Fast jedes fünfte Kind lebt mittlerweile von Hartz IV

Viele Kinder müssen mittlerweile von Hartz IV leben. Experten fordern, dass sie besser unterstützt werden.
Viele Kinder müssen mittlerweile von Hartz IV leben. Experten fordern, dass sie besser unterstützt werden.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Bundesweit leben mehr als eine Million Kinder von Hartz IV, besonders viele im Revier. Leichter Anstieg in 2014. Experten fordern mehr Unterstützung.

An Rhein und Ruhr.. Bundesweit waren im Dezember 2014 rund 1,634 Millionen Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren auf Hartz IV angewiesen – 13.000 mehr als im Jahr zuvor. Das hat jetzt das Bremer Institut für Arbeitsmarktforschung und Jugendberufshilfe bei einer Auswertung von Zahlen der Arbeitsagentur ermittelt. In Nordrhein-Westfalen lebten 445 500 Mädchen und Jungen in Hartz-IV-Haushalten, sogenannten „Bedarfsgemeinschaften“. Das waren 9180 mehr als im Vorjahr. Fast jedes fünfte Kind, fast jeder fünfte Jugendliche aus dieser Arbeitsgruppe ist damit auf diese Form der staatlichen Hilfe angewiesen (19%).

Sozialexperten sehen die Politik dringend gefordert. „Man kann sich ja jetzt mal die Abi-Quoten anschauen und prüfen, wie viele Kinder aus benachteiligten Familien dabei sind“, meint Martin Debener vom Wohlfahrtsverband Der Paritätische in NRW. Kinder aus Familien, die Hartz IV beziehen, seien bei der Bildung benachteiligt.

Soziales Teilhabepaket "zu bürokratisch"

Die gesundheitliche Versorgung sei ein Problem und zunehmend auch die Wohnsituation. In den Städten gebe es da eine Konkurrenz, weil immer mehr auch Wohnraum in diesem Segment für Flüchtlinge benötigt werde.

Das Bildungs- und Teilhabepaket, das den Kindern z. B. die Mitgliedschaft in einem Sportverein oder aber auch ein Schulmittagessen sichern soll, kritisierte Debener gestern gegenüber unserer Redaktion als zu bürokratisch: „Es funktioniert nicht. Statt Anträge stellen zu müssen, sollten die Kinder einen gesetzlichen Anspruch auf Teilhabe haben.“

Große Unterschiede

In NRW leben im Vergleich des Bremer Instituts zufolge mittlerweile mehr Unter-15-Jährige in Bedarfsgemeinschaften als in Thüringen, Sachsen oder Brandenburg. Von Kommune zu Kommune gibt es allerdings in NRW auch teilweise große Unterschiede. Vor allem in den Großstädten des Ruhrgebietes ist der Anteil hoch – etwa in Essen. Dort leben 22 960 unter 15-Jährige von Hartz IV. Das ist ziemlich genau jedes dritte Kind und jeder dritte Jugendliche dieser Altersgruppe in der Stadt (32,4%). Der Hartz-IV-Regelsatz für Kinder und Jugendliche ist gestaffelt, liegt je nach Alter zwischen 234 und 302 Euro im Monat. Einem alleinstehenden Erwachsenen stehen 399 Euro zu.

Weitere Zahlen aus der Rhein-Ruhr-Region: Duisburg 18.775 unter 15-Jährige (28,7% der Kinder und Jugendlichen dieser Altersgruppe in der Stadt), Düsseldorf 16 651 (21,7%), Mülheim 5452 (26,2%), Oberhausen 7389 (28,6%), Kleve 5469 (13,1%) und Wesel 9343 (16,3%).