Experten-Streit: Warum diese Gewalt gegen Frauen in Köln?

Ausschreitungen in der Silvesternacht am Kölner Hauptbahnhof. Die Aufnahmen entstanden zwischen 22 und 23 Uhr.
Ausschreitungen in der Silvesternacht am Kölner Hauptbahnhof. Die Aufnahmen entstanden zwischen 22 und 23 Uhr.
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Was wir bereits wissen
Fehlt der Respekt vor unseren Werten und Gesetzen? Experten streiten über die Hintergründe der massiven Angriffe in der Silvesternacht in Köln.

Essen.. In der Silvesternacht haben offenbar Hunderte junge Männer Frauen ausgeraubt und zum Teil massiv sexuell angegriffen. Schnell sprach der Kölner Polizeipräsident Wolfgang Albers von Tätern aus dem „nordafrikanischen und arabischen Raum“. Normalerweise geht die Polizei bei Straftaten nicht auf die Herkunft der Täter ein, doch Arnold Plickert springt ihm bei: Man müsse erkennen, wer das war, sagte der Vize-Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei. „Wer in unserem Wertesystem lebt, der hat sich daran zu halten.“

Der Kriminologe Hans-Dieter Schwind, ehemaliger Professor an der Ruhr-Uni Bochum, pflichtet ihm bei: „Ich befürchte, dass Menschen aus anderen Kulturen und einem andere Rechtsbewusstsein möglicherweise nicht unser Grundgesetz und unsere Normen respektieren“, sagte Schwind dieser Redaktion.

Silvester-Übergriffe Man müsse vorsichtig sein bei der Täterzuschreibung, räumt er ein, doch wenn sich bestätigen sollte, dass sie tatsächlich aus nordafrikanischen und arabischen Ländern stammen, „muss die gesamte deutsche Flüchtlingspolitik überdacht werden“, so Schwind, der bis 1982 auch CDU-Justizminister in Niedersachsen war.

Deutschland steht vor einem Integrationsproblem

Das Problem werde sich weiter verschärfen, glaubt der Kriminologe: „Ich erwarte eine deutliche Zunahme der Gewaltkriminalität.“ Deutschland stehe vor einem Integrationsproblem. „Die Menschen kommen mit anderen Normen und anderer Erziehung zu uns.“ Das erkenne man auch an der Einstellung zu Frauen; sie werden in vielen islamischen Gesellschaften diskriminiert.

Silvester-Übergriffe in Köln Dass die abscheulichen Vorfälle im Kölner Hauptbahnhof vor allem Ausdruck eines anderen Rechtsempfindens seien, kann hingegen Prof. Frank Neubacher, Direktor des Instituts für Kriminologie der Uni Köln, nicht erkennen. Es könne zwar eine Rolle spielen, „dass in anderen Kulturkreisen auf andere Weise als bei uns auf Frauen geblickt wird, aber auch dort ist der sexuelle Angriff auf eine Frau verboten und wird bestraft.“

Klassisches Hooligan-Verhalten

Die Kombination aus jungen Männern in Gruppen, Alkohol und einer Stimmung, „in der Anonymität ungestraft unerhörte Dinge tun zu können, ist bekanntermaßen eine sehr problematische und kriminogene Mischung – unabhängig von der Herkunft.“ Er glaube nicht, dass andere Rechtsvorstellungen hier eine dominante Rolle gespielt haben. Neubacher: „Die Entwicklung der Kriminalität von Migranten ist in den vergangenen 20 Jahren eher unauffällig gewesen.“

Silvesternacht Ähnlich äußert sich Jochen Hippler, Islamwissenschaftler am Institut für Entwicklung und Frieden der Uni Duisburg-Essen. „Fakt ist, dass in islamischen Ländern Frauen diskriminiert und benachteiligt werden. Doch Gewalt gegen Frauen ist dort noch strikter tabuisiert als hier.“ Er erkenne in den Vorfällen eher ein „klassisches Hooligan-Verhalten.“ Die Täter seien Kriminelle und müssten bestraft werden. Er könne aber nicht sehen, dass die Vorfälle etwas mit Religion oder Kultur zu tun hätten.