewährleistungszeit. Bei den Ärzten ist das nun einmal anders, warum, das weis ich bis heute nicht. Herumdoktorn und ausprobieren bis die Therapie irgendwann vielleicht dann doch die Richtige ist. Ich glaube würde mir ein KFZ Mechaniker sagen, nachdem das Auto bereits mehrfach repariert wurde und der Fehler immer noch nicht gefunden wurde, wir müßten da noch einmal dies oder jenes ausprobieren, dem würde ich ganz was anderes erzählen. Mindestens 50 % aller Ärzte sind Flachpfeifen, die trotzdem genau soviel Geld verdienen wie Ärzte, die wirklich fähig sind. Wobei da ja noch nicht einmal gesagt ist, ob der DR. TITEL am Türschild am Ende doch nur von Papi gekauft wurde.

Ärzte bitte nur dann bezahlen, wenn der in Aussicht gestellte Heilerfolg auch wirklich erfolgreich war. In der Chinesischen Medizin ist das Gang und gäbe, warum nicht hier ?

Warum soll ein Arzt Geld bekommen, wenn z.B. mein Dauerhusten nach einer Behandlung immer noch nicht weg ist ?

12.09.2009
19:45
Gesundheitsminister belohnt Hausärzte in der Provinz
von Poggenstohl | #14

Ich denke das sich viele hier eine völlig falsche Vorstellung davon machen was Ärzte, ganz besonders praktische Ärzte, verdienen.

Um so mehr gilt das wenn es sich um Ärzte in ländlichen Gebieten handelt. Der Aufwand pro Patient ist dort nicht zu vergleichen mit der Massenabfertigung in den hektischen Großstädten.

Vielleicht solltet sich einige hier mal darüber klar werden wo das Geld im Gesundheitssystem wirklich verschwindet.

Sicher nicht bei den Hausärzten in ländlichen oder kleinstädtischen Regionen.

Nur mal so als Zahl... Ein Arzt bekommt etwa 30€ Vergütung pro Patient und Quartal, egal wie häufig der Patient kommt oder wie lange die Behandlung dauert.

Das möge man sich bitte mal für andere Berufszweige vorstellen. Der Kfz Betrieb der pro Auto und Quartal 30€ bekommt, egal wie häufig das Auto in der Reperatur ist und wie lange daran geschraubt wird.

Macht mal die Augen auf!

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