Das aktuelle Wetter NRW 16°C
Entlassungsurkunde

Gauck tröstet Röttgen nach rabiatem Rauswurf

22.05.2012 | 15:47 Uhr
Der ehemalige Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU, Foto) erhielt von Joachim Gauck die Entlassungsurkunde. Foto: Oliver Lang/dapd

Berlin.   Präsidiale Streicheleinheiten: Bundespräsident Joachim Gauck überreicht Norbert Röttgen die Entlassungsurkunde und findet tröstende Worte für den Ex-Umweltminister . Auch einen Wunsch gibt er Röttgen mit auf den Weg.

Es tat ihm gut. „Herzlichen Dank für Ihre Worte, danke Ihnen sehr“, sagt Norbert Röttgen. Der Dank gilt Joachim Gauck. Der Bundespräsident hatte Röttgen bei der Überreichung der Entlassungsurkunde gelobt und Mut gemacht. Der Termin war für Gauck ein Novum, und erfahrungsgemäß geht es dabei etwas verkrampft zu. Wenige scheiden freiwillig aus der Politik, obwohl der Wechsel ja zur „republikanischen Normalität“ gehört, wie Gauck es ausdrückte. Bei Röttgen stimmte nicht einmal die Fassade: Der Umweltminister trat nicht zurück. Er wurde von Kanzlerin Angela Merkel entlassen.

Die Rabiate verfolgte die Zeremonie ohne große Regung, zumal sie auch hundemüde gewesen sein muss. Merkel war erst wenige Stunden zuvor vom Nato-Gipfel in den USA zurückgekehrt. Nun stand sie im Schloss Bellevue und verfolgte, wie der Präsident Röttgen verabschiedete und danach Peter Altmaier zum Nachfolger ernannte. Ein kurzer Händedruck noch, dann war Röttgens Amtszeit zu Ende.

Trockene Urkunde - gefühlvolle Worte

Video
Berlin, 22.05.12: Der CDU-Politiker Peter Altmaier ist von Bundespräsident Joachim Gauck zum neuen Bundesumweltminister ernannt worden. Am Dienstag erhielt der 53-jährige Merkel-Intimus im Schloss Bellevue seine Ernennungsurkunde für das neue Amt.

Der Text der Urkunde ist trockene Prosa, allgemeiner Dank, für jeden Minister gleich, offenkundig nach Gaucks Gusto zu geschäftsmäßig. Röttgen habe „früher als andere“ erkannt, ergänzte der Präsident, „dass es Zeit für die Energiewende ist“. Er habe den Klima- und Umweltschutz wie den Ausbau der erneuerbaren Energien „leidenschaftlich vorangetrieben“.

Er dankte Röttgen für seinen Einsatz für das Gemeinwohl und wünschte sich, dass er das nach den „sehr schwierigen Entscheidungen“ auch in Zukunft tun könne. Kurzum: Er hofft, dass Röttgen nicht den Mut verliert und der Politik treu bleibt. Das musste er nicht sagen. Aber es war Balsam für die Seele.

Merkel hat die Entlassung  Röttgens unterdessen verteidigt. Als sie die Entscheidung getroffen habe, "bin ich mir sehr bewusst gewesen, welche politische und menschliche Tragweite dies haben wird", sagte die CDU-Vorsitzende nach Angaben von Teilnehmern am Dienstag vor der Unions-Fraktion. Aber sie sei sich "auch meiner Verantwortung als Kanzlerin bewusst gewesen". Daher habe sie sich für den Neubeginn ihm Umweltressort entschieden. Sie sei überzeugt gewesen, "dass ein personeller Neuanfang notwendig ist". (mit dapd)

Miguel Sanches


Kommentare
23.05.2012
09:05
Gauck tröstet Röttgen nach rabiatem Rauswurf
von Murphy07 | #14

# 11-1 Unsere Urgroßväter-u. Mütter sagten schon" Der Sieg hat viele Väter und Mütter und die Niederlage nur einen. Genau das erlebt ihre CDU gerade. Alle vorher Hosinna auf Röttgen obwohl ALLE wußten, daß er ein Egomane war und ist.Ein Teil wußte auch was in Berlin ausbaldowert wurde und ALLE haben mitgemacht..wohlwissend ... Und jetzt steht nur Röttgen als Verlierer da. Leute..ihr müßt die Menschen hier nicht für bekloppt halten auch wir können 1+1 zusammenzählen. Das zeigt doch zur Zeit das wahre Gesicht dieser Partei. Die Maske ist unten und was die Menschen hinter dieser christlichen Maske sehen..ist schrecklich und dies werden die Leute für Jahre nicht vergessen. Das eine C-Partei versucht hat sie wissentlich zu verschaukeln. Und die Anführerin ist Merkel..

2 Antworten
Gauck tröstet Röttgen nach rabiatem Rauswurf
von joergel | #14-1

Ich kann mich da an einen Parteivorsitzenden und Kanzlerkandidaten bei der SPD erinnern, der ebenso wie Röttgen per Mitgliederbefragung von der Basis der Partei nominiert wurde. Auch der wurde nach verlorener Wahl auf dem Parteitag von seinem ebenso erfolglosen und später fahnenflüchtigen Nachfolger eiskalt abserviert.

Ich kann mich auch noch gut an die Worte des damals Gemeuchelten erinnern: "Das hat bitter wehgetan..." Der hatte übrigens keinen persönlichen Fehler gemacht, von denen Röttgen diesmal gleich mehrere in kürzester Zeit hinlegte, er konnte sich nur gegen Kohl nicht durchsetzen. Das war alles...

Aber wenn in der SPD jemand gnadenlos abserviert wird, ist das natürlich völlig normal. Nur die CDU läßt beim gleichen Vorgang die Maske fallen. Fragt sich, wer da wen für "bekloppt" hält und wer "1+1" nicht zusammen zählen kann.

Übrigens, warum benutzen sie eigentlich nicht die Antwortfunktion? Die ist extra für solche Hasstiraden wie die ihren gemacht...

Gauck tröstet Röttgen nach rabiatem Rauswurf
von joergel | #14-2

Dazu gibt´s auch noch eine nachträgliche Geschichte. Die geht so:

Der damals so rabiat Abservierte wurde später Verteidigungsminister unter Schröder. Da leistete er sich ein paar persönliche Fehler, ähnlich wie jetzt Röttgen, und was geschah dann?

Richtig, er wurde schlicht und einfach entlassen.

Jetzt ist er auch wieder Präsident. Nur diesmal vom Bund deutscher Radfahrer...

22.05.2012
22:27
Gauck tröstet Röttgen nach rabiatem Rauswurf
von meinemeinungdazu | #13

Merkels Leistungsqualität hat sehr nachgelassen, dazu das äußerst schwache Personal um Merkel herum. Das kann keine Lösung für Deutschland sein. 2013 muss ein massiver Neuanfang kommen. Mit Merkel und Konsorten kann es nicht weitergehen, sonst würde Deutschland untergehen.

22.05.2012
21:52
Gauck tröstet Röttgen nach rabiatem Rauswurf
von Franz_Gerber | #12

Meine Güte, die Kanzlerin hat die Richtlinienkompetenz und sie kann entscheiden, welchem Minister sie ihr Vertrauen schenkt. Das entscheiden nicht die Stammtische, nicht der NRW-CDU- Parteiklüngel, und schon gar nicht die Bürger, sondern ganz allein die Kanzlerin laut Verfassung. Dass sich der Redakteur erdreistet hier von rabiatem Rauswurf zu reden ist absolut tendenziös und unangemessen. Wenn Röttgen noch im Amt wäre, würden dieselben Leute, die Merkel für ihren Rauswurf kritisieren, herumnörgeln, warum sie an so einem schwachen Minister festhält. Und wie die ganze Entlassung abgelaufen ist, welche Vorgeschichte es gab, dass wissen doch nur die, die ganz nah dran sind.

1 Antwort
Gauck tröstet Röttgen nach rabiatem Rauswurf
von Murphy07 | #12-1

Bitte auch den Spiegel, Stern, focus, FAZ und SZ..da steht überall daß Gleiche..also ist die Tendenz lieber CDUler auch gleich. Merkel hat den eiskalten Hauch der Macht ausgeübt auch als Parteivorsitzende..es geht jetzt nur noch bergab....

22.05.2012
21:20
Gauck tröstet Röttgen nach rabiatem Rauswurf
von Murphy07 | #11

Röttgen wird sich deshalb aber nicht ändern. Das er auf Merkel verlogenes Schmierentheater nicht eingegangen ist, war nur die Angst " Muttis Klügster" wird dann nicht aus NRW abgeholt. Nur die Erkenntnis hat ihn noch mehr Fehler machen lassen die wir die Wähler nicht verzeihen. Röttgen ging es die ganze Zeit nur um sich um seine Stellung und seinen Erfolg und die evtl. Aussichten auf den Thron.
Aber das verlogene daran war, daß die Menschen die das ganze Szenario mit erarbeitet haben und auch gebilligt haben immer noch ihre Posten haben. Merkel, Pofalla, Altmeier, Kauder ( Merkels Lieblinge) Wittke, Laschet, Laumann. Diese Gestalten waren doch bei der Aufstellung und Nomenierung von Röttgen beteiligt und haben mit am Konzept gearbeitet. Auch wenn diese heute sagen, Röttgen hatte einen Tunnelblick und hat sich nichts sagen lassen..haben sie ihn gebremst..nee...
Also müßten die nach Murphys These Alle gehen, da würden Plätze frei...2013 oder eher das Totenglöckchen für die CDU läuten

1 Antwort
Gauck tröstet Röttgen nach rabiatem Rauswurf
von joergel | #11-1

Was soll das denn heißen, "haben sie ihn gebremst"?
Seit wann kann man einem erwachsenen Menschen die Wahl seiner persönlichen Entscheidungen vorschreiben?
Noch dazu einem Bundesminister und Ministerpräsidenten-Kandidaten.
Sollten sie ihn vielleicht entmündigen?

Sie, das heißt viele Parteifreunde und auch Ministerpräsidenten haben mit Engelszungen geredet und ihn zu überzeugen versucht sich zu NRW zu bekennen, mehr konnten sie nicht tun. Deshalb hat sich Seehofer auch im Nachhinein mit Recht aufgeregt. Nämlich über die absolute Sturheit und Beratungsresistenz des Herrn Röttgen.

Er hatte nicht mal die Größe freiwillig zurück zutreten, wozu er drei Tage Zeit hatte und was ihm von Merkel dringend nahegelegt wurde, damit er sein Gesicht wenigstens halbwegs wahren konnte. Auch dazu war er zu stur oder zu feige.

Jetzt trägt er eben die Konsequenzen für seine Fehler. Wenn es nach mir ginge, hätte es bei seiner Enlassung noch einen zusätzlichen Tritt in den Hintern gegeben...

22.05.2012
21:19
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #10

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

22.05.2012
19:21
Gauck tröstet Röttgen nach rabiatem Rauswurf
von drMayer | #9

Trost unter Schauterbären - nicht mehr. Für Merkel wird die "Energiewende" neben der desaströsen "Euro-Rettung" zum Stolperstein gereichen - spätestns dann, wenn die deutschen Strompreise exorbitante Höhen erreichen werden und die Versorgungssicherheit - hier und da - schwächeln wird. Und - Röttgen oder die Hasenscharte - da ist wenig dran zu ändern an der Entwicklung.

22.05.2012
18:15
Alle Vögel sind schon da...
von wohlzufrieden | #8

Gauck schmückt sich mit den fremden Federn des Freiheitskämpfers, Röttgen mit denen des Energiepolitik- Revoluzzer. Und beide legen nichts als Kuckuckseier. Und Frau Merkel steckt einfach den Kopf in den Sand und taucht ab. Schräge Vögel eben.

22.05.2012
18:05
Gauck tröstet Röttgen nach rabiatem Rauswurf
von eagle | #7

Es geht mir nicht um die Qualifikationen der Herrn Röttgen noch um seine Fehler. Hier geht es um das Gebaren der Frau, die die Regierung eines 80-Millionen-Volkes führen soll und wieder einmal eiskaltes Kalkül und damit ihre Inhumanität gezeigt hat. Einen Herrn Sauerland haben wir abgewählt, weil er sich unfähig zeigte, human zu handeln. Nun liegt es an den deutschen Wählern, dieser Frau 2013 die rote Karte zu zeigen. Damit ich mich klar ausdrücke: Ich habe keine Vorliebe für eine bestimmte Partei.

1 Antwort
Gauck tröstet Röttgen nach rabiatem Rauswurf
von ulenfrau | #7-1

was hätte sie denn sonst machen sollen? nach dieser niederlage war herr dr.röttgen irreparabel beschädigt und hätte der spd und der fdp eine dauerhafte angriffsfläche geboten. persönlich und menschlich tut er mir sehr leid, wenn er aus seinen fehlern lernt,wird diese schmerzliche erfahrung sehr wichtig für seine persönliche und politische entwicklung sein. ich wünsche ihm alles gute!

22.05.2012
17:00
Gauck tröstet Röttgen nach rabiatem Rauswurf
von Rally8 | #6

Merkel und Steuber haben Seehofer seinerzeit als Bundesgesundheitsminister auch mindestens einmal gestoppt, da wurde seine gute Arbeit den Göttern geopfert und Seehofer mußte in Bayern von vorne beginnen. Bei der nächsten Möglichkeit sollte er seine Chance nutzen, sonst geht es ihm noch wie Röttgen oder den anderen.
[Editiert von Moderation]

1 Antwort
Gauck tröstet Röttgen nach rabiatem Rauswurf
von a_ha | #6-1

Wenn sie gekonnt hätte, wäre Seehofer geflogen.

22.05.2012
16:36
Gauck tröstet Röttgen nach rabiatem Rauswurf
von meinemeinungdazu | #5

Röttgen gilt als Versager. Dennoch war das Verhalten Merkels im Klüngel mit Seehofer absolut unanständig. Damit ist die Politik Merkels weiter beschädigt worden.

Aus dem Ressort
Putin fordert Verhandlungslösung für den Ukraine-Konflikt
Konflikte
Während in Genf die Außenminister zu einem Krisengipfel über die Ukraine zusammenkommen, äußert sich Russlands Präsident Wladimir Putin im Fernsehen: In der Fragesendung "Direkter Draht" forderte er Verhandlungen - und bestritt, dass russische Kräfte in der Ostukraine aktiv seien.
Mode-Droge Crystal in Deutschland weiter auf dem Vormarsch
Drogen
Der Konsum der stark süchtig machenden Mode-Droge Crystal Meth ist in Deutschland im achten Jahr in Folge gestiegen. Heute stellt die Drogenbeauftragte der Bundesregierung ihren jährlichen Drogenbericht vor. Er zeigt: Eine Region ist von dem gefährlichen Boom besonders betroffen.
Separatisten sterben bei Angriff auf Kiews Nationalgarde
Ukraine
Am Donnerstag treffen sich Vetreter Russlands, der Ukraine, der USA und der EU zu einem Krisengipfel in Genf. Einziges Thema: Die Ukraine. Mit Fortschritten wird kaum gerechnet. Dabei drängt die Zeit: Kiews Einfluss im Osten schwindet, die Gewalt eskaliert. Am Donnerstag gab es Tote.
Diplomatie am Telefon - Der kurze Draht der Mächtigen
Ukraine-Krise
In der Ukraine-Krise setzt Angela Merkel auf Telefondiplomatie mit Barack Obama und Wladimir Putin. Auch in den Oster-Urlaub nimmt die Kanzlerin ein abhörsicheres Telefon mit. Nicht nur für diese brisanten Gespräche mit den Staatschefs der USA und Russlands gelten strenge Regeln.
Mundlos und Böhnhardt waren "Typen wie aus einem Kriegsfilm"
NSU-Prozess
Die frühere Rechtsextremistin Jana J. hat im NSU-Prozess die Jenaer Szene in den 1990er Jahren beschrieben. Das Trio aus Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt bezeichnete sie als "verschworene Gemeinschaft". Die Zeugin ist die frühere Freundin des mutmaßlichen NSU-Unterstützers André K.
Umfrage
Vermutlich wegen einer erhaltenen WhatsApp-Nachricht starb am 17. Februar eine 21-jährige Autofahrerin bei einem Unfall auf der B54 in Herdecke. Lassen Sie sich beim Autofahren vom Handy ablenken?

Vermutlich wegen einer erhaltenen WhatsApp-Nachricht starb am 17. Februar eine 21-jährige Autofahrerin bei einem Unfall auf der B54 in Herdecke. Lassen Sie sich beim Autofahren vom Handy ablenken?