FDP wird zur neuen Wohlfühlpartei
06.11.2009 | 14:10 Uhr 2009-11-06T14:10:00+0100
Essen. Angst muss vor der FDP keiner mehr haben. Das Steuerthema zeigt: Volksbeglückung rangiert bei den Liberalen vor Realitätssinn. Auch Guido Westerwelle will einfach nur gemocht werden.
Einen Popanz definiert das Lexikon als Schreckgestalt, als Strohpuppe, idealtypisch bekannt bei der Vogelscheuche. Ein Popanz soll abschrecken, indem der Betrachter an eine Gefahr glaubt, ohne dass es diese Gefahr wirklich gäbe. So gesehen ist die FDP der größte Popanz, der in der Politik aufgebaut wurde.
Lange geisterte ein neoliberales Schreckgespenst durch die Gegend. Es erinnerte ein wenig an den „schwarzen Mann", durch dessen bloße Anrufung Kindern früher ordentlich Angst gemacht wurde. In letzter Zeit trug dieser Mann Gelb. Doch nach Vorlage des Koalitionsvertrages und nach Beginn des Regierungshandelns zeigt sich, wie übertrieben die Sorgen waren. Was zum Vorschein kommt, ist eine weichgespülte FDP, die es bei der vermeintlich kostenlosen Volksbeglückung mühelos mit den anderen Parteien aufnehmen kann.
Lambsdorff warnt vor "Schuldenrausch"
Ein Beispiel dafür sind die Steuersenkungen, die die FDP gemäß ihrer übertriebenen Wahlversprechen durchsetzte. Nicht, dass man denjenigen Bürgern, die nennenswert Steuern zahlen und in der Regel leistungsbereite Lastenträger des Gemeinwesens sind, keine Reduzierung gönnen würde. Eine wahrhaft liberale Partei hätte sich jedoch der Mühe unterzogen, erst nach Sparmöglichkeiten bei den staatlichen Ausgaben zu suchen, um so das Pferd von der richtigen Seite aufzuzäumen.
Geld unters Volk werfen, das man nicht hat, um dem selben Volk zu einem späteren Zeitpunkt die Rechnung zu präsentieren – dafür hätte es wirklich nicht die FDP gebraucht. Ein Liberaler vom alten Schlag wie Otto Graf Lambsdorff hat sein Unbehagen jüngst öffentlich gemacht und vor einem „Schuldenrausch" gewarnt, gleichzeitig aber auf Lerneffekte gesetzt: „Korrekturen" seien möglich.
Wie es aussieht, zwingt die neue Steuerschätzung zum Umdenken, und schon vor Tagen hat Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble – kein Feind wirtschaftsliberalen Denkens – auch die Steuerreform de facto abgesagt. Von Protesten der FDP war anschließend nichts mehr zu hören. Entweder war das Wahlversprechen so ernst nicht gemeint. Oder Lambsdorffs Realitäts-Appell wirkt bereits.
"Keine soziale Gefahr"
Für den Wandel der FDP zur Wohlfühlpartei gibt es neben nicht einlösbaren Wahlversprechen noch andere Indizien. Mehrere Aussagen Guido Westerwelles, der beteuerte, „keine soziale Gefahr" zu sein, machen deutlich: Dem Mann fehlt offenbar inzwischen die Standfestigkeit, das Sprachrohr einer Minderheit zu sein, die in der sozialstaatlichen Praxis – jedenfalls auch – deutliche Entmündigungs-Gefahren sieht. Auch die FDP will wärmer rüberkommen, wird Teil einer Regierung, die an der Staatsräson des Sozialen keinen Zweifel lässt.
Einen Fingerzeig, in welche Richtung es geht, liefert die Benennung von Philipp Rösler zum Bundesgesundheitsminister. Der aufsteigender Stern der FDP hat schon vor geraumer Zeit einen Mangel an Gefühlen und sozialstaatlichem Denken bei der FDP ausgemacht und Abhilfe verlangt. Man darf gespannt sein, welche Art von Gesundheitsreform unter Röslers Regie kommen wird. CSU-Chef Horst Seehofer und NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers glauben ziemlich unverhohlen: gar keine. Ob die FDP eingedenk wachsender inhaltlicher Beliebigkeit die Kraft hat, solche Widerstände zu überwinden, ist zu bezweifeln.
Zum Mangel an Reformkonzepten gesellt sich der Rückfall in die alte Gewohnheit, Klientelpolitik über den Wettbewerb zu stellen. So wurden die traditionellen Apotheker im Koalitionsvertrag von der Konkurrenz des Versandhandels befreit. Hier hätte man sich von der FDP durchaus etwas mehr Neoliberalismus vorstellen können.
Wenn die Regierung also schon keine wirkliche Leitidee hat, dann befördert sie aber vielleicht dies: Die Liberalen bringen das Projekt der Sozialdemokratisierung der deutschen Parteienlandschaft zum Abschluss. Ein Triumph des politischen Herdentriebs.

01:38
Oh jopi,
das wird die Moderation aber nicht gerne lesen...
01:14
Gute Nacht.
01:10
Ich bin schon ganz scharf auf die Röslersche Kopfpauschale. Was hat denn Krankheit mit Einkommen zu tun? Lasst uns alle gleich sein... Egalite. Zumindest beim Krankenkassenbeitrag. Nicht bei den Ärzten und Krankenhäusern. Nein, nein. Und nicht beim Einkommen. Auf keinen Fall. Da muss die Schere so richtig groooß sein.
Weiter so Deutschland. Und das € in den Augen der Parteiideologen und Lobbyisten-Profiteure wird immer größer.
Aber zur Wahrheit gehört auch: Wer sollte es denn richten. Clement, Schröder, Münte & Cie., also die schlimmsten Leiharbeitförderer, Billiglöhner-Produzenten, Heuschrecken-Zulasser, Armutsbeschleuniger, SPD-Verräter vielleicht? Die Brutal-Kapitalisten mit der Sozen-Maske? Nix zu sehen im armen Deutschland.
00:54
Das Wohlfühlen klappt natürlich nur, wenn es keine Mindestlöhne gibt. Dann wirds so richtig kuschelig. Ja, auch ich habe mal die FDP gewählt. Aber da wars noch keine Klientel-Partei. Namen wie Genscher, Baum, Hirsch und die Grand Dame versprachen und hielten Qualität. Den gräflichen Straftäter wollen wir mal vergessen.
00:46
Ich hatte noch die Finanz-Transaktionssteuer bei Börsenumsätzen vergessen, die es dank der Freien Ausbeuter- und Schmarotzerpartei Deutschlands nicht geben soll. Klasse.
00:43
Stimmt: Die FDP wird zur neuen Wohlfühlpartei... für das FDP-Klientel mit seinen Geldsäcken. Auch ich profitiere davon, wenn die Erbschaftssteuer gesenkt wird und es keine Vermögenssteuer gibt. Vom Steuer-Stufenplan ganz abgesehen. Wohin mit der Kohle? Klar spenden. Und der Rest? Luxemburg oder doch besser Kanalinseln?
Ich bin zutiefst beschämt. Ich habe es nicht nötig, auf Kosten der schlechter gestellten Menschen besser dazustehen! Freie Ausbeuter- und Schmarotzerpartei. Pfui Teufel.
Und das Gewissen Deutschlands (Kirchen, Literaten, Humanisten, Presse u.a.m.) schaut fast lautlos zu.
05:18
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09:30
Mich haben die Horror-Märchen von dem Sozialabbau durch Schwarz-Gelb nie besonders beeindruckt. Immerhin war die Regierung Kohl sozialer als die Regierung Schröder. Die CDU/CSU kann es sich auch nicht leisten, die Masse der Arbeitenden und Rentner zu verärgern und die FDP muss da mitmachen. Als nächstes werden die Bundesländer und Schäuble die Steuersenkungsreform einkassieren, und aus der Kopfpauschale im Gesundheitswesen wird aucn nichts werden.
21:22
Ein Liberaler vom alten Schlag wie Otto Graf Lambsdorff.....
In einer Reihe mit Menschen vom Schlag Hartz oder Zumwinkel .
Hauptsache der persönliche Besitzstand bleibt gewahrt.
Die Nackenhaare sträuben sich wenn man mitbekommt dass diese Sorte Mensch offenbar auch noch eine Fangemeinde hat .
21:07
FDP wird zur neuen Wohlfühlpartei
Die werden nach der Wahl in NRW zur UNWOHLPARTEI in Deutschland...