Flüchtlinge harren seit Wochen auf dem Meer aus

Jakarta..  Rund 8000 Bootsflüchtlinge warten nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) derzeit auf den Meeren in Südostasien auf Rettung. Viele gehören der muslimischen Minderheit der Rohingya an, die im mehrheitlich buddhistischen Myanmar diskriminiert und verfolgt wird. Aber auch Menschen aus Bangladesch, die Arbeit suchen, sind darunter.

Warum weisen Thailand, Indonesien und Malaysia diese Menschen ab?

Die Länder betrachten die Flüchtlinge als illegale Einwanderer. Würden sie aufgenommen, sei ein Ansturm von vielen Tausenden weiteren Menschen zu befürchten, lautet das Argument. Deshalb erklärten sich die Regierungen in Bangkok, Jakarta und Kuala Lumpur zwar bereit, die Flüchtlinge mit Wasser und Lebensmitteln zu versorgen, weigern sich aber, sie an Land gehen zu lassen. Dies wird nur in Ausnahmefällen erlaubt, etwa, wenn ein Boot zu sinken droht. Andernfalls werden die Boote wieder aufs offene Meer geschleppt.

Wie lange sind die Flüchtlinge bereits auf dem Meer unterwegs?

Nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) harren die Menschen seit Wochen in den Booten aus, viele sogar seit mehr als zwei Monaten. Die Route der Überfahrten führt oftmals von Myanmar nach Malaysia oder Indonesien, mit Thailand als Zwischenetappe. Nach einer Razzia der Sicherheitskräfte dort hatten Menschenschmuggler die Flucht ergriffen und zahlreiche Flüchtlinge einfach in den Booten im Golf von Bengalen ihrem Schicksal überlassen.

Wie können die Flüchtlinge die Überfahrt überleben?

Obwohl die Menschen in den Booten etwas Wasser und einige Lebensmittel erhalten, schwinden ihre Vorräte. Der Vorsitzende von Human Rights Watch (HRW), Kenneth Roth, berichtete, die thailändische Marine habe einige Boote mit Hilfsgütern aus der Luft versorgt. Die Pakete seien aber im Meer gelandet, so dass die Flüchtlinge gezwungen gewesen seien, ins Wasser zu springen, um sie sich zu holen.

Was schlagen Politiker vor?

Thailand hat zu einer Konferenz mit den betroffenen Staaten aufgerufen. Myanmar lehnt dies aber ab. Der thailändische Regierungschef, Putschführer Prayuth Chan-ocha, hat die Möglichkeit von Aufnahmelagern ins Spiel gebracht. Dort könnten die Rohingya vor einer Abschiebung übergangsweise bleiben. Dazu brauche Thailand aber die Hilfe der internationalen Gemeinschaft. Ein Minister der Regierung Malaysias schlug vor, die Vereinten Nationen sollten die Flüchtlinge nach Kambodscha oder auf die Philippinen bringen, denn diese hätten im Gegensatz zu seinem Land die Genfer Flüchtlingskonvention von 1951 unterzeichnet.

Welche Lösungen sind denkbar?

Nach Angaben von Joe Lowry, Sprecher der IOM in Asien, würden Kurzzeit-Visa sofort wirken. Denkbar seien Arbeitsmöglichkeiten für Saisonarbeiter, sagte er dem Deutschlandfunk. So könnten die Menschen für ihre Familien zu Hause Geld verdienen, ohne für immer oder illegal auszuwandern.