Europawahlen: Ein Kreuz für Haus Abendsonne
26.05.2009 | 16:29 Uhr 2009-05-26T16:29:00+0200Essen. Am Stimmzettel für die Europa-Wahl 2009 kann man sich regelrecht festlesen. Betrachtungen eines Unpolitischen.
Als ich mein Kreuz machen wollte, wo ich es immer mache, geschah das Unerwartete: Es entfaltete sich durch eine menschliche Unachtsamkeit der Zettel. Wie alle Entfaltung führte das zu wahrer Größe. Erst jetzt entdeckte ich, dass der Zettel so lang ist wie mein Patenkind.
118 Zentimeter. Am Ende der 118 Zentimeter stehen bei meinem Patenkind Sandalen mit rosa Hexen drauf. Am Ende des Stimmzettels für die Wahl der Abgeordneten des Europäischen Parlaments stehen – Rentner.
Platz 31: Rentner-Partei-Deutschland. Als Rentner würde ich mich diskriminiert fühlen. Man ist schon alt und dann kriegt man auch noch das Ende. In Recklinghausen gibt es ein Altenheim, das Haus Abendsonne heißt – ich finde, der letzte Platz auf dem Stimmzettel ist nah dran an dieser Symbolik. Den Platz auf dem Stimmzettel bestimmt der Landeswahlleiter. Ich vermute, es handelt sich nicht um einen Rentner.
Es genügt nicht, dass Rentner auf dem letzten Platz sind: auf dem vorletzten sind sie auch. Diese Partei heißt RRP. Verzweifelt suchte ich nach dem Unterschied zwischen den zwei Rentnerparteien. Als ich glaubte, eine feministisch grundierte Differenz ausgemacht zu haben (RRP heißt Rentnerinnen und Renter Partei), war das ein eilfertiger Irrtum: Alle zehn Kandidaten der „Rentnerinnen und Rentner Partei” sind Männer, darunter Erwin Krause.
Wenn ich für eine Daily Soap einen Rentnernamen erfinden müsste, hieße er Erwin Krause. Es ist ganz natürlich, dass auch kleine Parteien nach Telegenität schielen.
Am Stimmzettel habe ich mich regelrecht festgelesen. Wer zum Beispiel glaubt, Doppelnamen seien ein sozialliberaler Insiderwitz, sieht sich getäuscht. Einen von vielen entdeckte ich bei der bayerischen Krankengymnastin Irmela Scheidle-Horkel. Irmela Scheidle-Horkel hat sich als Pfarrerstochter „oft mit dem Sinn des Lebens beschäftigt”, was ja nichts Schlechtes sein muss. Irmela Scheidle-Horkel beherrscht die Akupunktmassage nach Penzel, die Ohrakupunktmassage nach Luck, außerdem Edukinesthetik.
Irmela Scheidle-Horkel möchte ins Europaparlament. Sie ist bei den „Violetten”, Platz 23 des Stimmzettels. Die Violetten („Alles ist Schwingung”) wollen eine spirituelle Politik. Sie wurden von „Geistesfreunden aus mehreren Bundesländern” gegründet. Mich interessierte die spirituelle Haltung zum Dosenpfand. Auf der Website fand ich nichts, aber Kernspaltung ist jedenfalls unerwünscht. Zum Wohnen wird ein Strohballenhaus empfohlen.
Nach einer Stunde Lektüre dankte ich der höheren Ordnung, die möglicherweise auch spirituell motiviert ist, dafür, dass ich mich in diesem Jahr für Briefwahl entschieden habe. Nur für den Fall, dass es Ihnen wichtig ist: Die Piratenpartei Deutschland, Platz 29, wird erwartungsgemäß von einem Wirtschaftsmathematiker angeführt.

12:26
Nett geschrieben! Ist eher selten geworden, dass ich etwas in der WAZ amusant finde.
08:31
ehm Gleichberechtigung meinte ich natürlich
08:30
@ 2 und 3
Mein Gott sind sie Jammerlappen. Kaum werden Männer nicht mehr überall bevorzugt sondern eine berechtigung angestrebt heulen sie rum!
PS: Allerdings finde ich den Wehr und Erstazdienst auch überflüßig und würde stattdessen für alle ein freiwilliges soziales/ökologisches Jahr forden.
Das finde ich sinnvoller
09:21
Welche Partei kann eigentlich ein MANN heute noch wählen?
Vor dem Hintergrund der Jungenkrise an Schulen, mehrheitlich männlichen Arbeitslosen weiter einseitige Frauenförderung, Frauenstudiengänge, Girls days, Frauenquoten zu betreiben und 40.000 Frauenbeauftragte zu finanzieren, ist ein Irrsinn.
Welche Partei beendet dieses grundgesetzwidrige Treiben, daß nicht mal an Grundschulen Jungen gleiche Chancen wie Mädchen bekommen, oder daß es auch einen Männergesundheitsbericht gibt?
In einem Land wo Kanzlerin und wichtige Ministerposten, fast das gesamte Schulwesen weiblich ist, kümmert sich niemand um Männerfragen. Sind unsere Wählerstimmen unerwünscht? Früher war zumindest die SPD eine Arbeiter- also Männnerpartei (was auch deren Frauen nutzte) - aber die ist zur Funktionärinnenvertretung verkommen.
Oder was ist mit dem Thema Sorgerecht auch für Väter oder Unterhaltsabzocke? Für mich als Mann kommt keine der großen mehr in Frage. Wir Männer wären ein riesiges Potential.
Schaun wir doch mal:
CDU: schafft die Wehrpflicht nicht ab
SPD: Wer die menschliche Gesellschaft will muß die männliche überwinden (Parteiprogramm)
FDP:Der Mann ist ein halbes Wesen (Vizechefin Pieper)
Grüne: reine Frauenförderung
LInke: Gleicher Lohn für Frauen (aber NICHT gleichschwere ARBEIT)
Was für Männer dabei?
06:26
ja ja, feministisch sind ja alle Parteien irgendwie, welche der Parteien wäre denn etwas männerrechtlich zB für die Abschaffung des Männer-Zwangs-Dienstes Bundeswehr/Ersatzdienst?
21:07
Etwas ernsthaft:
Die Rentnerinnen -und Rentnerpartei ist die Organisation aller Bürgerinnen und Bürger, die gegenwärtig oder künftig Erwerbsunfähigkeits-,Unfall- oder Alterbezüge beanspruchen ..... und nicht nur das! Einfach Info anfordern.