Das aktuelle Wetter NRW 20°C
Gesundheit

FDP und Union stärken private Krankenkassen

16.10.2009 | 17:48 Uhr
FDP und Union stärken private Krankenkassen

Berlin. FDP und Union drehen einen Teil der Gesundheitsreform zurück: Sie wollen die dreijährige Wartefrist wieder abschaffen, nach der Gutverdienende zu einer Privatkasse wechseln dürfen. Die Frist sollte die Abwanderung aus den gesetzlichen Kassen bremsen. Auch ein Pflege-Riester ist geplant.

Der Wechsel von der gesetzlichen in die private Krankenversicherung soll wieder einfacher werden. Union und FDP seien sich einig, die 2007 eingeführte dreijährige Wartefrist wieder abzuschaffen, erfuhr die Nachrichtenagentur AP am Freitag aus den Koalitionsverhandlungen.

Die SPD hatte die jetzt geltende Regelung in der Großen Koalition durchgesetzt, um die Abwanderung von Gutverdienern in die private Krankenversicherung zu bremsen. Demnach muss man drei Jahre hintereinander ein Jahreseinkommen über der Pflichtversicherungsgrenze von derzeit 48.600 Euro erzielen, bevor man von der gesetzlichen in die Privatversicherung wechseln kann. Die PKV war dagegen Sturm gelaufen.

Finanzierungsfragen offen

Beim Thema Pflegeversicherung einigten sich die künftigen Koalitionspartner nach einem Bericht des «Kölner Stadt-Anzeigers» auf den Einstieg in eine «kapitalgedeckte zweite Säule». Anders als bei der Riester-Rente solle die private Absicherung verbindlich eingeführt werden.

Eine Einigung zeichne sich auch in der Frage ab, wie das für 2010 prognostizierte Defizit der gesetzlichen Krankenversicherung in Höhe von 7,5 Milliarden Euro ausgeglichen werden könnte. Neben zusätzlichen Bundeszuschüssen in Höhe von 4,7 Milliarden Euro sollen die Krankenkassen in Eigenregie prozentuale, am versicherungspflichtigen Einkommen bemessene Zusatzbeiträge erheben können.

In der Praxis liefe dies auf eine Erhöhung des sogenannten Sonderbeitrags von 0,9 Prozent hinaus, den Versicherte schon jetzt ohne Zuschuss ihres Arbeitgebers alleine zahlen.

Die Idee kursiert schon seit Tagen. Eine offizielle Einigung über die Zukunft des Gesundheitsfonds und die Kassenfinanzen hatten die Fachleute von Union und FDP in der Nacht zum Freitag aber nicht erzielt.

«Grundsätzliche Unterschiede»

Der bayerische Gesundheitsminister Markus Söder (CSU) sagte, es gebe bei der Finanzierung grundsätzliche Unterschiede zwischen Union und FDP. Aus Verhandlungskreisen hieß es, Knackpunkte seien unter anderen der Einstieg in eine individuelle Prämie als Ergänzung des Krankenkassenbeitrags sowie die von der CSU gewünschte «Regionalisierung» des Gesundheitsfonds.

Verbliebene Konflikte müssen in der großen Verhandlungsrunde gelöst werden, die seit dem Nachmittag tagt. Union und FDP haben bereits öffentlich betont, dass die Lohnnebenkosten für die Arbeitgeber nicht steigen sollen. Damit wird es wahrscheinlicher, dass die Kassenmitglieder mehr alleine aus eigener Tasche zahlen müssen. (ap)

DerWesten

Facebook
 
Kommentare
21.10.2009
11:07
Blockierter Kommentar.
von Marcus Heinrich Rohner | #15

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

19.10.2009
17:10
FDP und Union stärken private Krankenkassen
von nichtübersehen | #14

Bei allen Kürzungen, Zuzahlungen und Zumutungen frage ich mich, warum ich noch in die GKV einzahle? Sie ist das Wort Versicherung gar nicht mehr wert. Viel zahlen, wenig bekommen, aber Abzocke von vielen. Ich könnte kotzen. Wo auf der Welt bekommt man für eine Leistung keine Rechnung???

17.10.2009
17:32
FDP und Union stärken private Krankenkassen
von zula | #13

#8
Vll mal auf die Pharmaindustrie schauen.
In dieseer Richtung gäbe es reichlich einsparpotential.

16.10.2009
21:37
FDP und Union stärken private Krankenkassen
von dasKollektiv | #12

Union und FDP haben bereits öffentlich betont, dass die Lohnnebenkosten für die Arbeitgeber nicht steigen sollen. Damit wird es wahrscheinlicher, dass die Kassenmitglieder mehr alleine aus eigener Tasche zahlen müssen.

16.10.2009
21:36
FDP und Union stärken private Krankenkassen
von Steeleye Span | #11

Das Einfrieren des, angeblich beschäftigungssichernden,
Arbeitgeberanteils war ein Fehler .

16.10.2009
21:03
FDP und Union stärken private Krankenkassen
von halali01 | #10

@7 von kritiker:Wenn unsere politischen Geistesgrößen darauf schon seit Jahren keine Antwort finden,dann ist von den hier anwesenden Experten bestimmt niemand in der Lage,geeignete Vorschläge zu unterbreiten.Schönes Wochenende.

16.10.2009
20:41
FDP und Union stärken private Krankenkassen
von kritiker | #9

Kann vielleicht einer von den hier anwesenden Experten einen Vorschlag machen, wie die GKV auf die Dauer zu finanzieren ist, und zwar ohne Beitragserhöhungen und ohne Zuschüsse (= Steuergelder) vom Staat?

16.10.2009
20:17
FDP und Union stärken private Krankenkassen
von Banjoboy10 | #8

Nach der NRW-Wahl wird es noch viel schlimmer.

16.10.2009
19:54
FDP und Union stärken private Krankenkassen
von Stefan.S | #7

Die deutsche Wählerschaft wird sich bald noch wünschen, dass Ulla Schmidt noch Ministerin wäre! Die meisten Normalverdiener sind entweder nicht wählen gegangen, oder haben die Linke gewählt Also sollen gerade die lieber den Mund halten!
Aber jeder bekommt das was er verdient!

16.10.2009
19:43
FDP und Union stärken private Krankenkassen
von Nurnochwundern | #6

Na da werden für die GKV Versicherten bald wieder die großen 20 Personen Krankensäale kommen . Wo man dann noch mehr krank als gesund rauskommt. DIe Lobbyisten der FDP haben sich mal wieder durchgesetzt und das war nicht der letzte Streich damit es den normal Verdienern noch schlechter gehen wird.

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/17449/create

Umfrage
Bürger sollen künftig häufiger gefragt werden, ob sie zu einer Organspende bereit wären. Können Sie sich vorstellen, Organspender zu werden?
 
Aktuelle Fotos und Videos
Karikatur vom Tage
Bildgalerie
Fotostrecke
Norbert Röttgen - Aufstieg und Fall
Bildgalerie
Rücktritt
David McAllister geht "baden"
Bildgalerie
Boot kentert
Triumph der Sozialisten
Bildgalerie
Frankreich
Aus dem Ressort
Ramsauer will Punktesystem in Flensburg noch verschärfen
Verkehr
Wer sich unerlaubt vom Unfallort entfernt oder andere durch zu nahes Auffahren nötigt, soll im neuen Verkehrssünder-System mit drei Punkten in Flensburg bestraft werden. Das plant Bundesverkehrsminister Ramsauer. Er will die Reform der Verkehrssünder-Datei nach Bürgerbefragungen verschärfen.
Iran will ein zweites Atomkraftwerk bauen
Kernkraft
Der Iran will ein neues Atomkraftwerk bauen. Mit dem Bau soll nach Medienberichten möglicherweise in einem oder zwei Jahren begonnen werden. Der Westen verdächtigt den Iran, den Bau von Atomwaffen anzustreben. Das Land weist die Vorwürfe zurück.