G7-Staaten beschließen den Ausstieg aus der Kohleenergie

US-Präsident Obama und Kanzlerin Angela Merkel beim G7-Gipfel. Die wichtigsten Industriestaaten haben den Ausstieg aus der Kohleenergie beschlossen.
US-Präsident Obama und Kanzlerin Angela Merkel beim G7-Gipfel. Die wichtigsten Industriestaaten haben den Ausstieg aus der Kohleenergie beschlossen.
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Was wir bereits wissen
Die G7 feiern ihren Beschluss zum Ausstieg aus der Kohlenutzung bis zum Ende des Jahrhunderts. Doch viele Länder setzen weiterhin auf Atomstrom.

Elmau.. Die Greenpeace-Leute lassen sich was einfallen. Aus 2,5 Kilometer Entfernung werfen sie mit einem Projektor einen Slogan auf die Felswand des Waxensteins: „G7: 100 Prozent Erneuerbare.“ Der Berg ruft. Die Aktion stimmt auf das Thema zum Abschluss des Weltwirtschaftsgipfels in Elmau ein – auf den Klimaschutz.

Bis nach Mitternacht hatte Lars-Hendrik Röller die Details der Schlusserklärung ausgehandelt. Röller ist der Wirtschaftsberater von Kanzlerin Angela Merkel (CDU), ihr Beauftragter beim G7-Gipfel in Elmau, ein Sherpa, ein politischer Bergführer. In der Abschlusserklärung brachte er unter, was der Chefin wichtig ist.

G7 setzen Signal für Klimakonferenz in Paris

Darin nehmen sich die sieben größten Industriestaaten vor, den weltweiten Anstieg der Durchschnittstemperatur auf zwei Grad zu begrenzen. Ab 2020 sollen dafür jedes Jahr 100 Milliarden Dollar ausgegeben werden. Bis zum Ende des Jahrhunderts wollen sie aus der Kohleenergie aussteigen; und bis 2050 den Ausstieg der Treibhausgase um 40 bis 70 Prozent reduzieren. Für die Klimakonferenz im Dezember in Paris stellen sie konkrete und bindende Beiträge in Aussicht. Darauf habe gerade Frankreichs Präsident Francois Hollande „viel Wert“ gelegt, erzählt Merkel.

G7-Gipfel Wie man die Ziele erreicht, bleibt jedem Land überlassen. Japan, Großbritannien, Frankreich und die USA setzen etwa auf die Kernkraft. Der Atomausstieg sei „eine deutsche Entscheidung“.

Kampf gegen den Hunger ist ein G7-Thema

Merkel hat einen Ruf zu verteidigen: als „Klimakanzlerin“. Der Titel geht auf ihren ersten Gipfel 2007 in Heiligendamm zurück. Damals war es ein hartes Stück Arbeit. Die USA waren sperrig und der französische Präsident drohte, den Gipfel vorzeitig zu verlassen. Russlands Präsident Wladimir Putin gehörte damals dazu, auch er nicht pflegeleicht. Damals musste Merkel kämpfen und sich profilieren. In Elmau agierte sie hingegen wie eine Moderatorin.

Mit dem Klimaschutz löst Merkel das Motto des Gipfels ein: „An morgen denken. Gemeinsam handeln.“ Sie glaubt, dass die G7 sich daran messen lassen können. In Elmau hätten die G7 „sehr lange“ darüber gesprochen, welche Versprechen sie sich leisten können. Bis 2030 wollen sie die Zahl der Hungernden um 500 Millionen Menschen reduzieren.

Geschlossen gegen Russland

Ehrgeiziger als erwartet fiel auch der Plan aus, die Versicherungen für Bauern gegen die Folgen von Klimakatastrophen zu unterstützen. Bisher profitieren 100 Millionen Bauern vor allem in Afrika davon. Sie bekommen eine Entschädigung für Ernteausfälle. Künftig soll die Zahl der Nutznießer auf 400 Millionen steigen. Wichtig sei ihr auch gewesen, die Reaktionsfähigkeit auf den Ausbruch von Seuchen wie Ebola zu verbessern, dass Arzneien gegen tropische Krankheiten entwickelt werden und die Staatengemeinschaft etwas gegen die Antibiotika-Resistenzen unternimmt. Die Antibiotika sollen beim Menschen wie in der Tiermast verschreibungspflichtig werden.

G7-Gipfel Am Vorabend hatten sie vor allem über die Ukraine-Krise geredet. Die Sanktionen werden verlängert. Es herrscht Einigkeit darüber, dass man Russland die Krim-Annexion nicht durchgehen lassen kann. Die Ukraine dürfe nicht scheitern, heißt es immer wieder. Es herrscht Konsens darüber, dass der Konflikt nicht militärisch gelöst werden kann. Eine Frage der Haltung. Dazu gehört auch, dass die G7 zu schärferen Sanktionen bereit wären. Die Drohung liegt im Raum. Aber ist sie schon die ganze Strategie?

Generell hat die Bundeskanzlerin als Gastgeberin den Gipfel jedenfalls als sehr produktiv empfunden. Erleichtert wurde wahrgenommen, dass die großen Krawalle ausblieben. Den letzten Protestmarsch durch Garmisch-Partenkirchen sagte das Bündnis „Stop G7 Elmau“ gleich komplett ab, – „weil wir gestern schon so viel gelaufen sind“.