Frankreich in Schockstarre

Spezialisten sichern am Anschlagsort auf dem Gelände der Gasfabrik bei Lyon die Spuren des Attentats.Foto:Maxime Jegat/dpa
Spezialisten sichern am Anschlagsort auf dem Gelände der Gasfabrik bei Lyon die Spuren des Attentats.Foto:Maxime Jegat/dpa
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Was wir bereits wissen
Das Land steht seit langem im Fadenkreuz von Islamisten. Attentäter stand Salfisten nahe und war der Polizei bekannt. Er wurde zwei Jahre überwacht.

Sait-Quentin Fallavier/Paris..  Frankreich ist erneut in Schockstarre. Der Terroranschlag auf ein Werk für Industriegase in einem kleinen Ort bei Lyon führt den Menschen brutal vor Augen, wie akut die islamistische Bedrohung weiterhin ist. Keine sechs Monate nach „Charlie Hebdo“ ist der Horror zurück.

Das Werk in Saint-Quentin Fallavier war nicht durch besondere Maßnahmen geschützt. Doch hinter den Zäunen des Geländes verbirgt sich hochsensibles Material. Der Hersteller Air Products ist durch EU-Regelungen für Unfällen mit gefährlichen Stoffe erfasst. Nach dem Anschlag vom Freitag ordnete die Regierung für die Region erhöhte Sicherheitsvorkehrungen an.

Angriff auf Kirche vereitelt

Die beispiellose Terrorserie vom Januar ist den Menschen in Frankreich bis heute präsent. Beim Anschlag auf das religionskritische Satiremagazin „Charlie Hebdo“ starben in Paris zwölf Menschen, in den Tagen darauf wurde eine Polizistin erschossen, vier Menschen starben bei einer Geiselnahme in einem jüdischen Supermarkt. Die drei für die Attacken verantwortlichen Islamisten wurden erschossen. Im April vereitelte die Polizei einen Terrorangriff auf eine Kirche. Der mutmaßliche Täter soll Kontakte nach Syrien gehabt haben.

Viele Franzosen sind verunsichert, weil die Terroristen teils lange vor den Attacken bereits vom Netz der Fahnder erfasst waren. Die Mörder von „Charlie Hebdo“ waren den Ermittlern ebenso bekannt wie der Islamist im Supermarkt. Der verhinderte Kirchen-Attentäter stand ebenfalls in einschlägigen Akten.

Der nach dem Anschlag von Freitag festgenommene Mann ist den Terrorfahndern auch nicht unbekannt. Es handelt sich um den im Lyoner Großraum wohnhaften Yacine Sahil. Der 35-Jährige ist zwar nicht vorbestraft, wurde in der Vergangenheit aber wegen seiner Nähe zu salafistischen Kreisen vom französischen Inlandsgeheimdienst überprüft und von 2006 bis 2008 sogar überwacht. Seit sieben Jahren jedoch war der verheiratete Vater dreier Kinder nicht mehr auffällig geworden.

Einen zweiten Verdächtigen nahmen die Fahnder laut Informationen der Regionalpresse am frühen Nachmittag in seiner Wohnung in Saint-Quentin-Fallavier fest. Es soll sich um den Fahrer des Wagens handeln, mit dem die Attentäter in Gasfabrik eindrangen.

Bei dem Todesopfer handele es sich um den Chef einer kleinen Lieferfirma aus der Region, bei der Sahil angestellt war. Das Transportunternehmen hatte eine Zugangsgenehmigung zu der Fabrik. Der Mann wurde offenbar vor dem Anschlag von den Attentätern beim Raub seines Kleinlasters umgebracht und auf barbarische Weise enthauptet. Den Kopf entdeckten die Sicherheitskräfte aufgespießt auf einem Zaunpfeiler. Daneben hingen Flaggen mit arabischen Schriftzeichen.

Angreifer wurde überwältigt

Nach Angaben von Ermittlern zeigen Überwachungskameras, wie der 35-jährige Angreifer nach der Bluttat mit seinem Fahrzeug abgestellte Gasflaschen rammt und so eine Explosion auslöst. Bei dem Versuch, weitere Gasflaschen zur Explosion zu bringen, wird er von Feuerwehrleuten überwältigt.

Wegen seines internationalen Kampf gegen den Terror ist Frankreich seit Jahren im Fadenkreuz von Islamisten. In Mali kämpfen französische Truppen seit mehr als zwei Jahren gegen terroristische Rebellen im Norden des Landes. Auch in anderen afrikanischen Staaten sind französische Militärs deswegen im Einsatz. Im Norden Iraks fliegen französische Kampfjets an der Seite von US-Verbänden und anderen Verbündeten Einsätze gegen IS-Milizen und deren Stellungen.