Geldsegen aus dem Kreml bleibt aus

Athen..  Für die Zeitung „Avgi“ (Morgenröte), das Sprachrohr des Linksbündnisses Syriza, war der Moskau-Besuch von Ministerpräsident Alexis Tsipras ein voller Erfolg: Griechenland spiele nun „auf dem großen Schachbrett“, triumphierte das Blatt. Andere Kommentatoren sehen die Visite des Griechen im Kreml nüchterner: „Geopolitische Phantasiegebilde“ überschreibt die konservative Zeitung „Kathimerini“ ihren Leitartikel. Tsipras komme „ohne greifbare Ergebnisse“ aus Russland zurück, analysiert das Blatt.

Tatsächlich hatte der griechische Premier so gut wie nichts im Gepäck, als er am Donnerstagabend in Athen landete. Ein Ende des russischen Importstopps für griechische Lebensmittel? Fehlanzeige, er könne keine Ausnahme machen, sagte Putin. Russische Investitionen in griechische Bahnbetreiber und Häfen? Daran ist Putin zwar interessiert. Aber hier steht sich Tsipras selbst im Wege, solange er sich nicht entscheiden kann, wie es generell mit den Privatisierungen weitergehen soll. Billigeres Erdgas für die Griechen? Wenn darüber gesprochen wurde, kam man jedenfalls nicht zu einem Ergebnis. Immerhin lockte Putin seinen Gast mit der Aussicht, wenn sich Griechenland an der geplanten Pipeline Turkish Stream beteilige, könne es „Hunderte Millionen Euro“ an Durchleitungsgebühren kassieren. Griechenland werde damit zum wichtigsten Gas-Transitland der EU, so Putin. Der russische Präsident hatte das Projekt im Dezember bei seinem Besuch in der Türkei angekündigt, als Ersatz für die stornierte Pipeline South Stream. Dass Putin jetzt Tsipras Hilfe bei der Finanzierung der Leitung anbot, ist keine Großherzigkeit. Er braucht die Griechen für diese Pipeline. Wenn sie in der Türkei endet, macht das keinen Sinn. Das Gas ist schließlich für Europa bestimmt. Deshalb der Plan, die Leitung über Griechenland nach Mazedonien, Serbien und Ungern weiterzuführen. Ein weiterer Zweig könnte durch die Adria nach Italien führen.

Ein mildes Lächeln

Bei der gemeinsamen Pressekonferenz des russischen Präsidenten und des griechischen Premiers hatte an manchmal den Eindruck, sie finde in Brüssel statt, nicht nur wegen der Europafahne, die gleich doppelt neben der russischen und der griechischen Flagge stand. Er habe Verständnis dafür, dass Griechenland die Sanktionen gegen Russland in der EU gebilligt habe, sagte Putin milde. Tsipras kam mehrfach auf die „europäischen Partner“ zu sprechen und versicherte, Griechenland stehe zu seinen Verpflichtungen in der EU. Offenbar haben die Warnungen, die Tsipras nach Moskau begleiteten, ihre Wirkung nicht verfehlt. Die Sorge, Putin könnte mit einem Milliardenkredit für die geldhungrigen Griechen einen Keil in die EU treiben, stellte sich als gegenstandslos heraus: Man habe gar nicht um Hilfe gebeten, versicherte Tsipras, schließlich fahre er „nicht als Bettler“ durch die Welt. Griechenland wolle seine Finanzprobleme im Rahmen der EU lösen.