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Nukleare Gefahr

Experten warnen vor Atomkatastrophe in der Ukraine

29.08.2014 | 18:50 Uhr
Experten warnen vor Atomkatastrophe in der Ukraine
Das Symbol für den atomaren Super-Gau: Die Ruine des Atomkraftwerks von Tschernoby in der Ukraine.Foto: Getty

Wegen der eskalierenden Kämpfe in der Ukraine wächst das Risiko für die Atomanlagen in dem Land. Nur rund 200 Kilometer von der Kampfzone entfernt stehen die sechs Reaktorblöcke der Nuklearanlage Saporischschja. Sie gilt als größte Atomanlage Europas.

Derzeit sind in der Ukraine 15 Reaktoren an vier Standorten in Betrieb. Sie decken rund die Hälfte des Strombedarfs. Die Regierung in Kiew hat die Nato bereits um Hilfe bei der Sicherung der Anlagen gebeten. Diese entsandte im April erstmals Experten, die sich um den Schutz der Atomkraftwerke und der Energie-Infrastruktur kümmern sollen.

Gegen einen direkten Beschuss sind die Reaktoren kaum geschützt. Die Betonhülle ist nach Angaben von Experten nur etwa 1,20 Meter dick und übersteht nur den Absturz kleinerer Flugzeuge. Nach einer Greenpeace-Studie können panzerbrechende Waffen diese Schicht leicht durchschlagen und eine Kernschmelze verursachen.

Ausfall der Stromversorgung könnte zur Kernschmelze führen

Michael Sailer, Atomexperte vom Ökoinstitut in Darmstadt, weist darauf hin, dass nicht nur ein direkter Beschuss des Reaktors ein großes Sicherheitsrisiko darstellt. Auch die Zerstörung von Hochspannungsleitungen oder sensibler Anlagen im Umfeld der Atomanlage könnten fatale Folgen haben. Der Ausfall der Stromversorgung über mehrere Stunden könne zu einer Kernschmelze führen. „Dann haben wir eine Situation wie in Fukushima“, sagte Sailer. Da niemand wisse, ob sich die Kämpfe ausweiten, müssten die Reaktoren möglichst rasch heruntergefahren werden, fordert er.

Wegen der Unterstützung Moskaus für die Separatisten in der Ukraine wollen Regierungen der EU-Staaten nun neue Sanktionen gegen Russland verhängen. Bei einem Treffen der 28 EU-Staaten in Mailand bewerteten mehrere Außenminister das Vorgehen Russlands als „Invasion“. Die Bundesregierung sprach erstmals von einer „militärischen Intervention“ Russlands. Sanktionen werden schon beim heutigen EU-Gipfel ein Thema sein.

Die Nato forderte von Moskau ein Ende von Militäraktionen in der Ukraine. Russland bestritt solche Einsätze erneut. Die von den USA vorgelegten Satellitenbilder mit angeblichen russischen Truppenbewegungen seien als Beweise ungeeignet. Kremlchef Wladimir Putin verglich das Vorgehen der ukrainischen Regierungstruppen mit dem der deutschen Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg.

Christopher Onkelbach

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