Geburtsprämie für den Bürgermeisterstuhl

Westerland..  Am Sonntag wählen die Sylter einen neuen Bürgermeister. Gut möglich, dass es eine Frau wird: Gabriele Pauli geht als parteilose Kandidatin in die Stichwahl. Für die Bayerin ein politisches Comeback: Es war zuletzt still geworden um die eigenwillige Politikerin, die einst als „schöne Landrätin“ von Fürth bundesweit Furore machte und als CSU-Rebellin Parteichef Edmund Stoiber zum Rücktritt drängte. Julia Emmrich erreichte die 57-Jährige mitten im Endspurt ihres Wahlkampfs auf Sylt.

Was sehen Sie, wenn Sie aus dem Fenster gucken? Schietwetter?

Nein, im Gegenteil: Die Sonne scheint, es ist mild, kaum Wind, fast wie im Frühling. Aufbruchstimmung, würde ich sagen.

Wenn Sie am Sonntag die Stichwahl gewinnen – was ändert sich auf Sylt?

Ich möchte die Abwanderung von der Insel stoppen. Dazu müssen wir mehr für die Familien tun: Ich schlage zum Beispiel ein kommunales Kindergeld vor. Bei der Geburt eines Kindes gäbe es dann 1400 Euro, später dann pro Monat 100 Euro.

Unabhängig vom Einkommen der Eltern?

Ja, jedes Baby ist willkommen. Denn wir brauchen hier dringend Familien mit Kindern. Auf der ganzen Insel kommen im Moment pro Jahr nur noch rund 80 Kinder auf die Welt. Sylt braucht aber wieder mehr Einwohner. Und mehr Einwohner heißt am Ende auch: mehr Geld in der Gemeindekasse.

Sie haben vorgeschlagen, eine Geburtenstation auf Sylt einzurichten. Wollen Sie den Kreißsaal-Tourismus fördern?

Im Moment heißt es immer: Hier kann man keine Kinder kriegen, weil die medizinische Versorgung fehlt. Das möchte ich wieder ändern: Gerade auf Sylt ist es wunderbar, Kinder zu bekommen. Und wenn in der Geburtsurkunde dann „8218 Sylt“ steht, ist das doch schön, das hat doch einen Klang!

Dann fahren bald wieder die reichen Münchnerinnen zum Kinderkriegen nach Westerland?

Es werden ja nicht gleich Tausende kommen. Aber wir sind nun mal eine Insel, die von den Gästen lebt. Wenn wir die Vorzüge einer sanften, naturverbundenen Geburt in dieser Inselidylle mehr publik machen könnten, wäre das doch attraktiv.

6500 Euro gibt es pro Monat für den Job des Sylter Bürgermeisters – kann man sich damit das Leben auf Sylt überhaupt noch leisten?

Andere haben weniger und leben auch hier. Die Gemeinde fördert ja sozial Schwächere bei der Wohnungssuche. Aber tatsächlich muss man auf Sylt umdenken: Die Fläche ist begrenzt, Wohnraum ist knapp. Am Strand von Westerland oder Kampen muss ich sicher mehr zahlen als in München. Aber sobald man etwas vom Meer entfernt wohnt oder nach List oder Hörnum zieht, sind die Mieten niedriger.

Und wenn Sie nicht gewählt werden? Wollen Sie auf der Insel bleiben?

Ich habe viele Freunde hier und werde weiter auf Sylt wohnen.