Frankreich will Deutschunterricht kürzen

Was wir bereits wissen
Frankreichs Bildungsministerin will alles, was nach Elite riecht, abschaffen. Dazu gehört auch Deutschunterricht. Die atmosphärische Verstimmung zwischen beiden Ländern scheint vorprogrammiert.

Paris..  Die Chancengleichheit liegt Frankreichs Bildungsministerin ganz besonders am Herzen. Kein Wunder, schließlich wäre die steile Karriere von Najad Vallaud-Belkacem ohne sie völlig undenkbar. Die 36-jährige Tochter marokkanischer Einwanderer ist eine Überfliegerin und gilt als politisches Ausnahmetalent. Alles, was nur im Entferntesten nach Elite riecht, ist ihr ein Gräuel. Wie das Deutsche, dem die Ministerin nun den Kampf angesagt hat.

Mit ihrer Reform der staatlichen Mittelschule, die alle Kinder von der 6. bis zur 9. Klasse besuchen, will Vallaud-Belkacem die zweisprachigen Klassen weitgehend abschaffen. Zur Disposition stehen auch die beliebten Europaklassen mit verstärktem Fremdsprachenangebot.

Das bringt der Ministerin reichlich Kritik ein. Der ehemalige Premierminister Jean Marc Ayrault, ein früherer Deutschlehrer, sieht in der Reform sogar eine „Gefahr für die deutsch-französischen Beziehungen der Zukunft“. Frankreichs rund 9000 Deutschlehrer befürchten einen „Todesstoß für den Deutschunterricht“. Wenn die Reform in Kraft tritt, so prophezeit deren Verbandsvorsitzende Thérèse Clerc, „werden sich noch deutlich weniger Kinder dafür entscheiden, Deutsch zu lernen“.

Auch Berlin ist alarmiert. „Wir sehen in der geplanten Reform die Gefahr einer atmosphärischen Beeinträchtigung unserer bilateralen Abkommen und Absprachen“, sagte die deutsche Botschafterin in Frankreich, Susanne Wasum-Rainer. Berlin fürchte „weitreichende negative Folgen“ bei Sprachdiplomen, für Städtepartnerschaften, Schüleraustausch und Programme des deutsch-französischen Jugendwerkes.