Fälle von Kirchenasyl in Deutschland sind stark gestiegen

Derzeit gibt es 226 Kirchenasyle in Deutschland. Anfang 2014 waren es lediglich 34.
Derzeit gibt es 226 Kirchenasyle in Deutschland. Anfang 2014 waren es lediglich 34.
Foto: imago
Immer häufiger gewähren Kirchen Asylbewerbern Asyl, um deren Abschiebung zu verhindern. Mindestens 441 Personen befinden sich derzeit im Kirchenasyl.

Berlin.. Die Zahl der Fälle von Kirchenasyl in Deutschland ist gestiegen. Derzeit gibt es 226 Kirchenasyle mit mindestens 411 Personen. Das berichtete die Zeitung "Die Welt" unter Berufung auf die Ökumenische Bundesarbeitsgemeinschaft Asyl in der Kirche. Dies sei ein Plus von 13 Prozent gegenüber dem Vormonat. Anfang 2014 habe die Arbeitsgemeinschaft noch lediglich 34 Kirchenasyle gezählt.

Um das Kirchenasyl gibt es derzeit heftigen Streit. Kirchen gewähren zur Ausreise verpflichteten Ausländern immer wieder Asyl, um deren Abschiebung zu verhindern. Die Bundesregierung sieht das kritisch, allen voran Innenminister Thomas de Maizière (CDU). Er argumentiert, keine Institution dürfe sich über das staatliche Recht stellen, auch nicht die Kirche. Kürzlich hatte de Maizière dazu in einem Interview gesagt: "Die Scharia ist auch eine Art Gesetz für Muslime, sie kann aber in keinem Fall über deutschen Gesetzen stehen." Diese Äußerung war auf viel Kritik gestoßen.

SPD-Vize Ralf Stegner sagte der "Welt", de Maizières Vergleich zwischen Kirchenasyl und Scharia sei nicht nützlich gewesen. "Die Kirchen gehen verantwortungsvoll mit dem Kirchenasyl um", betonte er. "Natürlich gibt es nicht zweierlei Recht. Dennoch tut der Staat gut daran, sich bei diesem Thema zurückzuhalten." (dpa)