Europa ruft zum Flüchtlingsgipfel

Luxemburg/Rom/Berlin..  Die Flüchtlingsdramen im Mittelmeer mit vielen Hundert Toten rufen die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union auf den Plan. Sie kommen am Donnerstag zu einen Krisengipfel zusammen, um über Konsequenzen zu beraten. „Das kann nicht so weitergehen“, erklärte EU-Ratspräsident Donald Tusk. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte in Berlin, die Bundesregierung werde alles tun, um zu verhindern, dass weiter vor den Toren Europas Menschen auf qualvolle Weise sterben. „Das vereinbart sich nicht mit unseren Werten“, so Merkel vor Angehörigen von Hilfsorganisationen.

Nach dem verheerenden Flüchtlingsunglück mit vermutlich mehr als 900 Toten sind gestern im Mittelmeer erneut Flüchtlingsboote in Seenot geraten. Ein Schlauchboot mit 100 bis 150 Menschen an Bord befand sich laut italienischer Regierung etwa 55 Kilometer vor der Küste Libyens. Auf einem größeren Schiff seien etwa 300 Menschen gewesen. Auch in Griechenland gab es ein Flüchtlingsunglück: Vor der Ferieninsel Rhodos zerschellte ein Schiff mit Dutzenden Menschen an Felsen. Mindestens drei von ihnen starben, darunter ein vierjähriges Kind, so die Küstenwache. 93 Menschen wurden aus dem Wasser gerettet.

Bei dem am Wochenende gekenterten Boot sollen nach dem Bericht eines der 28 Überlebenden viele Kinder an Bord gewesen sein. Der Mann aus Bangladesch gab laut Staatsanwaltschaft an, viele Menschen seien zum Zeitpunkt des Unglücks im Laderaum eingeschlossen gewesen.

Die EU-Staaten erwägen dennoch eine Aufstockung der Seenothilfe. „Die Kommission hat eine Verdopplung der Maßnahmen vorgeschlagen“, sagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) nach einem Treffen der Außen- und Innenminister in Luxemburg. „Wir würden das unterstützen.“ Die Ausweitung der Seenothilfe ist Teil eines Zehn-Punkte-Plans, der am Donnerstag bei dem Sondergipfel der EU-Staats- und Regierungschefs beraten werden soll. Zu den Vorschlägen zählen auch die Vernichtung von Schleuser-Booten, ein Pilotprojekt zur Verteilung von Flüchtlingen in Europa und eine stärkere Zusammenarbeit mit Libyen und seinen nordafrikanischen Nachbarn.