Das aktuelle Wetter NRW 4°C

Gesetz

Frankreich hält an Internetsperre für Raubkopierer fest

11.06.2009 | 16:34 Uhr

Paris. Trotz der juristischen Niederlage soll es in Frankreich bald Internetsperren für Raubkopierer geben. Die Regierung will das umstrittene Gesetz so ändern, dass es verfassungsgemäß ist. Zuvor hatten die Verfassungsrichter das geplante Sperrgesetz in wesentlichen Punkten abgelehnt.

Trotz eines Vetos der Verfassungshüter will die französische Regierung an der umstrittenen Internetsperre für Raubkopierer festhalten. Das Gesetz werde so geändert, dass nicht mehr eine Behörde, sondern ein Richter über die Sperre entscheide, sagte Kulturministerin Christine Albanel am Donnerstag im Radiosender Europe 1. Der Verfassungsrat hatte am Mittwoch eine Sperre ohne richterliche Anordnung zurückgewiesen.

Nach dem französischen Gesetz hätte eine Kontrollstelle Raubkopierern zunächst Abmahnungen verschickt. Bei mehr als zwei Verstößen drohte die Sperrung des Anschlusses für bis zu einem Jahr; die Internet-Gebühren würden dabei weitergezahlt. Im Gegenzug für die verschärfte Verfolgung der Raubkopierer hatte sich die Musik- und Filmindustrie gegenüber Staatschef Nicolas Sarkozy verpflichtet, ihre Angebote künftig ohne Kopierschutz auf den Markt zu bringen.

Gericht: Gesetz untergräbt Unschuldsvermutung

Das französische Parlament hatte das umstrittene Gesetz nach monatelangem Hin und Her Mitte Mai beschlossen. Die oppositionellen Sozialisten waren darauf vor den Verfassungsrat gezogen. Dieser sieht die Sperre nun als so schweren Eingriff in die Kommunikationsfreiheit, das darüber nur ein Richter entscheiden dürfe. Die Verfassungshüter verwiesen zudem darauf, dass das Gesetz die Unschuldsvermutung untergrabe, weil der Besitzer des Anschlusses und nicht unbedingt der Raubkopierer bestraft werde. Der Anschlussinhaber müsse beweisen, dass er nicht illegal heruntergeladen habe. Diese Beweislastumkehr sei nicht verfassungsgemäß.

Trotz des Rückschlags seien «90 Prozent des Gesetzes» durch den Verfassungsrat gebilligt worden, sagte Albanel. Jetzt werde der Gesetzestext entweder sofort ohne die abgelehnten Bestimmungen in Kraft gesetzt und vom Parlament dann nachgebessert oder das Gesetz gehe nochmals als Ganzes ins Parlament. Darüber werde die Regierung zusammen mit Sarkozy entscheiden. (afp)

DerWesten

Facebook
 
Kommentare
08.03.2010
18:55
Frankreich hält an Internetsperre für Raubkopierer fest
von _:Brain_ | #2

Wer ohne Schuld ist, der werfe den ersten Stein!, so sprach Jesus Christus.

Dennoch flog ein Stein.

Jesus drehte sich um:

MAMA, also wirklich!

11.06.2009
14:04
Frankreich hält an Internetsperre für Raubkopierer fest
von ZettelEwald | #1

Dann haben die bald alle einen VPN Anbieter.....so einfach ist das.

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/376843/create

Umfrage
Die NRW-Landesregierung will junge Straftäter künftig erziehen statt wegsperren. Was sagen Sie dazu?

Die NRW-Landesregierung will junge Straftäter künftig erziehen statt wegsperren. Was sagen Sie dazu?

 
Neueste Aktivität
Aktuelle Fotos und Videos
Karnevalswagen 2012
Bildgalerie
Schlossgarten besetzt
Bildgalerie
Sakurai & Co.
Bildgalerie
1 Kommentare 1
OB Adolf Sauerland abgewählt
Bildgalerie
2 Kommentare 2
Aus dem Ressort
Sozialticket wird zum Knackpunkt für NRW-Landesregierung
Landtag
Im März dürfte es im Landtag in Düsseldorf spannend werden. Denn es ist nicht sicher, ob die Linke dann den Haushalt passieren lässt. Das dürfte im Kern von den zusätzlich geforderten 65 Millionen Euro für das Sozialticket abhängen. Die Linke will den Monatspreis auf 15 Euro drücken.
1 Kommentare 1
Unionspolitiker treten mit Kinderlosen-Abgabe Debatte los
Soziales
Mit ihrem Vorschlag, Kinderlose stärker zur Kasse zu bitten, haben die Unionspolitiker einen parteiübergreifenden Streit losgetreten. In der SPD ist man sich nicht einig und auch Merkels Machtwort verhallte.
14 Kommentare 14