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Euro-Krise

Euro-Krise - Zweifel an der „Eisernen Kanzlerin“

26.03.2013 | 18:00 Uhr
Euro-Krise - Zweifel an der „Eisernen Kanzlerin“
Die Kritik an Angela Merkels Euro-Politik wächst.Foto: dpa

Brüssel/Nikosia.  54 Prozent der Bundesbürger misstrauen Angela Merkels Konten-Garantie. Außerdem machen sich laut Forsa-Umfrage 67 Prozent der Deutschen große bis einige Sorgen um ihr Erspartes. International wächst zudem die Kritik an der Euro-Politik der Bundesregierung.

Die massive Euro-Krise im kleinen Zypern kratzt offenbar am Image von Angela Merkel als „Eiserner Kanzlerin“. Laut Forsa-Umfrage vertrauen 54 Prozent der Deutschen Merkels Zusage nicht, dass die Spareinlagen in Deutschland sicher sind. 41 Prozent glauben ihrer Garantie. Insgesamt machen sich 67 Prozent der Deutschen große (26 Prozent) oder etwas (41 Prozent) Sorgen um ihr Erspartes.

Für SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück zahlt sich die Unsicherheit nicht aus. Nur 19 Prozent der Deutschen würden den Ex-Finanzminister direkt zum Kanzler wählen.

Auch international wächst die Kritik an der Bundesregierung. In scharfen Worten verwahrte sich Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn gegen ein deutsches Diktat in der Euro-Krise. Angesichts sehr harter Auflagen für den Finanzplatz Zypern wehrte Asselborn zudem Forderungen ab, nun auch andere EU-Finanzplätze unter Druck zu setzen. „Ich kann das Wort ,Geschäftsmodell’ sehr schwer ertragen“, sagte der Sozialdemokrat mit Blick auf die Äußerung von Bundesfinanzminister Schäuble, dass Zypern sein „Geschäftsmodell“ ändern müsse.

„Die Erfahrung von Zypern ist kein Modell für den Rest der Eurozone.“

„Deutschland hat nicht das Recht, die Geschäftsmodelle für andere Länder in der EU zu fixieren. Es darf nicht soweit kommen, dass unter dem Deckmantel von finanztechnischen Fragen andere Länder erwürgt werden“, so Asselborn.

Die Verunsicherung der EU-Bürger hatte der niederländische Eurogruppenchef Dijsselbloem mit seiner Aussage geschürt, das Modell für Zypern könne Vorbild für künftige Hilfsaktionen im gesamten Euroraum sein. Zwar nahm er dies später zurück, doch hagelte es Kritik. EZB-Direktor Benoit Coeure sagte: „Ich denke, Herr Dijsselbloem lag falsch mit dem, was er da sagte. Die Erfahrung von Zypern ist kein Modell für den Rest der Eurozone.“

"Kommunikations-Desaster hat zu einem massiven Vertrauensverlust geführt"

Das Hin und Her in Brüssel hatte damit begonnen, dass in Zypern auch normale Sparer mit Konten ab 20.000 Euro belastet werden sollten, letztlich wurden 100.000 Euro freigestellt. „Dieses Kommunikations-Desaster hat zu einem massiven Vertrauensverlust geführt“, kritisiert Finanzwissenschaftler Stephan Paul von der Ruhr-Universität Bochum.

Zypern
Warnsignal für Merkel - von Walter Bau

Die unverhohlene Attacke des luxemburgischen Außenministers ist ein neues, ernst zu nehmendes Warnsignal: Die Euro-Politik Merkelscher Prägung droht...

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Stefan Schulte

Kommentare
28.03.2013
11:14
Euro-Krise - Zweifel an der „Eisernen Kanzlerin“
von wimmel | #38

Der westdeutsche Rentner, (unverschämte Rentenerhöhung von 0,25 %) und der deutsche Sparer (Zinsen von 0,70 %) bezahlen den Wohlstand dieser...
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2013-03-26 18:00
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