Europa plant Flüchtlingsgipfel

Brüssel/Rom/Berlin..  Die Flüchtlingsdramen im Mittelmeer mit vielen Hundert Toten rufen die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union auf den Plan. Sie kommen am Donnerstag zu einem Krisengipfel zusammen, um über Konsequenzen zu beraten. Bundeskanzlerin Merkel sagte, die Bundesregierung werde alles tun, um zu verhindern, dass weiter vor den Toren Europas Menschen auf qualvolle Weise sterben. „Das vereinbart sich nicht mit unseren Werten“, so Merkel vor Angehörigen von Hilfsorganisationen.

Nach dem verheerenden Flüchtlingsunglück mit vermutlich mehr als 900 Toten sind gestern im Mittelmeer erneut Flüchtlingsboote in Seenot geraten. Ein Schlauchboot mit 100 bis 150 Menschen an Bord befand sich laut italienischer Regierung etwa 55 Kilometer vor der Küste Libyens. Auf einem größeren Schiff seien etwa 300 Menschen. Auch in Griechenland gab es ein Flüchtlingsunglück: Vor einem beliebten Strand der Touristeninsel Rhodos zerschellte ein Schiff mit Dutzenden Menschen an Felsen. Mindestens drei von ihnen starben, darunter ein vierjähriges Kind, so die Küstenwache. 93 Menschen wurden aus dem Wasser gerettet.

Die Flüchtlingskatastrophe entfachte in der EU eine hitzige Debatte über die Verantwortung der Mitgliedsstaaten. „Wenn wir den Schleppern ihre Arbeit erleichtern und von Bord gegangene Flüchtlinge entgegennehmen, wird daraus für sie ein noch besseres Geschäft“, so der tschechische Außenminister Zaoralek. Die EU-Staaten erwägen dennoch eine Aufstockung der Seenothilfe. „Die Kommission hat eine Verdopplung der Maßnahmen vorgeschlagen“, sagt Bundesinnenminister de Maizière nach einem Treffen der Außen- und Innenminister. „Wir würden das unterstützen“, so der Minister. Derzeit ist im Mittelmeer die EU-Mission „Triton“ (Budget: drei Millionen Euro) aktiv. Laut de Maizière geht es um doppelt so viel Geld und doppelt so viele Schiffe.