Fluggesellschaften führen Zwei-Personen-Regel ein

Ab sofort sollen sich immer zwei Personen im Cockpit aufhalten.
Ab sofort sollen sich immer zwei Personen im Cockpit aufhalten.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
In den USA ist es schon seit langem Vorschrift. Jetzt verschärfen auch deutsche Fluggesellschaften die Vorschriften und führen die Regelung ein, dass sich immer zwei Personen im Cockpit befinden müssen. Weltweit ziehen viele Airlines nach.

Nach bisherigen Erkenntnissen hatte der Copilot seinen Flugkapitän aus dem Cockpit ausgesperrt und den Airbus in den Sinkflug gebracht. Hätte die Zwei-Personen-Regel den tragischen Absturz verhindern können? In den USA ist es seit langem Vorschrift, dass zu jeder Zeit mindestens zwei Personen im Cockpit sein müssen. Auch der irische „Billigflieger“ Ryanair verfährt bereits nach dieser Regel.

Die deutsche Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit ist skeptisch. Zwar könne das „Vier-Augen-Prinzip“ eine erste Maßnahme sein, auf die Gefahr zu reagieren. Doch noch „fehlen viele Teile in dem Absturz-Puzzle“, sagt Markus Wahl, Sprecher der Pilotengewerkschaft, unserer Redaktion.

Auch sieht er die Gefahr, dass dadurch unter den Crew-Mitgliedern ein Grundmisstrauen entstehen könnte. „Jahrzehnte der Fliegerei haben gezeigt, dass die Besatzung ein Garant für die Sicherheit ist, nicht ein Risiko.“

Zudem stelle sich die Frage, ob eine Flugbegleiterin oder ein Flugbegleiter im Cockpit einen mutwillig eingeleiteten Absturz verhindern könne. Erst nach Abschluss aller Untersuchungen sollten Behörden, Fluggesellschaften und Piloten sinnvolle Verfahren erarbeiten, um solche Tragödien in Zukunft zu verhindern.

Weltweit strengere Regeln

So lange aber wollte der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) offensichtlich nicht warten. „Ab sofort gilt die Zwei-Personen-Regel“ für die großen deutschen Airlines, sagte BDL-Sprecherin Christine Kolmar. Darauf hätten sich die Fluggesellschaften mit dem Bundesverkehrsminister und dem Luftfahrt-Bundesamt geeinigt. „Das neue vorläufige Verfahren sieht vor, dass immer zwei autorisierte Personen im Cockpit sein müssen.“

Nach dem Regelwerk der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA) reicht es aus, wenn ein Pilot im Cockpit bleibt. Die Fluggesellschaften können selbst entscheiden, ob sie strengere Vorschriften erlassen. Weder bei der Lufthansa noch bei Germanwings galt bisher die Regel, dass immer zwei Personen in der Pilotenkanzel sein müssen.

Bis Donnerstag sah Lufthansa-Chef Carsten Spohr auch noch keinen Grund dafür, dies zu ändern. Nach den neuesten Erkenntnissen folgte der rasche Sinneswandel. Man habe mit allen anderen großen deutschen Airlines entschieden, so Spohr, mit den Behörden zu diskutieren, „ob es kurzfristige Maßnahmen geben kann, die die Sicherheit weiter erhöhen“.

Weltweit werden Regeln verschärft

Aus Sorge um die Sicherheit verschärfen auch weltweit die Fluggesellschaften die Regeln. In Großbritannien muss nun bei Virgin Atlantic, Easyjet, Monarch und Thomas Cook ein Mitglied der Kabinenbesatzung einen kurzzeitig abwesenden Piloten vertreten.

Bei Air France werde das Thema diskutiert. Australien überprüft die Regeln, nachdem die Regierung Informationen zu den Abläufen im Cockpit anforderte. Auch Air Baltic, Norwegian und Air Canada führen die „Two-Person-Rule“ ein.