Geheime Liste - WestLB-Nachfolger Portigon besitzt rund 400 Kunstwerke

Kulturministerin Ute Schäfer (SPD) schlägt Alarm: Sollen weitere Kunstwerke aus Landesbesitz „versilbert“ werden - wie die beiden Werke von Andy Warhol, die in New York versteigert wurden?
Kulturministerin Ute Schäfer (SPD) schlägt Alarm: Sollen weitere Kunstwerke aus Landesbesitz „versilbert“ werden - wie die beiden Werke von Andy Warhol, die in New York versteigert wurden?
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Nach dem umstrittenen Verkauf von zwei Warhol-Bildern für mehr als 120 Millionen Euro bahnt sich der Verkauf weiterer Kunstwerke aus Landesbesitz an. Es geht um rund 400 Werke.

Düsseldorf.. In NRW droht offenbar der Verkauf weiterer Kunstwerke aus Landesbesitz. Laut einer Inventarliste der Landesregierung umfasst die Kunstsammlung der landeseigenen WestLB-Nachfolgebank Portigon rund 400 Werke im geschätzten Gesamtwert von mehr als 100 Millionen Euro.

Da die Bank auf Druck der EU-Kommission abgewickelt werden muss, könnten Teile ihres Kunstschatzes in Privatbesitz wechseln. Kulturministerin Ute Schäfer (SPD) schlug vorsorglich Alarm. „Ich erwarte beim Runden Tisch am 5.Februar eine offene, ehrliche Debatte, wie künftig mit Kunst in Unternehmensbesitz des Landes umgegangen werden soll. Hier geht es vor allem um Transparenz“, sagte Schäfer dieser Redaktion.

Geheime Inventarliste

Nach Angaben der „Rheinischen Post“ umfasst die Portigon-Sammlung unter anderem Kunstwerke von berühmten Künstlern wie August Macke, Emil Nolde, Sigmar Polke, Gerhard Richter und Henry Moore. Zahlreiche Kunstwerke wurden als langfristige Leihgaben an kommunale Museen vergeben.

Kunstauktion Das Finanzministerium hält die Inventarliste bislang noch geheim, um bei der Abwicklung einen Preiseinbruch der Kunstgegenstände zu verhindern. Im November hatte das Land zwei Warhol-Gemälde für insgesamt 120 Millionen Euro aus der landeseigenen Westspiel-Gruppe versteigert. Damals hatte der „Tabubruch“ in Kunstkreisen für Empörung gesorgt.

Weitere Verkäufe

Ministerin Schäfer hatte schon vor Wochen deutlich gemacht, dass für den Erfolg des Runden Tisches mit Vertretern der Unternehmen sowie aus Politik und Kultur in ihrem Ministerium die Kenntnis der Liste mit den Kunstwerken in Unternehmensbesitz des Landes erforderlich sei. Deshalb schade die Veröffentlichung der Kunstliste in den Medien dem Runden Tisch auch nicht.

Kunstauktion Gleichzeitig brachte der Fraktionschef der Grünen im Landtag, Reiner Priggen, auch den Verkauf von Teilen der Kunstsammlung der früheren Abtei Kornelimünster in Aachen ins Gespräch. Priggen erinnerte daran, dass in Kornelimünster nur 250 der 3000 Exponate ausgestellt werden könnten. Nach einem Verkauf einzelner Kunstwerke könnten mit den Einnahmen Werke junger Künstler angekauft werden, um deren Entwicklung zu fördern, so Priggen. Kulturministerium hatte bereits Ende Oktober Berichte über mögliche Verkäufe von Kunstwerken aus Kornelimünster dementiert.