Ex-SS-Mann räumt vor Gericht Mitschuld am Holocaust ein

Oskar G. wird vorgeworfen, für die SS das Gepäck von Deportierten in Auschwitz geplündert zu haben. Das ist nach neuerer Einschätzung der Justiz Beihilfe zum Mord.
Oskar G. wird vorgeworfen, für die SS das Gepäck von Deportierten in Auschwitz geplündert zu haben. Das ist nach neuerer Einschätzung der Justiz Beihilfe zum Mord.
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Was wir bereits wissen
Im Auschwitz-Prozess hat der Angeklagte seine Beteiligung am Holocaust eingeräumt. Der heute 94-Jährige hatte Geld verschleppter Juden weitergeleitet.

Lüneburg.. Im Lüneburger Auschwitz-Prozess hat der frühere SS-Mann Oskar G. erneut seine Beteiligung und Mitschuld am Holocaust eingeräumt. Durch seine Tätigkeit im KZ habe er dazu beigetragen, dass das System Auschwitz funktionierte, erklärte der 94-Jährige am Mittwoch in einer schriftlichen Einlassung, die sein Verteidiger verlas.

Kriegsende Obwohl er seit seiner Ankunft in Auschwitz von der Judenvernichtung dort gewusst habe, hätten ihn im Gericht die Aussagen der Überlebenden über ihr Leiden bei der Deportation, im Lager und während ihres späteren Lebens sehr beeindruckt. Sein anerzogener Gehorsam habe verhindert, dass er gegen das Morden in Auschwitz rebelliert habe. Nach heutigen Maßstäben sei dies nicht zu fassen.

"Um Vergebung kann ich nur meinen Herrgott bitten"

Die Opfer habe er vor Gericht bewusst nicht um Vergebung gebeten. Dies stehe ihm angesichts der Dimension des Leids nicht zu. "Um Vergebung kann ich nur meinen Herrgott bitten", ließ G. seinen Anwalt verlesen.

Dem 94-Jährigen wird Beihilfe zum Mord in mindestens 300.000 Fällen vorgeworfen. Er hatte eingeräumt, aus dem Gepäck von verschleppten Juden Geld gezählt und an die SS weitergeleitet zu haben. Ob nach der Aussage einer weiteren Auschwitz-Überlebenden am Mittwoch bereits die Plädoyers beginnen, ist noch offen. (dpa)