Das aktuelle Wetter NRW 4°C
Wissenschaft

Fachhochschulen wollen Doktortitel vergeben

28.10.2012 | 19:27 Uhr
Fachhochschulen wollen Doktortitel vergeben
Auch an / WAZ FotoPoolFoto: Bernd Lauter

Essen.   Im Wettbewerb mit den Universitäten haben die Fachhochschulen aufgeholt. Ihre Absolventen genießen bei Unternehmen einen guten Ruf. Jetzt fordern die Rektoren auch das Promotionsrecht. Die Universitäten wehren sich: "Das bleibt Alleinstellungsmerkmal der Universitäten."

Im Konkurrenzkampf mit den Universitäten holen die Fachhochschulen (FH) auf. Sie ziehen immer mehr Studenten an, sie punkten in der Forschung, ihre Absolventen sind in Unternehmen begehrt, weil sie näher an der Berufspraxis sind als Uni-Studenten. Nur eines ist ihnen bislang verwehrt: Sie können keine Doktortitel vergeben, das ist das alleinige Recht der Unis. Doch auch diese letzte Bastion könnte fallen.

Herbert Schulte vom Bundesverband mittelständische Wirtschaft in NRW bricht eine Lanze für die Fachhochschulen: „Drei Viertel unserer Mitglieder sind sehr zufrieden mit den Bachelor-Absolventen von Fachhochschulen. Die vielen FH sind ein absoluter Standortvorteil für NRW. FH-Absolventen sind besonders schnell in den Arbeitsprozess zu integrieren.“ An den Fachhochschulen in NRW sind so viele Studenten eingeschrieben wie nie zuvor. Ihre Zahl stieg in zehn Jahren um mehr als 41 Prozent – von 83 702 auf 118 585 in diesem Wintersemester. Jeder fünfte Student im Land ist an einer FH eingeschrieben.

Angesichts dieses Booms wollen die Unis zumindest ihr Promotionsrecht verteidigen. „Das bleibt Alleinstellungsmerkmal der Universitäten“, stellte der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, Horst Hippler, vorsorglich klar.

Die Fachhochschulen werden besser in der Forschung und immer attraktiver für Studienanfänger. Mit ihrem Aufstieg rütteln die Fachhochschulen an einem alten Privileg der Universitäten: Sie wollen endlich auch den Doktor-Titel verleihen dürfen. Schon die Bologna-Reform, in deren Folge die gestuften Bachelor- und Masterstudiengänge entstanden, verwischte die Grenze zwischen den Hochschultypen. Denn der Master-Abschluss, ob an einer Fachhochschule oder an einer Universität erworben, berechtigt zur Promotion. So steht es im Hochschulgesetz des Landes NRW.

Krach unter Wissenschaftlern

Prof. Horst Hippler, Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, lässt indes wenige Gelegenheiten aus, die Fachhochschulen in ihre Schranken zu weisen: „Promotionen gehören an die Universitäten“, stellte er wiederholt klar. Davon fühlen sich die FH-Rektoren provoziert und sehen ihre Leistungen abgewertet. Sie sprechen Hippler ab, für alle Hochschulen im Lande zu sprechen und verweisen darauf, dass ihre Absolventen von der Wirtschaft mit offenen Armen empfangen werden. Als Beleg zitieren sie eine Erhebung des Instituts der Deutschen Wirtschaft (idw) in Köln. Danach geben „neun von zehn Unternehmen an, dass sie zwischen FH- und Uni-Absolventen keinen Unterschied machen“.

Prof. Martin Sternberg, Präsident Hochschule Bochum, hat für die Landesrektorenkonferenz der Fachhochschulen einen geharnischten Brief an seinen Kollegen Horst Hippler geschrieben. Er zielt darin zwar nicht auf das Promotionsrecht, aber er nimmt die neuen Bachelor-Studiengänge gegen Kritik der Universitäten in Schutz. In dem Brief spiegelt sich das gestiegene Selbstbewusstsein der Fachhochschulen. Denn mit dem Bachelor, an vielen Unis noch das ungeliebte Kind, haben die FH weniger Probleme. „Oft herrscht in Unis die Vorstellung, dass der Bachelor kein berufsbefähigender Abschluss sei, sondern eine Art Weiterentwicklung des Vordiploms. Der eigentliche Abschluss sei der Master. Das stimmt aber nicht. Wir haben unsere Studierenden immer schon nahe am Beruf ausgebildet“, sagte Sternberg dieser Redaktion. Und er fügt einen Satz hinzu, der knallt: „Wer heute schon genau weiß, dass er Wissenschaftler werden will, dem würde ich zur Universität raten. Alle anderen sind heute an einer Fachhochschule besser aufgehoben.“

  1. Seite 1: Fachhochschulen wollen Doktortitel vergeben
    Seite 2: Bessere Betreuung an den Fachhochschulen

1 | 2


Kommentare
29.10.2012
20:45
Fachhochschulen wollen Doktortitel vergeben
von jesusonspeed | #2

In den 60ern wurden Doktortitel noch halboffiziell verkauft, die Zeiten waren diesbezüglich also schon einmal schlimmer.

Aber die FHs haben Recht, sie sind berufsausbildend, Universitäten sind das nicht. Darum gehört das BA-/MA-System auch nicht an Universitäten und das Promotionsrecht nicht an Fachhochschulen.

29.10.2012
14:25
Fachhochschulen wollen Doktortitel vergeben
von meinemeinungdazu | #1

Weil der Doktortitel seit Guttenberg, Koch-Mehrin und Schavan nichts mehr wert ist, können sie ihn vergeben. Wen interessiert das noch? Es ist inzwischen ein Karnevalsorden.

Aus dem Ressort
Amtsinhaber Bouteflika gewinnt Präsidentenwahl in Algerien
Algerien
Abdelaziz Bouteflika bleibt wie erwartet Präsident in Algerien. Die Opposition in dem öl- und gasreichen Land spricht von dreistem Wahlbetrug. Echte Beweise dafür gibt es jedoch bislang nicht.
Rüstungsfirmen wollen schneller über Exporte informieren
Waffenexporte
Die Rüstungs-Unternehmen wollen die Öffentlichkeit schneller über Waffenlieferungen ins Ausland informieren. Damit kommt die Industrie einer Forderung der Bundesregierung nach. Bislang werden Rüstungsgeschäfte manchmal erst nach zwei Jahren gemeldet.
Ukraine sagt "Sonderstatus" für russische Sprache zu
Ukraine
Auch nach der Unterzeichnung des Friedensplans bleibt die Lage in der Ost-Ukraine gespannt. Die pro-russischen Kämpfer weigern sich, die besetzten Gebäude zu freizugeben. Der Friedensplan sieht Gewaltverzicht beider Seiten vor — und die Entwaffnung der Separatisten.
Bundesagentur will höhere Hartz-IV-Hürden für Selbstständige
Arbeitsmarkt
Sie betreiben einen Imbiss, arbeiten als freie Fotografen oder als freischaffende Künstler. Über die Runden kommen sie aber nur mit Hilfe der Jobcenters. Das will die Bundesagentur jetzt einschränken.
"Bürgerliste" wirbt mit dunkelhäutigem Verbrecher um Stimmen
Wahlkampf
Peinliche Panne im Kommunalwahlkampf in Dortmund: Von Wahlplakaten der "Bürgerliste" zum Thema "innere Sicherheit" blickt ein grimmiger dunkler Verbrecher herab. Setzt die "Bürgerliste" Gewalt und Kriminalität mit dunkelhäutigen Menschen gleich? Der Vorsitzende verneint. Schuld sei die Druckerei.
Umfrage
Vermutlich wegen einer erhaltenen WhatsApp-Nachricht starb am 17. Februar eine 21-jährige Autofahrerin bei einem Unfall auf der B54 in Herdecke. Lassen Sie sich beim Autofahren vom Handy ablenken?

Vermutlich wegen einer erhaltenen WhatsApp-Nachricht starb am 17. Februar eine 21-jährige Autofahrerin bei einem Unfall auf der B54 in Herdecke. Lassen Sie sich beim Autofahren vom Handy ablenken?