„Flüchtlingsdorf Ruhrgebiet“ ist bald fertig

Essen/Erbil..  Sie haben Glück gehabt, bis jetzt. Noch hat die Terrormiliz „Islamischer Staat“ nicht die große Offensive gegen die irakischen Kurdengebiete begonnen, die Militärs und Politiker im Fastenmonat Ramadan erwartet haben. Es ist ruhig an den Frontabschnitten in Gwer, Makhmour, Kirkuk, nur in der früheren Jesiden-Hochburg Sindschar nordöstlich der Millionenstadt und IS-Hochburg Mossul wird sporadisch gekämpft.

Die Terroristen konzentrieren sich derzeit auf die syrischen Kurdengebiete, wo sie vor wenigen Tagen das in Trümmern liegende Kobane attackierten und Hunderte Zivilisten massakrierten. Die militärisch stabile Lage ist das eine, das andere ist die Situation der Hunderttausenden Flüchtlinge, die sich vor der Gewalt nach Irakisch-Kurdistan gerettet haben, besonders die der Jesiden, deren Siedlungsgebiete im Sommer vergangenen Jahres vom IS überrannt wurden. „Vielen geht es immer noch dramatisch schlecht“, sagt Sheikh Shamo. Er ist jesidischer Abgeordneter im kurdischen Regionalparlament und erzählt, dass noch immer viele Flüchtlinge unter menschenunwürdigen Bedingungen leben. In Rohbauten, Zelten, einige sogar noch immer unter freiem Himmel im Sindschar-Gebiet. In einer Region, in der es im Sommer weit über 40 Grad und im Winter bitterkalt und regnerisch wird, ist das lebensgefährlich. „Die Befreiung ihrer Heimat dauert leider viel länger als eigentlich gedacht“, sagt Sheikh Shamo.

Befreiung der Heimat dauert länger

70 Prozent der Stadt Sindschar werden noch immer von den Terroristen gehalten. Zudem fließt die internationale Hilfe spärlicher. Einige jesidische Flüchtlingsfamilien werden bald unter besseren Umständen leben können. In einem Flüchtlingsdorf, das gerade in der Nähe der Stadt Sheikhan errichtet wird, dank Spenden aus Nordrhein-Westfalen: Das „Flüchtlingsdorf Ruhrgebiet“. Initiiert hat es der Bochumer Landtagsabgeordnete Serdar Yüksel, realisiert wird es in einer Kooperation zwischen der kurdischen Provinzregierung von Dohuk und der „Caritas-Flüchtlingshilfe Essen“. Die Flüchtlingshilfe ist ein Verein, der aus der großen NRZ/WAZ/WR-Hilfsaktion für die syrischen und irakischen Kriegsflüchtlinge entstanden ist, mit der in den vergangenen zwei Jahren Tausende Menschen mit Kleidung und Nahrung unterstützt wurden. Bis jetzt konnten dank der Spenden von Lesern, Städten, Unternehmen, Kirchengemeinden und Politikern (darunter auch NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft) 40 Wohncontainer gebaut werden, die Platz für 80 Familien bieten. Jeder dieser etwa 30 Quadratmeter großen Wohncontainer hat zwei Wohnräume, ein Bad und eine Küche und kostet 5000 Dollar. „Das große Ziel ist es, 100 Wohncontainer bauen zu können“, sagt Yüksel.

Weil die irakische Zentralregierung den Kurden seit Monaten die ihnen zustehenden Anteile aus Ölgeschäften vorenthält, stockte das Projekt einige Zeit. Jetzt hat die Provinzregierung mit der Erschließung des Geländes begonnen. In den kommenden vier Wochen soll das Flüchtlingsdorf bezugsfertig sein. „Wir sind euch Deutschen sehr, sehr dankbar“, sagt Sheikh Shamo.