Flüchtlings-Skandal weitet sich aus

Burbach/Arnsberg/Hannover..  Nach den Übergriffen auf Flüchtlinge in einer Notunterkunft in Burbach im Siegerland ermittelt die Staatsanwaltschaft inzwischen gegen mehr als 50 Beschuldigte. Auch Mitarbeiter von Behörden geraten in den Fokus. Es sei eine Vielzahl möglicher Straftaten ans Licht gekommen, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Siegen gestern. „Wir ermitteln wegen Freiheitsberaubung, Körperverletzung und Nötigung.“

Zu den Übergriffen in der Notunterkunft in Burbach soll es von September 2013 bis September 2014 gekommen sein. Am 28. September vergangenen Jahres waren die Bilder eines misshandelten Algeriers aus Burbach um die Welt gegangen. Der Flüchtling lag gefesselt mit dem Gesicht nach unten auf dem Boden und hatte den Fuß eines Wachmannes im Nacken.

Unter dem Anfangsverdacht, von den Misshandlungen der Flüchtlinge gewusst und sie geduldet zu haben, stehen auch zwei Mitarbeiter der Bezirksregierung Arnsberg. Die Staatsanwaltschaft Siegen und die Sonderkommission „Heim“ des Polizeipräsidiums Hagen ermitteln gegen sie wegen Freiheitsberaubung und Nötigung durch Unterlassen. Mit Flüchtlingen haben sie mittlerweile nichts mehr zu tun. „Sie sind versetzt worden“, sagt Christoph Söbbeler, Sprecher der Bezirksregierung.

Zum Personenkreis gehören auch zwei Polizisten, Beschäftigte des ehemaligen Wachdienstpersonals, von der Firma European Homecare eingesetzte Sozialbetreuer, der frühere Heimleiter und weitere Verantwortliche dieser Firma, die Flüchtlingsunterkünfte betreibt. Der Abschluss der Ermittlungen und eine Anklageerhebung ist, so der Siegener Oberstaatsanwalt Johannes Daheim, „nicht in Sicht“.

Schwere Vorwürfe werden auch gegen einen Bundespolizisten aus Hannover erhoben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ihn wegen der Misshandlung von Flüchtlingen im Polizeigewahrsam. Der 39-Jährige soll in mindestens zwei Fällen inhaftierte Männer aus Afghanistan und Marokko gequält und gedemütigt haben. Ob es weitere Fälle oder weitere Täter gebe, sei noch offen.