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Nazi-Mordserie

Gabriel hält den Umgang mit Neonazi-Opfern für "demütigend"

17.11.2011 | 11:15 Uhr
Gabriel hält den Umgang mit Neonazi-Opfern für "demütigend"
Der SPD-Bundesvorsitzende Sigmar Gabriel hat sich in Köln bestürzt über den Umgang mit den Opfern des Neonazi-Terrors in Deutschland gezeigt. Foto: dapd

Düsseldorf.  Die Terrorserie von Neonazis beschäftigt den NRW-Landtag. CDU-Politiker Armin Laschet zeigte sich betroffen angesichts der Opfer der Mordtaten, die sich von Polizei und Politik allein gelassen fühlten. Der SPD-Bundesvorsitzende Sigmar Gabriel hält den Umgang mit den Opfern für "beleidigend und demütigend".

Mit selbstkritischen Tönen hat der nordrhein-westfälische Landtag über die Terrorserie von Neonazis debattiert. Mehrere Abgeordnete entschuldigten sich am Donnerstag in Düsseldorf im Namen der Politik bei Angehörigen und Anschlagsopfern für das kollektive Versagen der staatlichen Sicherheitsbehörden .

Der CDU-Politiker Armin Laschet rief angesichts der Terrorserie zum Kampf gegen den Rechtsextremismus auf. "Der Feind steht rechts", zitierte der frühere NRW-Integrationsminister einen Ausspruch des Reichskanzlers der Weimarer Republik, Joseph Wirth.

Die Angehörigen der Opfer der Neonazi-Mordtaten hätten sich von Polizei und Politik allein gelassen gefühlt , sagte Laschet. "Diese Schicksale haben uns nicht erreicht. Das sollte uns nachdenklich machen und wir sollten uns eigentlich auch dafür entschuldigen." Laschet rügte, dass Ermordete von den Ermittlern in Zusammenhang mit Drogen und Kriminalität gebracht worden seien.

Mehrere Anschläge in NRW


Die Terrorgruppe "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) soll im April 2006 einen deutsch-türkischen Kioskbesitzer in Dortmund erschossen haben . In einem Bekennervideo der NSU kommt auch der Nagelbombenanschlag in Köln vor, bei dem vor sieben Jahren 22 Menschen teils lebensgefährlich verletzt wurden. Zudem sollen die Neonazis für einen Sprengstoff-Anschlag in Köln verantwortlich sein, bei dem 2001 eine junge Deutsch-Iranerin schwer verletzt wurde.

Der FDP-Abgeordnete Horst Engel sagte: "Wir verneigen uns vor den Opfern und entschuldigen uns als Politik dafür, dass so etwas in Deutschland möglich wurde." Verwicklungen des Verfassungsschutzes mit dem "braunen Sumpf" müssten aufgeklärt werden. Auch Innenminister Ralf Jäger (SPD) merkte an, die Sicherheitsbehörden müssten sich entschuldigen. Es dürfe keine "Symbiosen zwischen Behörden und Terroristen geben".

Der Geheimdienst sei "tief in die rechte Szene verstrickt" , sagte die Linke-Abgeordnete Anna Conrads. Der Verfassungsschutz verhelfe "den Neofaschisten nicht nur zu Geld, sondern auch zu Legalität". Auch in NRW habe es in vergangenen Jahren kriminelle V-Leute des Verfassungsschutzes in Dortmund und Solingen gegeben.

Die Linke-Abgeordnete Özlem Demirel kritisierte die Äußerungen des damaligen Bundesinnenministers Otto Schily. Der SPD-Politiker hatte im Juni 2004 bereits einen Tag nach dem Bombenanschlag in Köln gesagt, nichts deute auf einen terroristischen Hintergrund hin. Eher handele es sich um eine Tat im kriminellen Milieu. In der Kölner Keupstraße leben vor allem Deutsch-Türken.

SPD-Chef Gabriel bestürzt über den Umgang mit Anschlagsopfern

Der SPD-Bundesvorsitzende Sigmar Gabriel hat sich bestürzt über den Umgang mit den Opfern des Neonazi-Terrors in Deutschland gezeigt. Es sei "beleidigend und demütigend", dass die Behörden den verheerenden Anschlag in Köln 2004 als eine Milieustraftat abgetan hätten, sagte Gabriel am Donnerstag beim Besuch des damaligen Tatortes, der Kölner Keupstraße . Man müsse sich schämen, "wie wir damals damit umgegangen sind". Bei einem Anschlag durch Islamisten hätte der Staat anders gehandelt.

Bei dem Nagelbombenanschlag vor einem Friseursalon waren 22 Menschen verletzt worden. Die Tat wird inzwischen der Neonazi-Gruppe "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) zugeschrieben.

Landtags-Geheimgremium schaut Bekenner-DVD der NSU an

Im geheimen Parlamentarischen Kontrollgremium (PKG) des Landtags haben Abgeordnete die Bekenner-DVD der rechtsradikalen Terrorgruppe "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) vorgeführt bekommen. Dies verlautete am Donnerstag aus Fraktionskreisen.

Behördenvertreter führten in der nichtöffentlichen Sitzung den Informationen zufolge aus, dass der NRW-Verfassungsschutz über keine Kenntnis von NSU-Aktivitäten an Rhein und Ruhr verfügt habe.

In der anschließenden Landtagsdebatte betonte Innenminister Ralf Jäger (SPD), dass die Neonazi-Szene bundesweit vernetzt sei . Rechtsextreme aus Thüringen hätten etwa an einer Demonstration in Dortmund teilgenommen.

Unterdessen bestätigte das Düsseldorfer Justizministerium, dass die mutmaßliche NSU-Terroristin Beate Zschäpe derzeit in der Justizvollzugsanstalt Köln-Ossendorf einsitzt . Zschäpe sei nach Köln verlegt worden, weil sie von dort aus zu den Vernehmungen des Bundeskriminalamtes in Meckenheim gebracht werden könne.
 

Offenbar bis zu hundert V-Leute in der NPD aktiv
 

Video
Köln, 14.11.2011:Nach dem Selbstmord der beiden männlichen Mitglieder des Rechtsextremisten-Trios kommen auch wieder die Erinnerungen an die Nagelbombe in der Keupstraße in Köln hoch.

Derweil wurde bekannt, dass in der NPD offenbar hundert V-Leute aktiv sind. Die Zahl liege heute "im oberen zweistelligen Bereich" und damit noch höher als 2003, als bis zu 15 Prozent der Mitglieder in Landes- und Bundesvorständen der Nationaldemokraten für den Staat spitzelten, berichtete der "Kölner Stadt-Anzeiger" (Donnerstagsausgabe) unter Berufung auf Berliner Sicherheitskreise. Diese "nennenswerte Zahl", wie es weiter hieß, sei in führenden Koalitionskreisen bestätigt worden.

Ein von der rot-grünen Bundesregierung initiiertes NPD-Verbotsverfahren war im Jahr 2003 gescheitert, nachdem bekannt geworden war, dass die NPD mit V-Leuten des Verfassungsschutzes durchsetzt war. Beweismittel für die Verfassungswidrigkeit der Partei wären vor Gericht daher nicht verwendbar gewesen.

Die Debatte um einen NPD-Verbotsantrag war nach der Aufdeckung der rechtsextremen Zwickauer Zelle erneut aufgeflammt. Ein Täter-Trio soll womöglich mit Helfern für die sogenannte Döner-Mordserie an neun Kleinunternehmern ausländischer Herkunft sowie den Mord an einer Polizistin in Heilbronn im Jahr 2007 verantwortlich sein. (dapd/afp)

Rechtsextremer Terror

 

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Kommentare
17.11.2011
20:42
Dönermorde
von silera | #52

Jetzt wissen Alle wieder alles.Es war abzusehen usw.Aber eins steht doch fest ,Wenn die Verbrecher und das sind sie in erster Linie,sich nicht selber umgebracht hätten würden alle Oberlehrer weiter mit dem drei Affensyndrom rumlaufen. Auch wenn diese Morde ein abscheuliches Verbrechen gegenüber der Bevölkerung sind , ich schreibe bewußt Bevölkerung,so laß ich mich nicht vom Zentralrat der Muslime derart hinstellen als wenn ich auf dem rechten Auge blind bin. Hier in Deutschland leben genug Demokraten und rechtschaffene Leute um diesen braunen Sumpf auszurotten.Ich finde es ist unfair unseren Staat als Versager hinzustellen.Wo Menschen arbeiten und leben werden Fehler gemacht, auch als Muslime.

17.11.2011
20:12
Würdelose Betroffenheitszelebrierung
von MarionSchmidt | #51



Mich widert diese Heuchelei nur noch an. Selbstverständlich müssen die Morde lückenlos aufgeklärt werden - alles andere aber, diese Betroffenheitszelebrierung und das politische Ausschlachten ist nicht zu ertragen.

1 Antwort
Seh ich auch so
von g.kont | #51-1

Seh ich auch so

17.11.2011
20:04
Na sowas !
von Gumbolia | #50

Der Spiegel hat die Bekenner-DVD von einer dubiosen Antifa-Organisation gekauft:

http://www.presseportal.de/pm/6561/2149214/-spiegel-zahlt-fuer-exklusivzugriff-auf-bekennervideo

17.11.2011
19:44
Bedenklich.....
von mr.blue | #49

Wundert sich hier wirklich jemand über die braunen Sumpf?
Nach dem krieg haben die Amis mit alten Nazis und Kriegsverbrechern eine Geheimarmee aufgebaut in Deutschland! (Google : Gladio)
Wieviel Nazis sind nach dem Krieg in den Parteien aufgetaucht , vor allem, CDU/CSU!
Wer hat die Wehrsportgruppe Hoffman nur belächelt als bekämpft in Bayern? Richtig Strauß und CSU

Und was kommt von unseren Innenminister? Mehr Verzahnung von Polizei und Verfassungsschutz!!!!
Hatten wir nicht schonmal eine Gestapo???
Damit wird im Namen unserer Sicherheit wieder ein weiterer Schritt zur totalen Überwachung gemacht!!!

Und komischerweise liest man seitdem gar nichts mehr über Griechenland oder Italien wo jetzt ein Banker an der Macht sitzt, grade wo sich auch hier langsam die Occupybewegung ins Gespräch kam!?!?
Zufall!!!

17.11.2011
19:36
Für alle Schlauen hier die meinen...
von achkommschon | #48

... von Seiten der Behörden sei man bei den Dönermorden auf dem rechten Auge blind gewesen, hier ein Auszug aus einem Interview mit dem damaligen bayerischen Ministerpräsidenten Günther Beckstein.

Auf die Frage ob man keinerlei Versäumnisse im Hinblick auf einen rechtsextremen Hintergrund hat, antwortet er:

"Im Gegenteil: Wir sind bei Rechtsextremisten härter vorgegangen als bei Linksextremisten – weil die Zustimmung in der Bevölkerung hier viel größer ist. Manchmal gingen wir sogar weiter, als der Rechtsstaat eigentlich erlaubt."

17.11.2011
19:27
#44
von hupe10 | #47

Es gibt eine Menge Verbrechen, von Kirchen, Kommunisten, Sozialisten usw.
Und alle Verbrechen sind Verbrechen gegen die Menschheit.
Aber hier geht es nunmal um eine Nazi-Gang !!
Was soll da immer der Vergleich?? Da muß man doch einfach mal sagen:
Nazis raus und fertig!!Ist doch ziemlich verdächtig, wenn man das scheinbar nicht kann
und erstmal versucht ein paar Islamisten, geistig gestörte Menschen (wie diesen Taxi-Mörder) oder sonst wen ran zu ziehen

17.11.2011
19:22
der Herr Gabriel
von butcher99 | #46

hat nun gar keinen Grund sich aufs hohe Ross zusetzen. Immer erst vor der eigenen Haustüre kehren Herr Gabriel.

17.11.2011
19:21
Gabriel hält den Umgang mit Neonazi-Opfern für "demütigend"
von Pucky2 | #45

Schlimm, wie jetzt der Politikerzirkus durch die Städte zieht und Betroffenheit heuchelt... wie sie jetzt angeblich alles wissen und ihre uninteressante Meinung kundtun, wie sie vermeintliche Opfer vor die Kamera zerren, damit sie sich selber profilieren können.

... naja Herr Gabriel ist ja dafür bekannt, dass er kaum politisches Schamgefühl hat.

17.11.2011
19:17
hupe10 + KuKu
von Loisl.Kruppacher | #44

Aufzählungen scheinen in Ihren Fällen von Nöten zu sein. Aber Kommunismus und Sozialismus haben bei Leuten wie Ihnen wohl gar keine Verbrechen begangen. Bei Ihnen gibt es nur Schwarz (Nazis) und Weiß (Linke, Musllime). Daß alle Extreme und Ismen abzulehnen sind, entgeht Ihrem Politgesülz.
Warum bekam der "Spiegel" das Bekennervideo durch Ihre Genossen Jahre nach den Taten verkauft und wurden nicht bei dem Trio einkassiert? Warum haben denn die Genossen so lange geschwiegen?

17.11.2011
19:00
Blockierter Kommentar.
von Elektrosteiger | #43

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