Das aktuelle Wetter NRW 4°C
Banken

Gerichtsurteil - Kreditgebühren sind nicht rechtmäßig

07.10.2012 | 19:03 Uhr
Gerichtsurteil - Kreditgebühren sind nicht rechtmäßig
Das Oberlandesgericht Dresden ist nicht das erste deutsche Gericht, das Kreditbearbeitungsgebühren für unrechtmäßig erklärt hat. Dennoch sind solche Gebühren noch immer gängige Praxis bei vielen Banken.Foto: WAZ FotoPool

Dortmund.   Erneut hat ein Gericht festgestellt, dass Bearbeitungsgebühren für Kredite nicht rechtmäßig sind. Viele Kunden von Banken und Bausparversicherern können jetzt auf Rückzahlungen hoffen. Allerdings müssen betroffene Kunden selbst aktiv werden, um Geld zurückzubekommen.

Kunden von Banken und Bausparversicherern können auf zum Teil hohe Rückzahlungen hoffen: Erneut hat ein Gericht Bearbeitungs- und Abschlussgebühren für Kredite als nicht rechtmäßig bezeichnet. Um das Geld zurückzubekommen, müssen Kunden jedoch selbst tätig werden.

Viele Banken sind alarmiert: Erst fiel in Bamberg ein Urteil gegen ein dortiges Kreditinstitut, dann in Hamm, in Karlsruhe, Zweibrücken und jetzt in Dresden. Stets ging es um die Frage, ob bei Verbraucherkredit, Autofinanzierung oder Hausbauhypothek Bearbeitungs- oder Abschlussgebühren rechtmäßig sind. Durchgängig urteilten die Gerichte: Nein, sind sie nicht. Kosten, die den Banken etwa durch Bonitätsprüfungen der Kreditnehmer entstehen, seien durch die Kreditzinsen abgedeckt.

Gericht sieht Kredit-Kunden benachteiligt

Kommentar
Neuer Schaden fürs Image
Neuer Schaden fürs Image

Dass Banken oftmals satte Bearbeitungsgebühren für Kredite verlangen, passt ins Bild. Die Kosten der Verbraucher fürs Geldleihen werden ohnehin unverhältnismäßig hochgetrieben.

Mal sind es die Überziehungszinsen für Girokonten, die für Kunden um ein Vielfaches höher sind als die Zinsen, die die Banken selber zahlen. Ein anderes Beispiel sind die Kontoführungsgebühren für Kredite, die völlig ungerechtfertigt sind – das musste erst der Bundesgerichtshof per Urteil entscheiden, bis die Banken diese fallen ließen. Und jetzt also die Bearbeitungs- und Abschlussgebühren für Kredite: Kosten, die die Banken ihren Kunden ebenfalls oben drauf packen.

Dass die Branche sich nach vielen gleichlautenden Gerichtsurteilen nunmehr scheinbar trickreich vor einer höchstrichterlichen Entscheidung drückt, ist empörend. Das ohnehin schlechte Image der Finanzbranche, die sich mit Milliarden Steuergeldern retten lässt, wird dadurch neuerlich beschädigt.

Kosten für bankeninterne Tätigkeiten dürften nicht zu Lasten der Kreditnehmern gehen – eine entsprechende Klausel „benachteiligt die Kunden entgegen dem Gebot von Treu und Glauben unangemessen“, heißt es im jüngsten Urteil aus Dresden. Ähnlich hatte zuvor das Oberlandesgericht (OLG) Hamm entschieden. Dennoch berechnen viele Institute Gebühren von zwei bis drei Prozent der Kreditsumme.

Dass dies weiterhin gängige Praxis ist, liegt daran, dass es noch kein höchstrichterliches Urteil gibt. Das hatte zuletzt die Sparkasse Chemnitz verhindert. Sie war vom OLG Dresden wegen ihrer Bearbeitungsgebühren verurteilt worden und hatte dagegen Revision beim Bundesgerichtshof (BGH) angestrebt.

Als die BGH-Richter erkennen ließen, dass sie in der für Mitte September terminierten Sitzung der OLG-Entscheidung folgen würden, zog die Sparkasse ihre Revision zurück. Warum, dazu wollte das Geldinstitut gegenüber der WR nicht Stellung nehmen. Markus Feck, Finanzexperte der Verbraucherzentrale NRW, spekuliert, dass dies auf Ratschlag des Bundesverbandes der Sparkassen geschehen ist, um ein Urteil für die ganze Branche zu vermeiden.

Zeitpunkt der Verjährung ist umstritten

Die Verbraucherzentralen kündigten an, jetzt sämtliche betroffene Banken einzeln abzumahnen – darunter Sparkassen, Genossenschaftsbanken und private Banken wie Santander, Targo, Deutsche Bank und Postbank. Einzelne Sparkassen in der Region verzichten bei Neuverträgen bereits auf Gebühren. Forderungen von Kreditnehmern, hieß es aus Dortmund und Arnsberg, würden geprüft und die Gebühren teilweise aus Kulanz erstattet.

Kreditnehmer, denen Bearbeitungs- oder Abschlussgebühren berechnet wurden, müssen diese selbsttätig von den Banken zurückfordern. Musterbriefe bietet die Verbraucherzentrale NRW an. Wann der Anspruch verjährt, ist strittig: Die Verbraucherzentrale geht von zehn Jahren aus, manche Banken von drei Jahren. Bei einer Kreditsumme von 10.000 Euro kann die Rückforderung bis zu 440 Euro betragen.

Heinz Krischer


Kommentare
09.10.2012
18:19
Gerichtsurteil - Kreditgebühren sind nicht rechtmäßig
von BeowulfOF | #4

Bin ich der einzige, der keine Musterbriefe unter dem angegeben Link findet?

1 Antwort
Gerichtsurteil - Kreditgebühren sind nicht rechtmäßig
von sauerland46 | #4-1

@ BeowulfOF,
der angegenbene Link bei der VZ führt nur zum aktuellen Diskussionsstand bzgl. der Bankentgelte, die Musterbriefe findet man/frau unter http://www.vz-nrw.de/UNIQ134997022104164/kontofuehrung .


http://www.vz-nrw.de/UNIQ134997022104164/kontofuehrung.

09.10.2012
09:57
Gerichtsurteil - Kreditgebühren sind nicht rechtmäßig
von apizzi | #3

Jetzt stellt sich nur die Frage wie sich die Banken Verhalten!
Wo werden solche Rückforderungen dann bei der Bank gespeichert und wie schaut es dann mit neuen Krediten aus die man haben möchte! Ich weis nicht ob da nicht dann intern bei den Banken es einen Vermerk gibt Kunde fordert Geld zurück bitte keinen Kredit mehr geben! Na sehen wir mal wie es weiter geht!

09.10.2012
08:37
Gerichtsurteil - Kreditgebühren sind nicht rechtmäßig
von Blaulichtl | #2

Interessant ist der Kommentar: Image beschädigt. Fragt sich nur, wen das interessiert. Den Banken geht das am ***** vorbei, solange die Bürger nach wie vor auf die geleckten Krawattenträger reinfallen.

Ich habe noch nie mein Konto überzogen und nehme auch keine Kredite auf. Da hat die Bank nichts zu verdienen.

1 Antwort
Da hat die Bank nichts zu verdienen.
von holmark | #2-1

Und ob. Die machen an Ihrem Guthaben pro Jahr je nach Können zwischen 50 und 800 % Gewinn und speisen Sie mit 0,5 % ab.

07.10.2012
23:09
Gerichtsurteil - Kreditgebühren sind nicht rechtmäßig
von Ismet | #1

Anscheinend gibt es bei den Gerichten doch weniger "Bankenfreunde" als in der Politik.
Es sind schöne Urteile, das uns Bürgern zeigt, das die Welt doch nicht komplett auf der Seite der Banken und Industriellen sind.
Ist zwar nur ein kleiner "Sieg" für den Bürger, aber dennoch bin ich Sicher das die Banken einen anderen Weg finden werden um an unser "bestes" zu kommen...
Ich gehe Morgen zur Arbeit, damit die "darbenden Banken" nicht auf meine Steuern verzichten müssen...

Aus dem Ressort
Amtsinhaber Bouteflika gewinnt Präsidentenwahl in Algerien
Algerien
Abdelaziz Bouteflika bleibt wie erwartet Präsident in Algerien. Die Opposition in dem öl- und gasreichen Land spricht von dreistem Wahlbetrug. Echte Beweise dafür gibt es jedoch bislang nicht.
Rüstungsfirmen wollen schneller über Exporte informieren
Waffenexporte
Die Rüstungs-Unternehmen wollen die Öffentlichkeit schneller über Waffenlieferungen ins Ausland informieren. Damit kommt die Industrie einer Forderung der Bundesregierung nach. Bislang werden Rüstungsgeschäfte manchmal erst nach zwei Jahren gemeldet.
Ukraine sagt "Sonderstatus" für russische Sprache zu
Ukraine
Auch nach der Unterzeichnung des Friedensplans bleibt die Lage in der Ost-Ukraine gespannt. Die pro-russischen Kämpfer weigern sich, die besetzten Gebäude zu freizugeben. Der Friedensplan sieht Gewaltverzicht beider Seiten vor — und die Entwaffnung der Separatisten.
Bundesagentur will höhere Hartz-IV-Hürden für Selbstständige
Arbeitsmarkt
Sie betreiben einen Imbiss, arbeiten als freie Fotografen oder als freischaffende Künstler. Über die Runden kommen sie aber nur mit Hilfe der Jobcenters. Das will die Bundesagentur jetzt einschränken.
"Bürgerliste" wirbt mit dunkelhäutigem Verbrecher um Stimmen
Wahlkampf
Peinliche Panne im Kommunalwahlkampf in Dortmund: Von Wahlplakaten der "Bürgerliste" zum Thema "innere Sicherheit" blickt ein grimmiger dunkler Verbrecher herab. Setzt die "Bürgerliste" Gewalt und Kriminalität mit dunkelhäutigen Menschen gleich? Der Vorsitzende verneint. Schuld sei die Druckerei.
Umfrage
Vermutlich wegen einer erhaltenen WhatsApp-Nachricht starb am 17. Februar eine 21-jährige Autofahrerin bei einem Unfall auf der B54 in Herdecke. Lassen Sie sich beim Autofahren vom Handy ablenken?

Vermutlich wegen einer erhaltenen WhatsApp-Nachricht starb am 17. Februar eine 21-jährige Autofahrerin bei einem Unfall auf der B54 in Herdecke. Lassen Sie sich beim Autofahren vom Handy ablenken?