Gertrud Steinbrück stützt ihren zu Tränen gerührten Peer

Die Frau an seiner Seite: Als Peer Steinbrück mit den Tränen kämpfen musste, sprang ihm seine Frau Gertrud bei. Für ihren Auftritt erhielt sie viel Lob.
Die Frau an seiner Seite: Als Peer Steinbrück mit den Tränen kämpfen musste, sprang ihm seine Frau Gertrud bei. Für ihren Auftritt erhielt sie viel Lob.
Foto: rtr
Was wir bereits wissen
Gefühlsbetonter Auftritt nach einem eigentlich verpatzten Wochenende - Peer Steinbrück kämpft mit den Tränen. Seine Frau hält zu ihm und erzählt aus dem Privatleben: von Spaziergängen bis Scrabble-Spielen.

Berlin/Düsseldorf.. Er baut atombombensichere Vogelhäuser, kann die Amsel nicht von der Meise unterscheiden und stört daheim nicht, wenn er liest. Bei ihrem ersten Wahlkampfauftritt hat die Ehefrau von Peer Steinbrück (SPD) einen Einblick in das Privatleben des Kanzlerkandidaten gewährt.

Es ist unerwartet emotional auf dem Parteikonvent der SPD in Berlin: Immer werde nur geschaut, wo man ihn erwischen könne, klagt Gertrud Steinbrück über die Attacken auf ihren Mann, der mit ihr auf dem Podium sitzt. Als die Moderatorin wissen will, warum er sich das antue, kämpft der sonst so „harte Hund“ mit den Tränen. Steinbrücks Stimme versagt, er schluckt und schluckt, Gattin Gertrud will ihm beruhigend die Hand auf den Arm legen, doch er wehrt das etwas ungelenk ab. Nur keine zu große Schwäche zeigen.

„Nicht cool, aber sehr souverän“

Mit Witz und Klartext schildert die Gymnasiallehrerin ihren Gatten im Weiteren als „ganz normalen Mann“. Humorvoll, mit Ecken, Kanten. Das Kennenlernen? Naja, einen „richtig guten Eindruck“ habe er am Anfang nicht gemacht. Dafür vielleicht im Kreißsaal bei der Geburt des ersten Kindes? „Er war bestimmt nicht cool, aber sehr souverän“, plaudert Gertrud Steinbrück so munter los, dass der Gatte die Backen aufpumpt.

Kommentar Nur zur Kanzlerkandidatur hat die Kommunikation nicht ganz geklappt. „Ich glaube, ich habe es aus den Nachrichten erfahren“, sagt Gertrud Steinbrück, die eine starke Distanz zu den Ambitionen ihres Mannes erkennen lässt. Erschüttert sei sie gewesen. Sie könnten wie früher Scrabble spielen und spazieren gehen – doch er habe sich für die Kandidatur entschieden. Nun werde das Ding durchgezogen. Sollte Steinbrück Kanzler werden, möchte seine Frau zurückhaltend bleiben. „Ich kann nicht die Michelle Obama geben.“

Gertrud Steinbrück ist womöglich das größte Pfund, das der 66-Jährige im Wahlkampf hat. „Vielleicht sollte der Kandidat nur noch mit Frau auftreten. Könnte noch was werden“, twittert ein Beobachter. Dazu aber sollten sich die Parteispitzen zusammenreißen. So hat es am Wochenende erneut zwischen Steinbrück und SPD-Chef Sigmar Gabriel geknirscht. Er erwarte, „dass sich alle – auch der Parteivorsitzende – in den nächsten 100 Tagen konstruktiv und loyal hinter den Spitzenkandidaten und die Kampagne stellen“, polterte Steinbrück im „Spiegel“.

Gabriel soll sich bei der letzten Fraktionssitzung kritisch über den Wahlkampf geäußert haben. Solche Situationen, so Steinbrück, dürften sich nicht wiederholen. „Ich habe es nicht so verstanden, als ob dies eine Kritik an der Wahlkampfführung des Spitzenkandidaten gewesen wäre“, meinte SPD-Fraktionsvize Joachim Poß gegenüber dieser Zeitung.

Neue Debatte um Große Koaliton

Auf dem Konvent bemüht sich Gabriel um Schadenbegrenzung. „Nicht nur die private, auch die politische Ehe von Peer und mir existiert“, verkündet er und erteilt einen Blankoschein zum Meckern: „Wenn der Kanzlerkandidat mal meint, er müsse den Parteivorsitzenden in den Senkel stellen, dann darfste das auch, Peer.“

SPD Auch die Debatte um die Frage, mit wem die SPD eine Zweckehe nach der Wahl eingeht, geht weiter. NRW-Fraktionschef Norbert Römer hat eine Große Koalition ausgeschlossen. Er habe „die Position der SPD und des Spitzenkandidaten wiedergegeben“, findet Poß daran nichts Anrüchiges. Dabei hat die SPD eine Große Koalition nie formell ausgeschlossen. Nur Steinbrück will nicht Juniorpartner werden. NRW-FDP-Generalsekretär Marco Buschmann witterte hinter dem Römer-Vorstoß sogleich den Versuch, einem Linksbündnis die Türe zu öffnen. Bei der Linken erntet Römer Kopfschütteln. „Wenn man alles ausschließt, muss man nach der Wahl irgendein Versprechen brechen“, sagte Linkspartei-Chefin Katja Kipping.