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Fast 400 Häftlinge in neun Monaten in NRW "getürmt"

11.04.2013 | 18:42 Uhr
Fast 400 Häftlinge in neun Monaten in NRW "getürmt"
Nach Angaben des Innenministeriums gab es seit Juli 2012 149 klassische Ausbrüche. Dazu kommen 229 Verurteilte, die zum Beispiel nach Besuchen bei der Familie nicht zurückgekehrt sind. Foto: dpa

Düsseldorf.   Zwischen Juli 2012 bis März 2013 sind in NRW fast 400 Häftlinge geflüchtet oder nicht ins Gefängnis zurückgekehrt. Die Zahl geht aus einem Bericht des nordrhein-westfälischen Innenministers hervor. Im Düsseldorfer Landtag lösen die Zahlen Unruhe aus.

In den letzten neun Monaten sind in Nordrhein-Westfalen fast 400 Strafgefangene entweder geflüchtet oder nach Freigängen nicht zurückgekehrt . Das geht aus einer Statistik des Landesinnenministeriums hervor. Sie wurde im Innenausschuss des Landtags vorgelegt.

Nach Angaben des Innenministeriums gab es danach seit Juli 2012 149 klassische Ausbrüche . Auch Fluchten aus Gerichten oder aus Arztpraxen werden hier zugezählt. Dazu kommen 229 Verurteilte, die zum Beispiel nach Besuchen bei der Familie nicht zurückgekehrt sind. Seit Sommer letzten Jahres kehren pro Tag bis zu neun Strafgefangene nicht zurück, geht aus der vorgelegten Statistik hervor. „Spitzenreiter“ war der zweite Weihnachtstag.

Unruhe im Düsseldorfer Landtag

Im Düsseldorfer Landtag lösen die Zahlen Unruhe aus. Hintergrund sind mehrere Vorgänge der letzten Zeit. Erst im Februar war ein 42-jähriger verurteilter Mörder von einem Freigang in der Justizvollzugsanstalt Werl nicht zurückgekehrt. Er war nach Hamburg gefahren, hatte dort eine Frau niedergestochen und lebensgefährlich verletzt. Im September war bekannt geworden, dass drei jugendliche Intensivtäter aus einer Dormagener Wohngruppe entfliehen konnten, einem Modellprojekt. Das Projekt wurde dann gestoppt.

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Nach seiner Flucht aus dem Gefängnis in Werl sitzt ein verurteilter Mörder jetzt in Hamburg in Untersuchungshaft. Ein Praktiker des Strafvollzugs kritisiert die Hafterleichterungen, Justizminister Kutschaty aber stellt sich vor die Leitung der JVA Werl.

Seit mehr als einem Jahr wird über die Sicherheit der Justizvollzugsanstalt in Bochum diskutiert . Eine Kommission hatte bei Inspektionen gravierende Sicherheitsmängel vor allem in Haus 3 festgestellt, „wo im schlimmsten Fall“ Entweichungen gleich mehrerer Häftlinge möglich seien. Das Justizministerium hatte damals sofort versichert, Maßnahmen zur Besserung einzuleiten.

Forderung nach einem gemeinsamen Programm

„Sind die Gefängnisse ein offenes Scheunentor?“, fragte gestern der Piraten-Politiker Dirk Schatz, der selbst Polizist ist. Robert Orth, innenpolitischer Sprecher der FDP im Landtag, kritisierte: „Die Zahl derjenigen, die nicht wiederkommen, ist erschreckend hoch“. Justiz und Polizei dürften vor der Herausforderung nicht kapitulieren. Orth fordert, dass Innen- und Justizminister ein gemeinsames Programm auflegen, um die Entwicklung zu stoppen.

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Ende einer Flucht: Der verurteilte Mörder aus Werl, der in Hamburg erneut zwei Menschen niedergestochen und beraubt haben soll, hat sich am Mittwochabend der Polizei gestellt. Zuvor hatte NRW-Justizminister Kutschaty den Freigang für den Häftling verteidigt.

Peter Brock, der Landesvorsitzende des Bundes der Justizvollzugsbeamten, warnt dagegen vor Panikmache: Tatsächlich gehe die Zahl der Ausbrüche seit zehn Jahren zurück. Er sagte, in die Statistiken flössen auch die Fälle ein, bei denen Häftlinge die festgelegte Rückkehrzeit vom Ausgang überschritten. „Wir haben Zehntausende von Strafgefangenen in NRW. Die Zahl der Entweichungen ist marginal“.

Theo Schumacher und Dietmar Seher



Kommentare
12.04.2013
11:00
Fast 400 Häftlinge in neun Monaten in NRW
von Dr.Seltsam | #11

Man sollte nicht immer so eindimensional denken.
Resozialisierung ist keine Spinnerei von Antroposophen..
Es geht auch nicht darum, Straftäter zu belohnen.
Es geht vielmehr um den Schutz der Gesellschaft.

Das mag erst mal absurd klingen, wenn es unter anderem um Freigänge und offenen Vollzug geht.
Aber Strafgefangene müssen auf das Leben nach der Haft vorbereitet werden.
Man kann über die einzelnen Mittel diskutieren, aber Resozialisierung ist der eigentliche Auftrag des Strafvollzugs.
Jemanden jahrelang in der Zelle wegzuschließen und am Entlassungstag mit guten Wünschen durchs Tor zu schieben, reicht nicht.

12.04.2013
10:42
Fast 400 Häftlinge in neun Monaten in NRW
von reinert07 | #10

Was für ein populistischer Artikel.
Die Zahl der nicht nach einem Urlaub zurückgekehrten Gefangenen betrug im Jahr 1983 1700 Personen das waren 2,49% der Freigänger. Im Jahre 2011 waren es 190! Personen (0, 21%)
Der niedrigste Stand seid 30 Jahren.

http://www.justiz.nrw.de/Gerichte_Behoerden/zahlen_fakten/statistiken/justizvollzug/belegungsdaten/gesamtbelegung/8_2.pdf

Und was macht die WAZ daraus? Geht es nur noch darum mit populistischen Schlagzeilen möglichst viel Wind zu produzieren? Fehlt es mittlerweile an den nötigen Ressourcen für eine seriöse Berichterstattung. Ich will keine Tageszeitung auf „Bild“ Niveau.

12.04.2013
09:33
Fast 400 Häftlinge in neun Monaten in NRW
von daphnina | #9

Wann wird eigentlich der zuständige Justizminister Kutschaty (SPD) aus seinem Ministeramt türmen?
Seine eigenen Parteigenossen zündeln doch ständig an seiner Amtsführung!
Unter gleichen Umständen ist schon einmal eine NRW Justizministerin ständig in Frage gestellt worden.

12.04.2013
08:24
Fast 400 Häftlinge in neun Monaten in NRW
von mar.go | #8

Ausbrüche wird es wahrscheinlich immer geben, egal wie hoch gesichert Gefängnisse
werden. Was mir mehr Sorgen macht, sind diese vielen Freigänge. Wenn man einen Dieb oder Betrüger in den Haufturlaub schickt - schön. Aber müssen gemeingefährlich Gewalttäter, KInderschänder, oder diejenigen von denen bekannt ist, daß sie beim ersten Tropfen Alkohol ausrasten unbedingt vorzeitig auf die Menschheit losgelassen werden?

12.04.2013
07:15
Fast 400 Häftlinge in neun Monaten in NRW
von Kassenwart1001 | #7

Das macht nur eine Kuscheljustiz möglich und Dilettant Kutschaty befeuert das ganze noch.

12.04.2013
05:28
Fast 400 Häftlinge in neun Monaten in NRW
von teddybaer04 | #6

Urlaub aus dem Knast?
Wer einsitzt muss seine Strafe ohne wenn und aber absitzen.
Kein Wunder das viele unsere Justiz garnicht mehr für voll nehmen.
Aber dieses ist nur ein Punkt von vielen, wo es in Deutschland hapert.

11.04.2013
23:04
Fast 4000 Häftlinge in neun Monaten in NRW
von Nobot | #5

SKANDAL! Diese Recherche ist doch wohl eher Realsatire, oder? Kein Bezug zu tatsächlichen Lockerungen, einfach an die Wand geworfene Zahlen ohne Inhalt, da spielt es keine Rolle, ob 400 oder 4000 genannt werden. Die bisherigen Kommentare zeigen, dass diese BILD-Masche aufgeht, wer keine Ahnung hat, aber eine große Zahl vorlesen kann, ist hier ganz weit vorne. SKANDAL! Wir brauchen mehr Haftcreme!

11.04.2013
22:30
Fast 400 Häftlinge in neun Monaten in NRW
von horsthausener | #4

Billigend in Kauf genommen, dass verurteile Straftäter während Vollzug wieder Straftaten begehen und dabei Menschen zu Schaden kommen können?

NRW hat fertich. Der übliche Wahnsinn in NRW.

11.04.2013
22:16
Fast 400 Häftlinge in neun Monaten in NRW
von mitLINKSinsVERDERBEN | #3

Vielen Knackies geht es doch mittlerweile besser, als der hart arbeitenden Bevölkerung. In Berlin wir die Tage ein "Designer-Knast" eröffnet, der extra von einem Architekten entworfen wurde - viel Glas, kaum Mauern. Unfassbar. Und hier wohnen die Menschen in alten Häusern mit Schimmelflecken, stehen morgens um 6 auf und arbeiten hart für ihr Geld.
Der brave Bürger ist nun mehr fast immer der Dumme. Und die Politik will "Resozialisieren". Wer türmt, ist doch fast egal. Denn: Welche Strafe stellt der Knast noch dar? Lächerliche Strafen, lascher Umgang, vorzeitige Entlassungen... Kopfschütteln. Kein Wunder, dass der Totschläger von Berlin lieber in Deutschland als in der Türkei in den Knast will.
Verbrechen lohnt sich leider wieder - definitiv. Herzlichen Glückwunsch an die Linken!

1 Antwort
Fast 400 Häftlinge in neun Monaten in NRW
von xxyz | #3-1

Designer-Knast, zusätzliche Unisex-Toiletten ...

Berlin lebt gut und der REst zahlt

11.04.2013
20:45
Fast 400 Häftlinge in neun Monaten in NRW
von roschor | #2

Alles der Kuschelromantik einer rot/grünen Ideologie geschuldet.
Kriminellsein lohnt sich wieder in NRW.

1 Antwort
Fast 400 Häftlinge in neun Monaten in NRW
von silera | #2-1

Dummes Zeug

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