Fachkräfte aus dem Süden werben oder nicht?
18.07.2011 | 20:10 Uhr 2011-07-18T20:10:00+0200
Berlin. Die Arbeitsagenturen haben vor allem im Pflegebereich nichts dagegen, Fachkräfte aus Südeuropa anzuwerben. Aber es gibt auch kritische Stimmen, die für Qualifizierung eigener Arbeitnehmer plädieren.
Essens Arbeiterwohlfahrt hat keine Personalsorgen in ihren Pflegeheimen. „Wir suchen niemanden“, sagt Referatsleiter Karlheinz Dieler. Einen Fachkräftemangel in Zukunft schließt er aber nicht aus. Weil die AWO gute Erfahrungen mit Migranten gemacht habe, wären ausländische Pfleger mit Deutschkenntnissen willkommen.
Wenn es nach der Arbeitsagentur geht, könnten Pfleger aus Portugal kommen. „Dort gibt es ein großes Interesse von Pflegekräften, in Deutschland zu arbeiten“, sagte die Direktorin der zur BA gehörenden Zentralen Auslands- und Fachvermittlung, Monika Varnhagen. „Hier finden wir unter Umständen Fachkräfte für deutsche Krankenhäuser und Pflegeheime.“
Zahl der Pflegefälle steigt rasant
Noch vor kurzem galten Osteuropäer als Rettungsanker für das Betreuungswesen, nun womöglich also Pfleger aus Portugal. Der Bedarf an professioneller Hilfe wird in Deutschland immer größer. Bis 2030 könnte die Zahl der Pflegefälle von 2,4 auf 3,4 Millionen steigen. Das Statistische Bundesamt warnt vor 152 000 fehlenden Pflegekräften im Jahr 2025.
Trotz Engpässen ist der Einsatz von ausländischen Pflegekräften umstritten. Die Befürworter sagen, dass es ohne sie nicht gehe, die Gegner warnen vor Dumpingpflege. So steht Pflegeratspräsident Andreas Westerfellhaus mit seiner Kritik am Abwerben von Pflegern aus dem Ausland nicht alleine da. Zunächst einmal solle man für mehr heimisches Personal sorgen, findet CDU-Pflegeexperte Willi Zylajew.
Sprache ist wichtig
Alle sind sich einig: Wer als Pfleger nach Deutschland kommt, sollte die Sprache beherrschen. Die größte Hürde bei der Vermittlung seien die fehlenden Sprachkenntnisse, sagte Varnhagen mit Blick auf Tausende arbeitslose Ingenieure und IT-Experten aus Spanien. Sie appellierte an die Arbeitgeber, auch Leute mit weniger guten Deutschkenntnissen einzustellen.
Varnhagen berichtet von einem regen Interesse der Spanier an Arbeit in Deutschland. Die BA habe mehrere Staaten im Blick: „Wir sondieren in Griechenland und Portugal.“ Aus Portugal könnten ebenfalls Ingenieure kommen. Für griechische Ärzte dürfte ein Auslandsaufenthalt ebenfalls reizvoll sein, weil sie zu Hause lange auf eine Facharzt-Ausbildung warten müssten.
Ärztemangel dadurch nicht zu beheben
Bundesärztekammer-Präsident Frank Ulrich Montgomery ist skeptisch. Der Ärztemangel sei nicht allein durch die Abwerbung von Ärzten zu beheben, sagte er. Mangelnde Sprachkenntnisse könnten zu Missverständnissen in der Patientenbehandlung führen. Und Oliver Burkhard, Chef der IG Metall in NRW, glaubt: „Die bessere Strategie heißt, vorhandene Fachkräfte aus Betrieben und Arbeitsmarkt aufqualifizieren.“ Mit dem Einkauf von Leiharbeit und der Abwerbung aus anderen Ländern sei gute Personalförderung und Weiterbildung auf Dauer nicht zu ersetzen.

13:42
Es ist eine Schande für den Wirtschaftsstandort Deutschland das wir nicht in der Lage sind aus dem Heer der Arbeitslosen und dem eigenen Nachwuchs genügend Fachkräfte aus – und weiterzubilden.
Für die Wirtschaftsverbände wird , dank der FDP und Wirtschaftsminister Rösler, eine kostengünstige Lösung gefunden und die Belastung durch die Arbeitslosigkeit bleibt beim Steuerzahler.
Die Belastung würde sich in Grenzen halten, wenn für jede zusätzliche ausländische Fachkraft ein arbeitsloser Ausländer aus dem gleichen Land wieder in seine Heimat zurück gehen müsste .
12:05
Die Arbeitsagenturen müssen sofort gebremst werden. Welche Aufgaben haben die eigentlich? Sie sollen sich um die 5 - 7 Millionen realen Arbeitslosen in Deutschland kümmern. Das ist ein genügendes riesiges Potenzial, das auf lebenswerte Arbeit und Einkommen wartet. Der Fachkräftemangel ist ein politisches Märchen, das keiner glaubt.
09:54
Den einzigen wirklichen Fachkräftemangel, den ich erkennen kann, herrscht seit Jahren im Bundestag.
09:19
@24
Ärzte ist auch ein gutes Thema. Schon mal aufgefallen, dass sehr viele deutsche Ärzte ihre Dienste im Ausland anbieten. Andere machen an den Wochenenden Bereitschaftsdienste in Nachbarländern, weil sie hier so schlecht bezahlt werden. Gleichzeitig kann ich froh sein, wenn ich in ein Krankenhaus komme einen Arzt zu finden, der Deutsch spricht. Was ich sagen will ist, dass man in Deutschland keinen Wert legt auf eigene gut ausgebildete Leute. Es ist halt lukrativer, den Bedarf an Fachkräften aus dem Ausland zu holen.
08:23
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07:53
@ #23 von Kopper
klar^^genau wie Ärzte
07:41
@20
Habe ich irgendwo in meinem Beitrag was von Handwerkern geschrieben? Die Ausbildungsverweigerung der Unternehmen ging ja durch alle Bereiche. Auch ein Akademiker macht zunächst erst mal eine Ausbildung bevor er z.B. als Ingenieur tätig wird. Da ist es natürlich für jeden Unternehmer finanziell günstiger sich einen fertigen Ingenieur aus dem Ausland zu holen, zumal dieser ja seine Arbeit noch für weniger Lohn anbietet.
07:38
#20 die Akademikernausrede ist das für den Arbeitsmarkt was Kinderpornos für die Einführung der Zensur sind oder die organisierte Kriminalität für die Einführung von Kontenabfragen im Jahr 2005 war.
07:26
Die Arbeitsagentur soll lieber sehen das sie der eigenen Bevölkerung zur Arbeit verhelfen und nicht ausländische Billigkräfte anwerben.