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Bootsflüchtlinge

Europa macht das Meer dicht

14.07.2010 | 12:15 Uhr
Europa macht das Meer dicht

Essen. Ein besseres Leben in Europa. Diesen Traum hatte der Senegalese Idrissa Sane, als er sich im Sommer 2007 wie 18 000 weitere Afrikaner von der Westküste des schwarzen Kontinents, dicht gedrängt auf morschen Pirogen auf lebensgefährliche Fahrt machte, um über die Kanaren das spanische Festland zu erreichen.

Drei Jahre später wird es wohl weniger Bilder geben von ausgemergelten Afrikanern, die an den kanarischen Stränden zwischen Touristen erschöpft an Land paddeln. Die Zahl bis zum Bersten mit illegalen Einwanderern gefüllter, altersschwacher Seelenverkäufer im Mittelmeer wird sich ebenfalls in diesem Sommer verringern. Europa hat das Meer abgeschlossen. Umso mehr könnten sich die Ströme der Migranten in die EU auf das Nadelöhr Südosteuropa, auf die Türkei und Griechenland konzentrieren.

Nach Angaben des Flüchtlingskommissariats der Vereinten Nationen (UNHCR) sind aktuell je nach Küstenabschnitt zwischen 50 und 95 Prozent weniger Bootsflüchtlinge angelandet als im Vorjahr. Verbesserte Grenzkontrollen sowie vermehrte und effizientere See-Patrouillien, Sicherheits- und Entwicklungsabkommen mit den Herkunftsländern der Migranten und nicht zuletzt die Wirtschaftskrise in den Mittelmeer-Anrainern der EU seien die Gründe dafür, so ein UNHCR-Sprecher zu dieser Zeitung.

„In diesem Jahr gibt es praktisch keine Boote mehr“

Eine weitere Rolle spiele außerdem der bilaterale Vertrag zwischen Italien und Libyen aus dem vergangenen Jahr. Die Regierung Berlusconi stellte einen Scheck über fünf Milliarden Euro aus und übernahm Verantwortung für die Schäden aus der Kolonialzeit. Im Gegenzug hat Libyen einen Vertrag über 300 Millionen Euro mit einer italienischen Sicherheitsfirma abgeschlossen, um mit der neuen Ausrüstung seine Grenzen besser zu kontrollieren. Zudem hat er sich zu Verhandlungen mit der EU verpflichtet. In Zahlen drückt sich das so aus: 2008 gab es 37 000 Ankünfte illegaler Einwanderer aus Nordafrika in Italien, 2009 nur noch 8700. „Und in diesem Jahr gibt es praktisch gar keine Boote mehr”, so Stefan Telöken vom UNHCR in Deutschland.

Auch die europäische Grenz-Agentur Frontex mit Sitz in Warschau nennt sinkende Zahlen. Im Vergleich zwischen 2008 und 2009 waren auf der Kanaren-Route 76 Prozent und der Mittelmeer-Route 83 Prozent weniger Flüchtlinge unterwegs. Den geringsten Rückgang (20 Prozent) gab es auf der Griechenland-Route. Hier versuchen vor allem Flüchtlinge aus Irak, Afghanistan, Somalia und Eritrea den Zaun nach Europa zu überwinden. Menschen aus Westafrika sind eher selten darunter.

Griechenland nimmt 150.000 Migranten fest

Frontex-Sprecherin Izabella Cooper sieht dennoch eine leichte Verlagerung der Flüchtlingsströme aus Gesamt-Afrika nach Griechenland. Eine These, der Stefan Telöken widerspricht: „Der Landweg über die Türkei und Griechenland war schon immer beliebt.” Dennoch: In Griechenland hat sich eine Lage entwickelt, der das Land kaum Herr zu werden scheint: 2009 war Griechenland für 75 Prozent der Verhaftungen wegen illegalen Grenzübertritts in Europa verantwortlich – 150 000 Menschen wurden festgenommen. „In diesem Jahr sind es bereits 88 Prozent”, so Izabella Cooper.

Vor diesem Hintergrund betrachtet UNHCR mit Sorge die gegenüber 2008 leicht um drei Prozent auf 246 000 gestiegene Zahl der Asylbewerber in der EU. Denn Griechenland ist das Land des Staatenbunds, das den Flüchtlingsstatus am wenigsten vergibt.

Für Idrissa Sane spielt diese Diskussion keine Rolle mehr. Zwar hatte er im Gegensatz zu 360 Bootsflüchtlingen die Himmelfahrt über den Atlantik überlebt, doch wurde er nach seiner Ankunft auf Gran Canaria wieder abgeschoben. Drei Jahre später im Februar ist er mit 34 Jahren in seinem Heimatdorf im Süden Senegals gestorben.

Gregor Boldt

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Kommentare
14.07.2010
17:58
Zahl der Boots-Flüchtlinge sinkt
von vantast | #15

#13: Nicht an allen, aber an sehr vielen. Erinnern Sie sich noch: Die USA haben die Taliban geschaffen, wegen Öl den demokratisch gewählten Präsidenten des Iran,Mossadeq, gestürzt, durch das Terrorregime des Schahs ersetzt. Der Demokrat Allende mit Hilfe der Amerikaner ermordet und durch ein Terrorregime ersetzt, den Diktator Saddam Hussein unterstützt, die Untaten in Afrika sind natürlich nicht alle bekannt, aber leider hat der Westen schon sein blutiges Auge auf Afrikas Bodenschätze geworfen und überall da, wo die Westler Öl fanden, wurden die Menschen nach Strich und Faden ausgebeutet, drangsaliert.

14.07.2010
17:41
Zahl der Boots-Flüchtlinge sinkt
von Order of the dragon | #14

Ja, liebe Bessermenschen, wir haben es jetzt alle verstanden - der böse Westen ist natürlich an allen Fehlentwicklungen auf der Welt schuld. Auf gar keinen Fall sind die betroffenen Länder für ihre Situation selbst verantwortlich.
Jetzt aber husch husch ins Bett, gleich kommt das Sandmännchen, und ihr könnt wieder weiterträumen...

14.07.2010
16:19
Zahl der Boots-Flüchtlinge sinkt
von Langnese | #13

Der Norden braucht die Bodenschätze des Südens. Korrupte Regierungen sind in unserem Interesse, weil sie nicht selten -v.a. als Militärdiktaturen- relativ stabile Verhältnisse bedingen.

Die Lebensgrundlage entziehen wir den südlichen Ländern nicht zuletzt durch Knebelverträge der Weltbank, die den Menschen dort vorschreibt, was sie anzubauen haben. Oftmals Dinge, die den Menschen vor Ort nix bringen, sondern nur für den Handel geeignet sind. Wenn dann aber in Europa oder den USA das gleiche Erzeugnis subventioniert wird (Beispiel Baumwolle), wird das Produkt aus Afrika nicht wettbewerbsfähig. Am Ende sitzt Afrika aus wertloser Baumwolle und hat keine Nahrungsmittel angebaut.


Dass wir mit unserer Fleischfresserei zudem die Nahrungsmittelpreise nach oben treiben (unser Vieh ist dem Rest das Soja etc. weg) trägt zum Missverhältnis bei.

Unser Fehlverhalten ist ausschlaggebend und bedingt/fördert nicht zuletzt die paar machtvollen/brutalen/korrupten aminschen Führer im Süden. Den Afrikanern jetzt auch noch die Schuld in die Schuhe schieben zu wollen kann nur dem Resthirn eines degenerierten Europäers entfleuchen.

14.07.2010
15:13
Zahl der Boots-Flüchtlinge sinkt
von vantast | #12

Früher war die Mauer menschenverachtend, jetzt bauen wir selber welche. Wir lassen uns doch nicht unseren Wohlstand kaputtmachen, nur weil wir Afrika durch Exportsubventionen, durch Zusammenarbeit mit Diktatoren und durch zu große Fischfänge ruiniert haben!

14.07.2010
14:58
Zahl der Boots-Flüchtlinge sinkt
von duck | #11

#5 von Tinkatulia

Alles schön und gut, es ist sicherlich nicht ganz falsch, das europäische und amerikanische ( inzwischen auch chinesische und indische ) Konzerne sich gerne an den Resourcen Afrikas bedienen. ABER : Wie willst du deine Ideen in die Tat umsetzen ? Es ist eben NICHT alles mit Geld zu regeln. Schau dir zB ein Land wie den Kongo an - das Land ist reich an vielen Resourcen, die Leute dort könnten da alle gut von Leben, wenn es nicht dort auch Leute geben würde, die mit Vorliebe in die eigenen Taschen wirtschaften nd denen ihre Mit-Kongolesen herzlich scheiß egal sind ! Es gehören immer zwei dazu, welche die ausbeuten wollen und welche die sich ausbeuten lassen. Warum laufen da so viele Warlords mit ihren eigenen Milizen rum, die ne gute Mark damit verdienen ihre eigenen Landsleute zu versklaven um sie in Minen schuften zu lassen, damit sie das gewonnene Rohmaterial an europäische Firmen verticken können ? Warum gibt es in Afrika Staatsoberhäupter, die sich einen Palast nach dem anderen bauen, während ihr Volk verhungert ?

Da nutzt ein bisken Entwicklungshilfe gar nix - da muss sich erst einmal was in den Köpfen der Menschen DORT ändern !!! Dein Schuldenerlass bringt den Menschen vor Ort überhaupt nix - maximal den führenden bzw regierenden Clans ( abgesehen davon gab es schon diverse Schuldenerlässe - Wirkung : NULL )

Aufbau einer funktionierenden Wirtschaft ? Wir bekommen das ja noch nicht einmal bei uns selber hin *G*

Davon mal ab, vielleicht haben wir das Glück gehabt auf der anderen Seite des Meeres geboren worden zu sein, aber auch auf dieser Seite ist nicht alles vom Himmel gefallen, sondern musste durch eine lange, schmerzvolle und oft entbehrungsreiche Zeitspanne und mit viel Arbeit geschaffen werden. Vielleicht wäre es ja mal ein ganz neuer Denkansatz, das auch die Afrikaner ( und nicht nur die ) erkennen, das sie ihre Länder mit ihrer Hände Arbeit aufbauen können. Was natürlich länger dauert und schwerer ist als sich in ein Paddelboot zu setzen ( und wenn man dann durch kommt ) sich in einer warmes, gemachtes Nest setzen zu können....

Mal abgesehen davon und ganz platt gefragt : Meinst du, alles wird besser wenn wir JEDEN der nach Europa will auch mal eben aufnehmen ? Was meinst du, wie lange es unsere Gesellschaft in dieser Form dann noch gibt ? Es bröckelt bereits jetzt an den Rändern.....

14.07.2010
14:49
Zahl der Boots-Flüchtlinge sinkt
von taosnm | #10

Melanie H.

Man muss nicht linkslastig sein, um zu wissen, dass die gesamte EU dazu beigetragen hat, die afrikanischen Länder zu verarmen. Nur z.B. industrieller Fischfang vor Westafrika. Das wäre Sache der Afrikaner, war es immer und hat ihnen ihr Leben garantiert.

Und dass Entwicklungshilfe geleistet wurde, ja bitte, warum nicht vorher geprüft, wohin. Das ist so ähnlich wie Ablass vor einigen Jahrhunderten. Wenn wir den Afrikanern ihre Ressourcen überlassen würden, d.h. Bodenschätze, Öl, Fisch etc. etc., müssten wir keine Entwicklungsgelder dorthin schicken. Doch der Westen hat sich immer dort bedient, ohne darüber nachzudenken, dass er damit auch Verantwortung übernimmt.

14.07.2010
14:32
Zahl der Boots-Flüchtlinge sinkt
von Melanie H. | #9

Da sich der Wohlstand der Westeuropäer nicht zuletzt auf die Ausbeutung der afrikanischen Staaten gründet....

Solche Behauptungen liest man besonders in linkslastigen Zeitungen immer wieder, sie werden aber durch ständiges Wiederholen aber nicht wahrer. Die Abermilliarden, die der Westen schon für Entwicklungshilfe bereit gestellt hat, sind zum größten Teil entweder verplempert oder zweckentfremdet worden von Machthabern wie Bokassa und Konsorten..

14.07.2010
14:17
Zahl der Boots-Flüchtlinge sinkt
von pennyislackerseinenkel | #8

Super Überschrift, übrigens.

14.07.2010
14:16
Blockierter Kommentar.
von wechmitmueltikuelti | #7

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

14.07.2010
14:10
Zahl der Boots-Flüchtlinge sinkt
von Torpedo los | #6

Was für einen dümmlichen Mist schreibt denn diese Tinkatulia ? Unglaublich.

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