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Gerechtigkeit

Gabriel wirft Grünen mit Aldi-Vergleich mangelndes soziales Gespür vor

21.03.2013 | 13:45 Uhr
Gabriel wirft Grünen mit Aldi-Vergleich mangelndes soziales Gespür vor
SPD-Chef Sigmar Gabriel hat dem möglichen grünen Koalitionspartner mangelndes Gespür für die Sorgen von Verkäuferinnen oder Krankenschwestern vorgehalten.Foto: dpa

Essen.  SPD-Chef Sigmar Gabriel wirft den Grünen mangelndes soziales Gespür vor. "Die Grünen werden nie verstehen, wie eine Verkäuferin bei Aldi denkt", sagte er in einem Interview. Grünen-Bundesgeschäftsführerin Steffi Lemke nimmt die Äußerung von SPD-Chef Sigmar Gabriel "nicht sonderlich ernst".

SPD-Chef Sigmar Gabriel hat die Grünen mit einer giftigen Attacke irritiert. Er stellte den Wunschkoalitionspartner in einem Interview mit der „Zeit“ als Partei der Besserverdienenden dar und warf den Grünen mangelndes Gespür für soziale Themen vor. Die Grünen, so Gabriel, würden es nie verstehen, wie „eine Verkäuferin bei Aldi denkt“.  Mit einem B3-Gehalt verstehe man auch nicht, „warum einer Krankenschwester nicht egal ist, wie viel der Strom kostet“.

Grüne Ideen vom bedingungslosen Grundeinkommen seien für arbeitende Menschen "ein Affront", sagte Gabriel. Grüne Ideen machten die SPD nicht überflüssig, auch wenn die Grünen glaubten, sie seien die besseren Sozialdemokraten.

SPD und Grüne streben nach der Bundestagswahl im September ein rot-grünes Bündnis an. Nachdem sich führende Grüne kürzlich von der Agenda 2010 distanziert hatten, gab es zwischen beiden Parteien einen Streit über den richtigen Umgang mit der von SPD-Kanzler Gerhard Schröder durchgesetzten Sozialreform.

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Steffi Lemke, politische Bundesgeschäftsführerin der Grünen, sagte in einem Gespräch mit der  NRZ daraufhin gestern, sie nehme die Attacke „nicht sonderlich ernst“ und spottete: „Wenn Sigmar Gabriel die Sorge umtreibt, dass wir Grüne beim Gerechtigkeitsthema sehr gut aufgestellt sind, ist das sein Problem“. Es sei nicht das erste Mal, „dass die SPD mühevoll versucht, uns ein Image der Partei der Besserverdienenden anzuhängen, obwohl sie es eigentlich besser weiß“, so Lemke weiter. Die Grünen hätten ein „klares Gerechtigkeitsprogramm“ betonte die Grünen-Wahlkampfmanagerin.

Sie wolle aber gar keinen Streit mit Gabriel darüber haben. „Im Wahlkampf ist die Auseinandersetzung mit der Merkel-Koalition das zentrale Feld. Gerade auch bei Thema Gerechtigkeit. Darauf werden wir uns konzentrieren“, so die Grünen-Bundesgeschäftsführerin.

Grüner Lebensstil sei längst keine soziale Frage mehr

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Grünen-Spitzenkandidat Jürgen Trittin hielt dem Vorwurf, die Grünen seien eine Partei der Besserverdienenden, in der "Zeit" entgegen: "Ich habe Sigmar Gabriel gefragt: Wann warst du das letzte Mal bei McDonald's? (...) Da gibt es Latte macchiato, Espresso, und, halt dich fest, Bionade." Grüner Lebensstil sei längst keine soziale Frage mehr. (mit dpa)

Jan Jessen

Kommentare
22.03.2013
17:05
Gabriel wirft Grünen mit Aldi-Vergleich mangelndes soziales Gespür vor
von steckritzel | #29

Ob Gabriel und seine Genossen von der sPD oder auch Herr Trittin und seine olivgrünen
Bagage, aber auch Frau Merkel und ihre christliche Schaar und...
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Gabriel wirft Grünen mit Aldi-Vergleich mangelndes soziales Gespür vor
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2013-03-21 13:45
SPD, Grüne, Sigmar Gabriel, Jürgen Trittin, Aldi
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