Fraktionschef Steinmeier setzt sich bei Kanzlerkandidatur von SPD-Troika ab
27.07.2012 | 19:00 Uhr 2012-07-27T19:00:00+0200
Berlin. Im Rennen um die Kanzlerkandidatur will der SPD-Fraktionschef als erster ein Programm für Rot-Grün vorstellen. Auch das Schattenkabinett steht bereits in groben Zügen. Besonders auffällig: viele Frauen sollen in Ministerverantwortung kommen.
Der SPD steht vor schwierigen Personaldebatten mit Blick auf die Bundestagswahl: Während das Rennen um die Kanzlerkandidatur früher als erwartet in die heiße Phase geht, diskutiert die Partei intern schon übers Schattenkabinett – mit vielen Frauen im Team will die SPD der Kanzlerin Paroli bieten.
Freitag meldete sich Sigmar Gabriel per Twitter-Interview zu Wort, erst vor ein paar Tagen erregte er mit scharfer Banken-Schelte Aufsehen. So scheint der Parteichef derzeit Punkte zu machen gegenüber den Mitbewerbern um die Kanzlerkandidatur. Doch der Eindruck täuscht wohl. Das Ringen in der Troika um die Kandidatur wird zwar härter – aber vieles spricht dafür, dass dabei SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier bald eine Vorentscheidung zu seinen Gunsten herbeiführt.
Frauen sollen nach vorn
Mitte September plant er einen großen Aufschlag. Auf einem Zukunftskongress will Steinmeier die Grundzüge eines Regierungsprogramms vorlegen. „Wir formulieren das Angebot für eine rot-grüne Regierung“, so Steinmeier . Er ist der Partei damit weit voraus. Das offizielle SPD-Regierungsprogramm will die Parteiführung erst im Frühjahr diskutieren und Mitte 2013 beschließen. Steinmeier hat – mit Rückendeckung der Fraktion – die wichtigen Eckpfeiler dann längst eingeschlagen.
Dass der Aufschlag als Signal für eine Kandidatur verstanden wird, dafür sorgt auch der Entwurf der Tagesordnung: Peer Steinbrück darf ganze 15 Minuten, Sigmar Gabriel 30 Minuten reden - Steinmeier aber hält die wichtigste Rede, eine Dreiviertelstunde wird er die Politik der nächsten SPD-Regierung skizzieren.
Offiziell ist zwar noch geplant, den Merkel-Herausforderer erst nach der niedersächsischen Landtagswahl am 20. Januar 2013 auszurufen. Doch der Druck in der Partei, endlich einen Kandidaten zu benennen, wächst. „Der Effekt der Troika verbraucht sich“, sagt SPD-Vorstandsmitglied Ralf Stegner. Die Troika ist nicht mehr Ausdruck eines breiten Personalangebots , sondern Symbol einer Partei, die sich nicht traut. Aktuelle Umfragen belegen das: Die Mehrheit der Deutschen wünscht sich eine rasche Entscheidung.
Das Schattenkabinett
Steinmeier werden nun intern die größten Chancen eingeräumt: Der als Parteichef erfolgreiche Gabriel wäre von den Kandidaten am besten innerhalb der SPD, aber zu wenig bei den Bürgern zu vermitteln – bei Steinbrück sei es umgekehrt, heißt es unter führenden SPD-Politikern. Steinmeier aber genieße am ehesten sowohl bei den Bürgern als in der Partei Vertrauen. Aber: Neue Umfragen belegen, dass weder Steinmeier noch die anderen potenziellen Kandidaten derzeit im direkten Duell mit Merkel eine Chance hätten; NRW-Ministerpräsidentin Kraft, die noch die besten Aussichten hätte, hat abgewunken.
Deshalb richten sich Hoffnungen nun auch auf das SPD-Schattenkabinett. Es soll, das wäre neu, Gabriel zufolge mindestens zur Hälfte aus Frauen bestehen. Mit der Festlegung hat Gabriel schon eine interne Diskussion ausgelöst, wer auf die Liste kommt. Auch wenn endgültig erst der Kanzlerkandidat entscheidet, eine Reihe von Namen stehen praktisch fest: Zum Frauenflügel des Schattenkabinetts werden Generalsekretärin Andrea Nahles (Arbeit, Gesundheit oder Bildung) und Parteivize Aydan Özoguz (Familie oder Bildung) gehören, Parteivize Manuela Schwesig (Arbeit, Familie), voraussichtlich auch Fraktionsvize Elke Ferner (Gesundheit, Soziales) und Gesundheitsexpertin Carola Reimann (Gesundheit, Forschung). Die Mainzer Bildungsministerin Doris Ahnen ist für Bildung im Gespräch, Schatzmeisterin Barbara Hendricks wird mit anderen für das Finanzministerium genannt – in einer SPD-geführten Regierung wäre Steinbrück dafür aber erster Anwärter, wenn er nicht das Kanzleramt anstrebt.
Wowereit als Kulturstaatsminister
Umgekehrt käme für Steinmeier erneut das Außenministerium in Frage. Thomas Oppermann würde Innen- oder Justizminister oder Chef des Bundeskanzleramtes, Klaus Wowereit wird als Kultur-Staatsminister gehandelt, Fraktionsvize Gernot Erler als Verteidigungsminister, der SPD-Linke Karl Lauterbach wäre Anwärter für Gesundheit. Für Wirtschaft oder ein neues Energieressort sind der Erfurter Wirtschaftsminister Matthias Machnig und Fraktionsvize Hubertus Heil im Gespräch.
Dass Gabriel ein Ministeramt anstrebt, gilt als unwahrscheinlich. Er würde im Fall einer Regierungsbeteiligung mit dem Doppelamt von Partei- und Fraktionschef zum mächtigen Strippenzieher.

18:52
http://www.stuttmann.de/archiv3.php?id=4521
18:30
Eine christdemokratisierte SPD braucht niemand - außer Frau Merkel als Mehrheitsbeschaffer...
09:57
Reinkultur. Da frage ich mich, wie es sein konnte, das die SPD in NRW an die Macht gekommen ist? Das Frau Kraft auch keine Ahnung von etwas hat, hat Sie auch hinlänglich bewiesen.
Warum Frau Merkels wirken als besser eingestuft wird, kann ich mir nur so Erklären: Frau Merkel wird nicht mit der CDU in Verbindung gebracht. Egal was Sie als erstes anschiebt, sobald etwas Gegenwind herrscht, wird das sofort wieder vergraben oder anderweitig entsorgt (bestes Beispiel: die AKW Laufzeitenverlängerung, dann 6 Monate später die Rückkehr von der Rückkehr). Wird Sie dafür Verantwortlich gemacht? Nein!
Ob man die "Linken" wählen sollte oder nicht, kann und will ich hier nicht Beantworten (da sind mir einige der Linken auch nicht ganz Sauber).
Man kann eigentlich nur seinen persönlichen "Kreuz" Wählen, unter der man dann ächzen will.
PS: die SPD würde ich auch erst dann (wieder) wählen, wenn Sie die Fehler zwischen 1998-2005 rückgängig gemacht hat.
08:29
wenn sich einer von den dreien zur wahl stellt, dann kann frau merkel sich schon einmal zurück lehnen und den sekt kaltstellen, denn keiner von denen ist wählbar(incl. frau merkel)
einzige alternative die ich sehe, wäre frau kraft
20:16
#17-1:
Erstens habe ich noch den Anstand, Sie mit "Sie" anzusprechen. Zweitens bin ich kein Wähler der Union oder des "Witzfigurenkabinetts". Trotzdem halte ich Merkels Politik für besser, als die größere Ausverkaufspolitik von Rot-Grün.
13:08
Irgendwie sind die hiesigen Kommentare mit der angeblichen Beliebtheit von Steinbrück/meier, Gabriel und dem Reste-Seeheimer Kreis, genannt sPD, nicht in Einklang zu bringen...
10:39
Gut, daß sich Steinmeier absetzt. In Kanzler "Sigmar Gaabriel" ist weder den Deutschen, noch der Welt zu vermitteln.
09:38
Also ich glaube, daß in der SPD weder Wille noch Wunsch vorhanden sind, zu ihren über hundert Jahre alten Wurzeln zurückzukehren. Sie wird von dem von Schröder beschrittenen Weg in die neue, neoliberale Mitte nicht mehr abweichen. Denn nur dort finden sich genügend Lobbyisten, die dem Abgeordneten die richtigen Kontakte und nach seiner Parlamentszeit ein goldenes Leben mit sprudelnden Einnahmen vermitteln können. Dieser Weg ist wesentlich erfolgversprechender als der in die sozialen Brennpunkte zahlreicher Ruhrgebietsstädte.
Mir wird es jedenfalls nicht mehr passieren, daß ich bei der SPD mein Kreuzlein male. Das habe ich zum letzten Mal 1998 getan, und dafür schäme ich mich noch heute.
09:05
Sorry,
ist das nicht einer der ASozialdemokratischen Pappnasen, die geholfen haben die SPD an die 20% -Marke zu bringen.
Ob Kanzerler(in) Merkel oder Steinmeier,
die Lösungen, die die anbieten, haben uns seit Jahren weiter in den Dreck getrieben, wir brauchen moderne, soziale, demokratische Lösungen.
Da können wir solche Leute nicht gebrauchen!
Haltet die Augen offen und lauft nicht wieder ins offene Messer.
08:25
Steinmeier ist einfach der BESTE, .................. Außenminister in einer großen Koalition.
Das diese wieder kommen wird, sage ich mal ganz "FRECH" für 2013 voraus.
Denn für das politische Brett, das es in den nächsten Jahren zu bohren gilt, sind Grüne, Linke und vor allem die Piraten viel zu kleine und unberechenbare Leuchten.