Gemischte Gefühle

Athen..  Nektarios, Kioskbesitzer am Athener Syntagmaplatz, blinzelt in die Sonnenstrahlen, die sich an diesem kühlen Februarmorgen einen Weg durch die dunklen Wolken zu bahnen versuchen. „Es sieht düster aus“, sagt der 62-Jährige, und er meint nicht das Wetter. „Einerseits ist es gut, dass die Regierung den Europäern endlich mal die Stirn bietet“, sagt der Händler. So denken viele Griechen. Aber seit Finanzminister Yanis Varoufakis am Montagabend in Brüssel zum zweiten Mal eine Sitzung der Eurogruppe platzen ließ, wird es manchen mulmig. Gemischte Gefühle. „Ich hoffe, dass sie in letzter Minute doch noch einen Kompromiss finden, sonst...?“ Er will den Satz nicht zu Ende denken.

Nun tickt die Uhr. Bis Freitag soll die griechische Regierung eine Verlängerung des Hilfsprogramms beantragen. Doch das lehnt Athen bisher ab, „selbst wenn man uns die Pistole an die Schläfe setzt“, wie Regierungssprecher Gavriil Sakellaridis gestern sagte. Finanzminister Varoufakis gibt sich zuversichtlich, dass „innerhalb der nächsten 48 Stunden eine ehrliche Lösung“ gefunden werden kann. Aber wie die aussehen könnte, war gestern völlig unklar.

Noch weiß Ministerpräsident Alexis Tsipras die meisten Griechen hinter sich. Würde am Sonntag erneut gewählt, könnte sein Linksbündnis Syriza laut einer Umfrage auf 46 Prozent kommen, gegenüber 36 Prozent bei der Wahl vor drei Wochen. Sogar 80 Prozent unterstützen den harten Kurs der Regierung. Aber drei von vier Befragten erklären zugleich, dass sie am Euro festhalten wollen, und zwar „um jeden Preis“.

Ein Widerspruch, denn Tsipras riskiert, sein Land aus der Eurozone zu katapultieren. Zu einem solchen „Grexit“ könnte es kommen, wenn dem griechischen Staat und den Banken das Geld ausgeht, weil die internationalen Gläubiger keine weiteren Hilfskredite auszahlen.

Nun richten sich die Blicke auf die Chefetage der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt. Der EZB-Rat muss heute entscheiden, wie es mit der Notkredit-Versorgung weitergehen soll. Erst vergangene Woche hatte die EZB den Rahmen von 60 auf 65 Milliarden erhöht, aber dieses Limit ist nach Informationen aus Bankkreisen bereits ausgeschöpft. Dass die EZB den Banken jetzt den Geldhahn zudreht, ist nicht zu erwarten. Aber wenn sie die Nothilfen nur für wenige Tage verlängert, wäre das ein deutliches Signal der Warnung nach Athen.

Unter wachsenden Druck gerät die Athener Regierung auch, weil die Menschen aus Angst vor einem „Grexit“ immer mehr Geld von den Banken abziehen – rund zwei Milliarden Euro allein vergangene Woche. Auch der Kioskbesitzer Nektarios bringt seine Einnahmen nicht mehr zur Bank. „Das Geld ist an einem sicheren Ort, bis sich die Wolken verziehen“, sagt er.